Archiv für den Monat: März 2009

Jerusalem – Wiedersehen mit Gunti

Ja, in Jerusalem gibt es soviel zu sehen, dass man erst mal gar nicht weiß, wo man zuerst hingehen soll. Für uns war aber zuerst nur eines wichtig. Kontaktaufnahme mit Gunti. Dem aufmerksamen Stammleser des Blogs sollte dieser Haudegen aus Osttirol (oder soll ich sagen: Westkärnten) schon von unserer gemeinsamen Lateinamerikatour bekannt sein. Gunti ist neben dem Nane mein zweiter, richtig bewährter Reisekumpan, sozusagen. Und wir haben vor ein paar Monaten in Cusco-Peru (wo der liebe Hannes in den nächsten Tagen eintreffen wird-Hola Hannesto!) beschlossen, dass es in Israel einen gemeinsamen Auftritt von uns geben wird.

Und tatsächlich sollte es zum Wiedersehen kommen. Also den Guntischewski am Handy angerufen und schon wenig später haben wir uns in der Altstadt von Jerusalem getroffen, direkt vor dem Österreich-Hospiz, der beliebten Österreicherabsteige ganz in der Nähe von unserem um ein paar Sterne bescheideneren Quartier, wo auch der Gunti am selben Tag aus Tel Aviv kommend abgestiegen war. Was für ein super Wiedersehen, eine Riesenfreude, mal ein anderes vertrautes Gesicht zu sehen. Nachdem der erste Redeschwall überstanden war, haben wir uns in das Österreicherhospiz auf ein Wiederschnitzel gehauen. Leider war dieses aus Hühner-“Fleisch”, aber die Sachertorte dannach hat voll entschädigt. Und die Mannerschnitten aus Guntis Rucksack waren auch im Nu verputzt. Aus selbigen Rucksack sollte der Gunti im Laufe des Abends auch noch andere feine Kleinigkeiten hervorzaubern. Da war zum Beispiel eine “kleine” Osttiroler Jause, bestehend aus Speck, Würsten, Käse und Brot…und ein Flascherl Schnaps. Ja, und da muss ich als Kärntner fairerweise sagen, dass wohl auch der Osttiroler ein bißl eine Ahnung von der Jause hat… 😉 Unter anderem bekam ich eine besondere Überaschung von Stefan, meinem lieben Hermano. Der Kerl hat doch glatt in einem seiner zahlreichen und nicht enden wollenden, kreativen Ergüsse ein Buch mit wahrlich fantastischen Kurzgeschichten geschrieben und veröffentlicht, die unsere gemeinsamen Abenteuer in Guatemala auf sehr witzige und auch dick aufgetragene Art thematisieren. Super genial lustig zum Lesen und eine besondere Freude für mich. Was für ein Glück, dass mir mein Bruder einst im Land der Maya begegnet ist. Das Buch gibts unter: http://www.amazon.de/Taranteln-Tortillas-Reisegeschichten-aus-Mittelamerika/dp/3837079996/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1237148393&sr=8-1

So war die Freude groß, über das Wiedersehen, die Geschenke und die Tatsache, nunmehr zu dritt für eine Woche in Israel zu sein. Die nächsten Tage sollten aber sehr anstrengend für mich werden…

In Jerusalem gibts sehr viel zu sehen. Der Nane ist schon wie ein geölter Blitz durch die Stadt gewetzt, ich hab so gut ich konnte, den Gunti auf seinen Streifzügen begleitet. Mit den Krücken war es aber sehr, sehr, sehr anstrengend für mich und ich war dauernd voll erschöpft, auch müde von den Tagen davor. So hat sich auch ganz hinterfotzig eine Verkühlung mit Halsweh und Schnupfen zum geplagten Fuß dazugesellt und ich war nur noch im Arsch. Dennoch habe ich es geschafft, die Klagemauer, die Grabeskirche, Via Dolorosa, den Tempelberg (diesen aber nur von unten) zu sehen.Ich hab mich aufgrund meines eingeschränkten Bewegungsradius fast nur im alten Jerusalem, also innerhalb der Stadtmauern bewegt. Die Altstadt ist ja aufgeteilt in Christliche , moslemische und jüdische Viertel, und es ist höchst interessant, die unterschiedlichen Räume und Menschen zu erfahren.

