Up North and Return…die letzten 10 Tage als Roadmovie

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Meine verbleibenden letzten zehn Tage in Neuseeland wollte ich vor allem dazu nutzen, um noch ein bisschen mehr vom Land zu sehen, genauer gesagt den nördlichsten Teil davon. Der adäquate Weg hiefür ist hierzulande das Campingmobil, da es sehr viel interessante Gegend und relativ wenig Siedlungen auf dem Weg gibt, was das Reisen via öffentlichem Bus ja eher uninteressant macht. Und überteuerte Touren mit aufgedrehen zwanzigjährigen kommen ja für einen echten Reiseprofi auch nicht in Frage.

Alleine durch das Land zu fahren ist sicher ganz nett, viel schöner ist es jedoch mit einem guten Freund. Und da hat mich mein Freund Wolfram aus Wien mit seiner spontanen Art positiv überrascht. Er hat eine Schaffenspause in der Heimat und hat so kurzfristig innerhalb von zwei Tagen beschlossen, mich hier zu besuchen und nach einer gemeinsamen Zeit hier von da aus weiter nach Südamerika zu fliegen. Super, das kam gerade recht, ein Roadtrip zu zweit!

So bin ich mehr oder weniger direkt von meinen Maorifreunden auf den Flughafen in Auckland gefahren, um dort den schon via Internet bestellten Campervan und Wolfram abzuholen. Alles hat planmäßig funktioniert und schon waren wir auf unserem Weg Richtung Norden…Ziel: das „Nordkap“ von Neuseeland, Cape Reigna – der Heiligste Platz überhaupt für die Maoris. Mehr dazu weiter unten…

Zwischen Auckland und Cape Reigna schlängelt sich die Straße über tausende scharfe Kurven durch ca. 600 km von weitem Land, das vor allem von Milchkühen und Schafherden begrast wird. Dazwischen findet man dichte Wälder mit Baumriesen, Wasserfälle, naturbelassene Flusslandschaften und jede Menge schöne Strände.

Mit Wolfram lief es erwartungsgemäß locker und unkompliziert ab. Am Weg Richtung Norden haben wir uns höchstens ein bisschen an die neuen Reisegegebenheiten gewöhnen müssen. Das Campen in menschenleerer, freier Natur hat uns aber gleich getaugt. Selbstversorgung aus der Bordküche und vor allem am allabendlichen Lagerfeuer. Und tagsüber die Freiheit, überall stehen bleiben zu können, wo es einem gerade gefällt. So hatten wir schon einmal drei schöne und interessante Tage auf dem Weg zu Cape Reigna – ganz ohne Reiseführer und nur dem Flow folgend, der uns an wunderbare Orte geführt hat. Je weiter man Richtung Norden fährt, umso verlassener wird die Gegend und umso mehr Wild-West-Atmosphäre verspürt man auf der Landstraße und in den Kleinstädten am Weg.

Nach Cape Reigna fahren die wenigsten der vielen Reisenden in Neuseeland. Wir wussten ja auch nicht, was wir davon erwarten durften, aber es hat uns dann schon sehr beeindruckt. Vor dem nördlichsten Punkt Neuseelands treffen zwei Meere zusammen – die tasmanische See und der Pazifik. Die Wellen preschen von zwei Seiten aufeinander und man schaut sich das Naturschauspiel von der Anhöhe der Klippen aus an. Für die Maori repräsentiert das die Vereinigung von männlicher und weiblicher Energie und somit die Neuerschaffung des Lebens, auch die Vereinigung von spiritueller und materieller Welt. Viel wichtiger ist ihnen Cape Reigna jedoch, weil dort der Punkt ist, an dem die Seelen der Verstorbenen ihren Weg durch die Unterwelten antreten, der sie letztendlich in ihre spirituelle Heimat „Hawaiki“ – dem gelobten Land sozusagen – führt.

Dazwischen steht fast wie ein Symbol der westlichen Zivilisation ein alter Leuchtturm aus dem letzten Jahrhundert, der für die fotowütigen Touristen dann doch der Hauptanziehungspunkt zu sein scheint.

Als wir an Cape Reigna angekommen sind, war alles in mystische Nebel gehüllt. Wir haben uns in Ruhe umgeschaut und einmal einen Eindruck von dem Ganzen bekommen, bevor wir uns dann einen ruhigen Platz gesucht haben. Das Kap und seine Umgebung sind von einer ganz besonderen Energie und Kraft, die wir in einem entsprechenden Ritual geöffnet, gespürt und geehrt haben. Währenddessen hatten sich die Nebel vollkommen verzogen und die Sonne schien in voller Kraft. Ein schönes Symbol und als Nebeneffekt ergab das einen ordentlichen Sonnenbrand für den Wolfram. Mit Kraft voll getankt sind wir wieder abgefahren, der Trip in den Norden hat sich wirklich ausgezahlt.

Am Rückweg Richtung Süden hatten wir auch noch ein paar schöne Stopps, jedoch gab es einen Regentag, den wir voll durchgefahren sind. So kamen wir um einen Tag früher am letzten Ziel unserer Tour an, der Halbinsel Coromandel, die südöstlich von Auckland liegt und aufgrund der landschaftlichen Schönheit ein beliebtes Ziel für Ausländer und Einheimische ist. Als wir dort ankamen, hatten wir schon wieder strahlend schönes Wetter und so waren uns drei wunderbare letzte Tage vergönnt, die wir mit viel Ruhe und auch mit ein wenig mehr Luxus verbrachten. Auf einem sehr schönen, ruhigen Campingplatz mit toller Aussicht aufs Meer, warmen Duschen und ein paar mehr Annehmlichkeiten, die man im Wald und auf der Wiese nicht findet. Auf Coromandel wird wildes Campen nämlich mit hohen Strafen geahndet.

Von Coromandel sind es nur zwei-drei Stunden zum Flughafen Auckland. Da haben wir unseren treuen Campingwagen wieder wohlbehalten und zufrieden zurückgegeben und warten jetzt auf unseren gemeinsamen Weiterflug zur nächsten Destination.

Neuseeland geht in die Liste meiner besten bisherigen Reiseländer ein. Ich möchte hier auf jeden Fall wieder einmal herkommen und kann es allen anderen nur empfehlen. Ich habe mich hier von Anfang bis zum Schluss wie zuhause gefühlt und die Menschen, die ich getroffen habe, haben es mir leicht gemacht. Die vergangenen Wochen waren nicht nur sehr schön, sondern auch höchst lehrreich und interessant. Die Leute hier gehören zu den freundlichsten der Welt. Die alte Kultur lebt hier noch und die Maoris werden wohl nicht ohne Grund von vielen als die Speerspitze der indigenen Völker gesehen. Ich war vier Wochen lang im denkbar perfekten Reisefluss, bestens geführt und wohl behütet – echt genial! Danke Neuseeland und bis bald einmal!

Start und Ziel unseres Trips - Auckland, City of Sails

das einzige Gruppenfoto, hier schon auf Cape Reigna

unser Vehikel am Campingplatz auf Coromandel

viel Grün und Blau

Wasserfälle

kleine aber feine Hafenstädte

schöne Buchten

traumhafte Strände

90 mile Beach, nomen est omen, auch wenn man nicht weit gesehen hat

ein heiliger Berg, der sich als unbezwingbar herausgestellt hat, auch wenn Wolfram es unbedingt wissen wollte

riesige Sanddünen

...zum Hinunterfahren

einer unserer Lagerplätze an einem kleinen See

Lagerfeuer

...

geregnet hat es auch einmal, dafür gab es am Morgen danach das hier!

"God of the Forest"- der größte Baum Neuseelands, 2000 Jahre alt und ca. 6-7 m Durchmesser

das öffentliche Hundertwasser-Häusl in Kawakawa ist so ziemlich das einzige, was der Norden an Kultur zu bieten hat. Hundertwasser hat hier, so glaube ich, seinen Lebensabend verbracht

Leuchtturm auf Cape Reigna

der Felsen, von dem die Seelen Richtung Hawaiki aufbrechen

Ritual, im Hintergrund die Vereinigung der beiden Meere

Gesamtübersicht

und hier waren wir die letzten Tage...Sonnenaufgang zu 8 Batz-Mayaneujahr

Cathedral Cove Beach auf Coromandel

2 Gedanken zu „Up North and Return…die letzten 10 Tage als Roadmovie

  1. Friedrich

    Ganz ehrlich ich bin so neidisch auf euch! Es ist mein großer Traum Neuseeland mal live zu sehen! Hoffe er erfüllt sich auch irgendwann mal. Die Bilder sind einfach klasse!

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