Te Waipounamu od. die neuseeländische Südinsel

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Die Maori haben den verschiedenen Gegenden und Orten ihres Landes schön klingende und auch bedeutungsvolle Namen gegeben. „Te Waipounamu“ heißt übersetzt „Der Ort der Jade“. Dort und nur dort findet man die Neuseelandjade (od. auch Greenstone genannt), die von den Maori „Pounamu“ genannt wird. Pounamu war und ist der wertvollste Rohstoff für die Ureinwohner Neuseelands und seit jeher wurden daraus Werkzeuge und Schmuckstücke hergestellt. Aber wer schon einmal einen Blick in meinen Shop geworfen hat, dürfte das ja längst wissen…alle anderen sind herzlich eingeladen, das nachzuholen.

Te Waipounamu wurde von den Europäern schlicht und einfach „Südinsel“ genannt, was zwar nicht gerade poetisch ist aber auch Sinn macht. Die Südinsel ist die größere der beiden Hauptinseln Neuseelands und ist fast zweimal so groß wie Österreich. Sie ist noch weniger dicht besiedelt als die Nordinsel, ca. ein Viertel der Landesbevölkerung lebt dort. Die Fische und Meeresfrüchte sind im kalten Wasser rund um die Südinsel noch üppiger, Landwirtschaft und Weinbau werden teilweise in für unser Gefühl fast schon größenwahnsinnigem Stil betrieben und der Tourismus floriert in den abgelegenen und unheimlich schönen Gegenden der Südinsel.

Die ursprünglichen Bewohner von dort gehören hauptsächlich dem Stamm „Ngai Tahu“ an. Ngai Tahu gilt aufgrund großer Landbesitze und damit verbundener reger Geschäftstätigkeit als einer der wohlhabendsten Maori-Stämme. Die Stämme sind heute auch wirtschaftlich professionell organisiert und halten dabei immer noch an alten Grundsätzen fest – zum Beispiel dem, dass der kommunale Besitz (v.a. des Landes) vor dem individuellen Reichtum geht.

Auf keiner meiner Reisen nach Neuseeland hatte ich es bisher auf die Südinsel geschafft. Einerseits waren meine Reisen mehr von kulturellem Interesse an den Maori motiviert und man findet diese ja hauptsächlich auf den Teilen der Nordinsel, die ich intensiver kennen gelernt habe. Andererseits wird die Südinsel immer wieder mit den europäischen Alpen verglichen und war für mich darum landschaftlich nicht vordergründig interessant – immerhin lebe ich ja zuhause eh in den Bergen. Die Südinsel scheint auch im Bewusstsein der Menschen auf der Nordinsel ziemlich weit weg zu sein, und viele von ihnen kommen ihr ganzes Leben lang nie dorthin. Dazu muss man sagen, dass die Neuseeländer an sich nicht unbedingt so reisefreudig sind. Irgendwie ist ja alles sehr weit weg von Neuseeland und die subjektive hohe Lebensqualität hier drängt einen auch nicht unbedingt fort. Dazu kommt, dass sich der normale Neuseeländer bei den gegebenen Verhältnissen von Lebenskosten und Einkommen nicht wirklich leicht ein ausreichendes Urlaubsgeld erspart.

Wie dem auch sei…Wyns Ersparnisse reichten anscheinend aus, um mich mit einem Flug auf die Südinsel zu überraschen, und so war auch ich so weit, erstmalig auch die andere Insel für ein paar Tage gemeinsam zu erkunden.

Die Südinsel ist nicht nur landschaftlich und energetisch ganz anders als die Nordinsel. Der Besuch dort sollte uns nach nunmehr zwei Monaten auch sonst einen kleinen Tapetenwechsel bringen. Anders als auf der Nordinsel, wo Wyn bis ins letzte Kaff überall Verwandte und Bekannte hat, würden wir auf der Südinsel nur zwei von unzähligen Touristen sein.

Wir begannen unsere Reise in Queenstown, das wohl die größte Touristendrehscheibe auf der Südinsel ist. Schon am Flug dahin sahen wir schöne, von Gletschern überzogene, den Alpen ähnliche Bergzüge (werden deshalb auch „die südlichen Alpen“ genannt) und ich bekam direkt ein bisschen Heimweh. Hatten wir auf der Nordinsel gerade noch sommerliche 25°C, fanden wir uns bei der Landung in Queenstown bei ca. 8°C wieder. Man versicherte uns jedoch, dass die Temperatur nur mit einer kurzfristigen Südwetterlage von der nahe gelegenen Antarktis zu tun hätte und nicht der Jahreszeit entsprechend sei. Das sollte sich auch bewahrheiten…

Wir verbrachten zwei Nächte in Queenstown und erkundeten ein bisschen die schöne Gegend. Der berühmte Bergzug gegenüber von Queenstown wird passenderweise „The Remarkables“ (die Bemerkenswerten) genannt, und es gibt viele Schigebiete in der näheren Umgebung. Auch im Sommer wird einiges für die vielen, hauptsächlich europäischen Touristen gemacht.

Gletscher in den südlichen Alpen vom Flieger aus

Gletscher in den südlichen Alpen vom Flieger aus

Happy!

Cold but happy – Ankunft in Queenstown

Queenstown und die Remarkables

Queenstown und die Remarkables

mit einer Seilbahn aus Österreich

mit einer Seilbahn aus Österreich

wie zuhause

wie zuhause

faszinierendes Blau

faszinierendes Blau des Sees, die Remarkables im Hintergrund

Abendstimmung

Abendstimmung bei Queenstown

Von Queenstown fuhren wir mit unserem Mietauto ins „Fjordland“, einem großen Nationalpark im Südwesten der Insel, der von vielen fjordähnlichen Meeresbuchten durchzogen wird. Eine der namhaftesten dieser Buchten ist der so genannte „Milford Sound“, und dort fuhren wir wie viele andere Touris hin. Die Fahrt im Auto war landschaftlich umwerfend schön und wir bleiben immer wieder zum Fotografieren und kleinräumigen Erkunden stehen. Da hätte man leicht ein paar Tage mehr einplanen können und zwar am besten mit einem Camper, damit man die Weite und Freiheit so richtig genießen kann. Für uns war es aber auch so recht. Die Bootsfahrt durch den Milford Sound bis zur Tasman-See war wirklich sehr schön und vor allem ruhig, was für meinen für Seekrankheit anfälligen Magen sehr günstig war.

Voilá!

Voilá!

Sheep

Sheep

nur einer von vielen wunderbaren Seen

nur einer von vielen wunderbaren Seen

Mirror Lake

Mirror Lake

Gletscher

Gletscher

im Milford Sound

im Milford Sound

Milford Sound

Milford Sound

Robben beim Rasten

Robben beim Rasten

Von Queenstown weiter nördlich sollte dann der topografische und auch unser persönlicher Höhepunkt der Südinsel auf uns warten. Zuerst fährt man durch eine sehr trockene, unbewaldete und mit natürlichem Grasland bedeckte Landschaft ein paar Stunden nach Norden, bis man dann zum Lake Pukaki nach links abbiegt. Der Anblick des Sees raubt einem dann gleich förmlich den Atem. Die gelbliche Grassteppe, das vom Gletscherschliff trüblich-seifenblaue Wasser des Sees und der von der trockenen Luft blaue und klare Himmel bilden eine perfekte Kulisse für den hinter dem See herausragenden Aoraki. Nach erstem Staunen und Fotografieren sind wir dann dem See entlang in seine Richtung weitergefahren.

Aoraki bzw. Aorangi ist der Maorinamen von Mount Cook. Um den höchsten Berg Neuseelands (nur ca. 70 m weniger hoch als „unser“ Großglockner) gibt es wohl zahlreiche Maori-Legenden. Auf alle Fälle wird der Berg von den Maori als energetisch wichtiger Ankerpunkt ihres Landes wahrgenommen und verehrt. So wie auch bei unserem Glockner ist beim Aoraki noch viel mehr festzustellen, dass er nicht nur der höchste, sondern auch ein Berg von herausragender Schönheit in seiner Umgebung ist. Der Aoraki steht da wie ein riesiger Diamant und trägt eine mächtige Gletscherkappe, die ihn auch im Hochsommer weiß erstrahlen lässt.

Wir haben den ganzen Nachmittag am Fuße des Mt. Cooks verbracht und nur zu gerne hätte ich noch viel mehr Zeit gehabt um zumindest eine ordentliche Wanderung zu machen. Der Mount Cook ist offensichtlich ein für Alpinisten anspruchsvoller Berg und ein Denkmal mit vielen Namenstafeln erinnert an alle am Berg Verstorbenen oder Verschollenen, darunter auch einige Europäer. „Mount Cook“ wäre wohl auch die Zauberformel, mit der ich meinen mit den Bergen verwachsenen Vater vielleicht doch noch einmal nach Neuseeland locken könnte, und so habe ich mich auch um ein paar gute Fotos (zumindest vom Tal aus) bemüht, um diese dann zuhause entsprechend ins Spiel zu bringen.

der erste Blick auf Lake Pukaki und in der Ferne Aoraki

der erste Blick auf Lake Pukaki und in der Ferne Aoraki

...schon etwas näher

…schon etwas näher

vom Gletscherschliff getrübtes, eiskaltes Wasser. Ist tatsächlich so blau...

vom Gletscherschliff getrübtes, eiskaltes Wasser. Ist tatsächlich so blau…

ziemlich aus der Nähe

ziemlich aus der Nähe

Gipfel im Zoom

Gipfel im Zoom

so hab ich da geschaut

so hab ich da geschaut

ein anderer Riese hinter dem Aoraki

ein anderer Riese hinter dem Aoraki

Es war gar nicht leicht sich wieder von dort loszureißen, dennoch haben wir unsere Fahrt weiter nach Norden fortgesetzt. Am nächsten Tag haben wir am Weg einige Kraftplätze im Landesinneren besucht, die auch für die Maori wichtig sind. Man muss aber auch sagen, dass die Verbindung von Ureinwohnern und Land hier heute weniger wahrzunehmen ist als zum Beispiel in weiten Teilen der Nordinsel, wo die Maori noch immer in großer Zahl ihr angestammtes Land bewohnen. Das ist aber gerade auch das Schöne, womit die Südinsel punktet. Die Weite und Menschenleere ist hier noch größer und man findet viele unberührte Plätze von ursprünglich reiner Energie und Kraft. Ich habe mich dabei manchmal in die mir bekannten Landschaften von Nord- und auch Südamerika versetzt gefühlt.

ein Spielplatz für Riesen

ein Spielplatz für Riesen…

...mit vielen netten Plätzchen zum Verweilen

…mit vielen netten Plätzchen zum Verweilen

Letztendlich sind wir dann im Nordosten der Insel angekommen, wo wir noch zwei Tage in Kaikoura verbracht haben.

Kaikoura hält alles, was sein Name verspricht. “Kai” ist ja eines der wichtigen Maori-Wörter und heißt „Essen“. Und „Koura“ ist der Maori-Name von den großen Hummern bzw. vielmehr Langusten (Crayfish), die es dort gibt. Neben Hummern ist das Meer dort auch voll mit allen andern Köstlichkeiten und auch die Meeressäuger wissen das zu schätzen. In den fischreichen Gewässern rund um Kaikoura schlagen sich ganzjährig Robben, Delfine und Wale den Bauch voll und all diese schönen Tiere kann man dort auch bewundern. Die Robben sitzen am Strand, die Delfine sieht man vom Strand aus und die Wale kann man auf einer Bootstour beobachten. „Whale-Watching“ heißt das dann, und damit ist nicht die neuseeländische Variante der Weightwatchers gemeint. Dafür wäre zwar auch genug Klientel vorhanden, aber man setzt hier lieber auf ausländische Touristen, die gerne Pottwale, Buckelwale und manchmal sogar Blauwale zu Gesicht bekommen und dafür mit barer Münze zahlen wollen. Damit ist Kaikoura international bekannt geworden und die Waltouren werden von den ortsansässigen Maorifamilien höchst professionell abgewickelt.

Wir haben in Kaikoura das volle Programm von den Robben bis zu den Walen genossen und damit unsere Reise auf der Südinsel würdig abgeschlossen. Dass die letzte Fahrt zum Flughafen in Christchurch mit unserem Mietwagen durch eine ruinierte Kupplung (ich war´s nicht!) auf den letzten Kreuzungen etwas peinlich war, konnte der Freude keinen Abbruch tun.

Bucht von Kaikoura

Bucht von Kaikoura

Wyn liebt das Meer

Wyn liebt das Meer

Ebbe

Ebbe

eine fette Robbe am Strand in Kaikoura

eine fette Robbe am Strand in Kaikoura

:)

:)

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Pottwal in Kaikoura

Pottwal  beim Atmen vor Kaikoura

der entscheidende Moment zum Fotografieren ist, wenn die Walflosse rauskommt

der entscheidende Moment zum Fotografieren ist, wenn die Walflosse rauskommt

Die Südinsel ist eine eigene Welt von vielfältiger Schönheit und großer Kraft und dementsprechend eine echte Empfehlung für alle, die auf einer Neuseelandreise Zeit dafür haben oder so wie ich zum wiederholten Male in Aotearoa zu Gast sind. Besonders die Berg-, Natur- und Wildnisfreunde kommen dort sicher voll auf ihre Rechnung. Ich bin froh, dass ich nun auch die zweite (größere) Hälfte Neuseelands zumindest ein bisschen kennen lernen konnte. Super war´s!

Übrigens: Wo von der Südinsel der Pounamu (die Jade) genau herkommt, das wird einem nicht wirklich verraten, und darum hab ich mich auch nicht auf die nähere Suche danach gemacht.

Heimflug

Heimflug auf die Nordinsel (Te Ika-A-Maui)

2 Gedanken zu „Te Waipounamu od. die neuseeländische Südinsel

  1. Carmen Herrmann

    Hallo,

    der Reisebericht ist sehr interessant erzählt, mit wunderschönen Bildern untermalt. Ich konnte richtig eintauchen, gerade so, als wäre ich selbst dabeigewesen !! da packt einen richtig das Fernweh …..

    alles Gute weiterhin

    Antworten

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