In Jerusalem sind erstens einmal viele Europäische Pilger auf den Spuren Jesus` unterwegs, ein ganz eigenes Treiben… Überall wird gesungen, gebetet, auf Knien herumgerutscht, Reliquien geküsst, unter Altäre gekrochen, etc. Auch die Souvenirs sind auf das Publikum abgestimmt. Es gibt hier wohl alles, was der Christ sich so wünscht, Kreuze, Mosesstäbe, Marienfiguren…und teilweise glaubt man gar nicht, was es alles gibt:

...z.B. eine original zertifizierte Dornenkrone

...z.B. eine original zertifizierte Dornenkrone

in der Grabeskirche am Golgatha

in der Grabeskirche am Golgatha

die Kuppel über dem Grabe Jesu

die Kuppel über dem Grabe Jesu

Die Christen sind hier aber sicher nicht am wichtigsten, eher schon die muslimischen Araber. Vor allem große Teile der Altstadt sind wie ein einziger arabischer Suq mit einem Mordsgedränge und Geschrei. Eine nette und auch aufregende Abwechslung für den Europäer, aber nicht für uns, die wir schon seit bald 2 Monaten nichts anderes sehen und vor allem hören als die Habibis mit ihrem recht lauten Leben.

Viel interessanter für mich und den Nane war da schon die Begegnung mit den jüdischen Israelis, die sich ja auch in vielen verschiedenen Grüppchen zeigen.  Die jüdischen Viertel der Altstadt sind ruhig, beschaulich und schön hergerichtet. Je mehr man sich der Klagemauer, seit der Zerstörung des letzten Tempels im Jahre 70 n. Chr. das wichtigste Heiligtum der Juden weltweit, nähert, umso mehr orthodoxen Juden begegnet man. Die Männer sind freilich sehr auffällig in ihren schwarzen Gewändern und den langen Bärten und Zöpfchen, die unter verschiedensten Kopfbedeckungen rausbaumeln. Das Treiben an der Klagemauer ist ein ganz eigenes. Rechts die Frauen, links die Männer wird hier kollektiv die Zerstörung des Tempels bejammert und/oder mit Gott kommuniziert, dessen Präsenz mit der Mauer verbunden wird. Oberhalb der Mauer ist der berühmte Felsendom, eine Moschee, die so um 700 n. Chr. errichtet wurde. Übrigens, der Zugang zur Klagemauer war einer der großen Erfolge der Israeli im 6-Tage-Krieg 1967. Der jetztige große Platz vor der Mauer war angeblich ein muslimisches Quartier, das gleich plattgewalzt und umgestaltet wurde.

Tempelberg mit Felsendom, davor der Platz mit der Klagemauer

Tempelberg mit Felsendom, davor der Platz mit der Klagemauer

das Klagen an der Mauer

das Klagen an der Mauer

?...kein Zutritt für Engel...?

?...kein Zutritt für Engel...?

der 7armige Leuchter, wie er einst im Tempel stand

der 7armige Leuchter, wie er einst im Tempel stand

Überall rund um die heiligen Stätten gibt es Sicherheits-Checkpoints und viel Polizei- sowie Armee-Präsenz. Zum Felsendom bin ich nicht rauf, das geht nur zu gewissen Stunden, die ich immer verschlafen habe. Und zur Klagemauer wollte ich nicht hin, auch wenn es möglich wäre, aber was sollte man dort. Schließlich hab ich ja keine Klagen… 😉

Der ausgesperrte Engel vor den Heiligtümern war schon ein eigenartiges Bild für uns. Was es zu bedeuten hat, kann man sich überlegen. Aber warum da ein Engel war, ist uns bald klargeworden. In den Tagen unserer Zeit in Jerusalem war nämlich Purim, was so eine Art Fasching für die Juden ist. Und auf einmal waren überall die Narren unterwegs. Zwar nicht so besoffen und ausgelassen bei uns , aber doch für das eine oder andere seltsame Bild für uns gut. Dass die Soldaten und -Innen hier die Ordnung der Uniform und das offizielle Auftreten nicht so ernst nehmen, ist uns schon längst aufgefallen. Aber wenn dann ein Soldat, der eine 15 kg schwere Bleispritze durch die Fußgängerzone trägt, über der Uniform ein Bananenröckchen und ein Hirschgeweih anhat, dann kennt man sich mal nicht wirklich aus. Uns solls Wurscht sein! Außerhalb der Stadtmauern ist das moderne Israel zu finden. Mit allem westlichen Schnickschnack, über den man sich nach 5 Monaten wieder mal recht freut. Die Israelis sind äußerst angenehm, nett, hilfsbereit, gebildet und aufmerksam. Und vor allem fesch sind sie auch. Die Frauen verbreiten eine höchst sinnliche Aura und sind echt sehr schick unterwegs. Eine schöne Abwechslung nach Ägypten und Jordanien. Leider steckt man hier auch die Frauen für 2 Jahre in grüne Uniformen und hängt ihnen eine knarre um, was dementsprechend unsexy für unsereins ist. Aber es ist wohl klar, dass damit andere Ziele verfolgt werden…in Jerusalem und Umgebung merkt man wirklich auf den Strassen, dass der Staat Israel in einem Ausnahmezustand ist und eine kollektive Paranoia verbreitet wird. Die normalen Leute sind dennoch sehr lässig und nett.

An den Purimfeierlichkeiten haben wir uns auch ein wenig beteiligt, man hat ja sonst nicht viel zu feiern, und den Villacher Fasching haben wir sowieso verpaßt heuer… Und wieder einmal gibt es zur Dokumentation ein Foto von Nane, wie er wie schon an vielen Orten der Welt in das kollektive ausgelassene Gejohle einstimmt. Ja, das kann er gut.

der Nane und seine Kurzzeit-Zechbrüder

der Nane und seineHaberer

die Schokokrampusse und Nikolos haben es auch bis hier her geschafft-mit Verspätung halt

die Schokokrampusse und Nikolos haben es auch bis hier her geschafft-mit Verspätung halt

Ahja, neben den westlichen Annehmlichkeiten gibt es hier noch was ganz schönes für uns. Es leben hier viele Äthiopier, deren schöne und vertraute Gesichter wir in den Straßen und Bussen mit immer wieder sehr viel Freude sehen und die unser äthiopisches Herz höher schlagen lassen.

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Von Petra nach Jerusalem

Von Petra sind wir am 8.3. mit dem Bus nach Amman, der jordanischen Hauptstadt gefahren. Von dort ist es nur 40 Minuten bis zur israelischen Grenze, den Weg haben wir mit dem Taxi zurückgelegt, da der öffentliche Verkehr auf dieser Strecke so wie die nachbarschaftliche Liebe zwischen den Ländern nicht gerade reibungslos fließt.

Zuerst kommt man zum jordanischen Grenzposten, dannach geht es mit einem Bus der Regirung durch das Niemandsland und über die King Hussein Brücke, die über den Jordan führt. Diesen darf man sich aber nicht mehr als Fluß vorstellen, der er noch zu Zeiten Johannes des Täufers war. Das ganze Wasser wird schon stromaufwärts für Bewässerung etc. abgezapft, vertragsgemäß aber vor allem von den Israelis, und vom Jordan bleibt nur ein kleines Rinnsal übrig. Am israelischen Posten wird man dann erstmalig von der kollektiven Paranoia beeindruckt, die hier im Hochsicherheitsstaat Israel herrscht. Die Angst vor dem Terror und der ständige “Ernstfall” hat zum Aufbau einer riesigen Sicherheitsmachinerie geführt. Wenn man aus dem Bus aussteigt, darf man sich nicht rühren, das Gepäck wird einem abgenommen und gleich mal in den Röntgenappparat gesteckt. Überall stehen Jugendliche Soldaten und -Innen mit riesigen Knarren herum, die man als Österreicher höchstens von den Panzerknackern im Donald Duck Heft kennt. Gottseidank. Nach einigen Sicherheitskontrollen kommt man dann zur eigentlichen Einreise. Da der Staat Israel im nahen Osten nur von Jordanien und Ägypten anerkannt wird, muß man als Reisender versuchen, keinen Einreisestempel der Israeli in den Pass zu bekommen, da man mit diesem nicht mehr in arabische Länder wie z.B. Syrien einreisen darf. Die Israelis wissen das und haben eine Möglichkeit vorgesehen, den Stempel auf ein Extrablatt zu drücken, jedoch tun sie das nur, nachdem sie einem ausgiebig interviewt haben um zu erfragen, warum man überhaupt nach Syrien reisen will. Also haben wir einem wohl gerade 18jährigen Mädchen erklärt, was wir da tun etc, bis irgendwann der Stempel am Blattl und nicht am Pass war. Dann noch zur Gepäckskontrolle. Dort werden vor allem die Jordanier, die ihre Angehörigen in der von Israel besetzten Westbank besuchen, ordentlich gefilzt.

Nach 2 Stunden waren wir durch und sind mit dem Sammeltaxi nach Jerusalem gefahren. Ein kurzer Weg mit unzähligen Checkpoints, wo wieder die pickeligen Jungsoldaten mit voller Hose nach dem Ausweis fragen und unter dem Gewicht ihrer riesigen Knarren fast zusammenbrechen. Irgendwann kommt man nach Jerusalem. Da sind wir im arabisch-moslemischen Viertel gelandet, wo das Strassenleben gleich ist wie in den anderen arabischen Städten, die wir zuvor sahen. Juden trifft man hier anscheinend eher nicht, auch nicht im “arabischen” Bus, mit dem wir gefahren sind. Ich war ja noch mit Krücken unterwegs und die Reise dieses Tages war sehr sehr beschwerlich, so wie mein 25 kg schwerer Rucksack. Also war ich froh, dass wir angekommen sind. