Landung in Zentralasien

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Am Montag zu Mittag war es endlich soweit und wir durften eine weitere Etappe unserer Reise starten. Wir waren ja nach Istanbul gekommen, weil wir von dort einen günstigen Flug zu unserer nächsten Wunschdestination gefunden hatten: Usbekistan.

Warum Usbekistan? Gute Frage. Genau kann man das nicht sagen, da wir keine Ahnung hatten, wie es in Zentralasien wohl sein würde. Was wir wussten, war, dass die sagenhafte Seidenstraße seinerzeit hier durchging, dass hier ein paar der ältesten und einst reichsten Städte der Welt mit fantastisch-märchenhaften Namen zu finden sind, und dass die ehemaligen Sowjetrepubliken seit dem Zerfall der Union mit neuem Selbstbewusstsein auftreten und mehr oder weniger auch für Reisende offen sind.

So haben wir uns ahnungslos ins Flugzeug gesetzt und sind abgehoben, Richtung Taschkent, Usbekistans Hauptstadt mit 2 Mio. Einwohnern.

Ein Visum hatten wir schon, einen Reiseführer auch. Dieser war aber noch unangetastet, als ich ihn im Flugzeug zum ersten Mal öffnete und kurz darauf friedlich eingeschlafen bin.

Am Flughafen waren wir überraschend schnell durch die gefürchtete Bürokratie durchgekommen und schon standen wir auf der Straße in Taschkent. Wie immer ist die Landung in einem fremden Land mit Spannung verbunden und die ersten Stunden sind die schwierigsten, es sei denn, man wird abgeholt und gleich in einen sicheren Hafen ala Hilton oder Hotel Mama gebracht, was bei uns klarerweise nicht der Fall war…Die Landung in Usbekistan war besonders schwierig, um nicht zu sagen beschi§$en. Am Flughafen gibt es keinen Bankomaten oder Wechselstube, wo man wenigstens ein wenig Geld bekommen könnte, die Taxifahrer sind lästig wie sonst auch überall und zerren einen am Ärmel herum, bis man fast aus der Haut fährt, aber das schlimmste war, dass kein Mensch ein Wort Englisch und man selber kein Wort Russisch srFechen geschweige denn die Schrift lesen kann.

Ich hab einem Taxifahrer gestikuliert, dass wir Geld brauchen würden, und das hat ihm das Zauberwort „Bankomat?“ entlockt. Hassan hieß er und war ab sofort unser Chaffeur. Als wir in die breiten aber unbeleuchteten Sowjet-Boulevards Taschkents einfuhren, waren wir nicht darauf eingestellt, dass unser gemeinsamer Weg mit Hassan länger als 10 Minuten dauern würde. Doch leider ist das mit den Bankomaten hier nicht so einfach. Mit Hassan auch nicht. Die unglaublich weiten Plätze und Strassen der verregneten Stadt waren leer und zappenduster, genauso schaut es leider auch in Hassans Hirn aus. So fuhren wir von A nach B und von C nach D, zwar alles auf Hassans Rechnung aber vor allem auf Kosten unserer Nerven. Irgendwann bekamen wir im Intercontinental Hotel von einem Bankomaten ein paar Dollarscheine ausgespuckt, die es dann zu wechseln galt. Hassan fuhr mit uns in Hoffnung einer fetten Provision zu den Strassenwechslern. Als wir aber für 400 Dollar einen 10 cm hohen Geldstapel ins schlecht beleuchtete Wageninnere geschoben bekamen (der größte usbekische Geldschein ist ca. 40 Eurocent wert), wurde uns die Sache doch zu heiß und wir haben die Aktion abgeblasen. Hassan fuhr kreuz und quer und dachte wohl nach, wie er doch noch zu seinem Stück vom Geldwechselkuchen kommen könnte, was wohl soviel von seinem Arbeitsspeicher brauchte, dass er sich in den Strassen nicht mehr zurechtfand. Irgendwann nach mehreren Stunden Odyssee und Geldauftreiben kamen wir zu dem „Hotel“, wo wir hinwollten und bezogen ein echt schräges Zimmer, riesengroß, ausgeschmückt mit Schnickschnack, Tapeten, Vorhängen und einem Teppichboden, dass jeder Stauballergiker sofort Selbstmordgedanken bekommen muss.

jede Menge "Gjeld"

jede Menge "Gjeld", Gegenwert 120 Euro

aber wo bitte sind wir hier gelandet?

aber wo bitte sind wir hier gelandet?

Die Matratzen hingen durch, als ob sich ein nervenkranker Zirkuselefant jahrelang darauf im Kreis gedreht hätte. Saukalt war es. Nachdem wir noch erschreckt festgestellt hatten, was wir Teppen uns da antun, während sich der Rest der Travellerwelt Halligalli, Tuttifrutti und Remmidemmi in Südostasien, Brasilien oder der Karibik gibt, sind wir vollkommen erschöpft eingepennt.

Doch als Vollprofiwanderer weiß man, dass es auf einer speziellen Wanderung so wie auf der Lebenswanderschaft immer wieder kleine moralische Tiefpunkte gibt, die auch gleich immer den Beginn des nächsten Aufschwunges darstellen. „Positiv denken!“, hörte ich im Geist meinen Vater sagen, der ein wahrer Großmeister dieser schwierigen Disziplin ist. (Strastvuitje Dowaresch!)

In diesem Sinne haben wir uns am nächsten Morgen aufgerafft und sind auf die Strasse raus, die bei Tageslicht und ohne Regen gleich viel netter war. Außerdem wollten wir direkt das Ziel ansteuern, dessen großartiger Namen uns in diese so unbekannte Ecke der Welt gelockt hat. Die Tafel am Bus verraet es dem, der der kyrillischen Schrift mächtig ist.

Die Busfahrt dauerte 6 Stunden und wieder einmal war es der Bus, wo man dem Einheimischen nach einiger Zeit einfach näher kommt. Die Menschen in Usbekistan (Usbeken, Tadschikvn, Kirgisen, Kasachen, Russen, etc.) sind ja in der Masse nncht gleich so besonders nahbar wie zum Beispiel in Afrika oder Mittelamerika. Die haben hier auch mit den Fremden schon genug mitgemacht (Araber, Perser, Mongolen, Russen, etc.), und so blieb das große Lächeln erst einmal aus. Aber im Bus wurde es dann schon sehr nett, obwohl die Verständigung sich auf die Zeichensprache beschränkte. Die Leute hier lernen anscheinend von klein auf bis zu 6 (!) verschiedene Sprachen, die in der Region wichtig sind, Englisch zählt aber erst in letzter Zeit ein wenig dazu. Irgendwann stieg eine junge Englischlehrerin ein, die sich gleich auf uns stürzte um ein wenig Englisch zu üben, was sie (ehrlich gesagt) auch dringend nötig hatte. Aber nett war sie und sie hat für den halben Bus gedolmetscht und Fragen übersetzt.

Die Leute waren sehr scharfsinnig, aber den Fragen nach waren wir wohl die ersten Reisenden, mit denen sie jemals gesprochen haben…Wer wir sind? Woher wir kommen? Was wir wollen? Ob wir Geld haben oder hier Arbeit suchen? Wo unser Geld herkommt? Was wir für Handys haben? Was, gar keine? Wer uns schickt, unser Präsident vielleicht? „Hauptsache keine Russen!“, dürften sie sich letztendlich gedacht haben…Da haben sich wieder einmal verschiedene Welten begegnet!! Wir waren auskunftsfreudig und offen, dafür wollten sie uns gleich alle in ihr Haus einladen, die Englischlehrerin wollte uns zu der Hochzeit mitnehmen, zu der sie unterwegs war und wo anscheinend 400 Leute zum Feiern zusammenkommen sollten. Das klang ja alles interessant, doch wir haben hier die Pflicht uns lückenlos in Hotels einzuschreiben (Usbekistan ist ein Polizeistaat mit aller Bürokratie und Korruption, die dazugehören), also sind wir mal weitergefahren zu unserem eigentlichen Ziel, wo wir gestern angekommen sind.

Cusco, Lhasa, Varanasi, Jerusalem, Timbuktu…es gibt ein paar besondere Orte auf der Welt, deren Erwähnung fantastische Bilder und Vorstellungen in einem hervorrufen, ohne das man dort gewesen sein muss oder irgendeinen Anspruch an den Realitätsbezug der Bilder stellt. Eine dieser Städte hat uns hierher gerufen und endlich sind wir da, in der Stadt, in der die Märchen aus 1000 und einer Nacht erzählt wurden, der einst reichsten Stadt der Seidenstraße, die im Laufe ihrer Jahrtausende alten Geschichte immer wieder von fürchterlichen Despoten und Zerstörern der Marke Dschingis Khan und co. heimgesucht wurde und erst in den letzten Jahren seit der Unabhängigkeit Usbekistans wieder aus dem Staub aufersteht:

Das sagenumwobene SAMARKAND!!!

der Registan von Samarkand, eine von vielen Sehenswuerdigkeiten

der Registan von Samarkand heute Morgen

die Stadt, in der sogar das Brot legendaer (gut) ist

die Stadt, in der sogar das Brot legendaer (gut) ist

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9 Gedanken zu „Landung in Zentralasien

  1. Winnie

    Gibts schon Pläne für den Weiterweg?
    Sonst gib i der Michi, die vom 11. bis 16. Mai in Kasachstan is, a verspätete Osterjausn mit 😉

    Antworten
  2. Erhard + Margit

    Lieber Jörg !

    Wir wünschen Euch ein schönes Osterfest wo immer Ihr auch seid !

    Ganz liebe Grüße
    Erhard + Margit

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  3. walter

    hallo du seidenstrassenwärter!
    herzliche grüsse von der turracher bundesstrasse
    deine kommentare wie immer super!

    alles gute weiterhin
    walter&alle

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  4. Tante Gitti

    Hallo Jörgl! Danke für die großartigen Schilderungen und Bilder!!!WIEDER eine andere Kultur. Ich vergönn’ Euch diese Erfahrungen! Auch ich wünsche Euch ein schönes Osterfest, auf Eure Art, werdet schon ein “Eialein” finden…
    Alles alles Liebe,auch an Nane, den ich ja inzwischen auch ins Herz geschlossen habe,eine feste Umarmung!
    Daß Ihr die Grenze Israel/Syrien so ohne weiters geschafft habt,hat Herrn Oberst Wolfgang SEHR erstaunt…Ihr werdet schon gut geführt!!!
    Alles Liebe T. Gitti

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  5. Stefan

    Hola Hermano,

    neben Deinen Reiseberichten wirkt unsere Urlaubswoche auf La Palma ja zunächst recht unspektakulär. Es war dennoch eine schöne Reise mit viel Baden und Faulenzen. Bisschen Insel erkunden, Vulkane anschauen und gutem Essen. Am letzten Tag zogen sogar noch drei Wale in weiter Entfernung vorbei, man sah wie sie ihre Wasserfontänen hochbliesen und einer war so nett, beim Abtauchen auch ein bisschen mehr zu zeigen.
    Ich freue mich schon sehr auf weitere Berichte aus Usbekistan und wünsche Euch eine gute Reise.
    Ganz liebe Grüße und frohe Ostern.
    S.

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  6. ursi

    hey joerg! vielen dank für die lieben ostergrüße und den ausgehtipp! immer wieder spannend wie klein die welt durch digitale medien geworeden ist, das nachtprogramm in wien lässt sich offensichtlich auch aus so fernen destinationen wie samarkand gut beobachten … 😀
    schön, von euren abenteuern in der ferne zu lesen! kappadokien klingt super und ganz toll! die fotos sind überaus beeindruckend!! bin schon gespannt, wie`s auf der seidestraße bei euch weitergeht!!! haltet die ohrwaschl steif und alles, alles liebe aus dem inzw. sehr frühlingshaften (vorsommerlichen?) wien (25 grad), juhuuuu!!! dickn drucka! ursi x

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  7. Ronni

    Hallo Jörg. Danke für dein nettes E-Mail. Ich habe mich darüber sehr gefreut. Ich habe eine Woche skifahrenderweise im Ennstal verbracht und wohl die geilste Woche des Jahres erwischt. Sieben Tage Sonnenschein, um halb neun auf der Piste, harte Bedingungen und ab zehn dann Firn bis Mittag. Danach wars skifahrtechnisch nicht mehr interessant, also Einkehrschwung auf die Terrasse meines zweiten Wohnzimmers am Berg.
    ZENTRALASIEN. Das ist beeindruckend. Mach Fotos, was der Akku hergibt! Dort werde ich wohl nie hinkommen, obwohl ich es mir so spannend vorstelle. Also hilf mir bitte, das Feeling dieser Kultur zu spüren.
    Wünsche dir alles Gute.
    lg ronSi

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  8. roland

    Hi Jörg, danke für deine Osterwünsche, habe mich sehr gefreut von euch zu hören.
    Danke für deine wunderbaren Reiseberichte, die die du genauso bringst als könnte man ein stück weit mit dabei sein.
    Alles Gute weiterhin und ganz liebe Grüsse, Roland

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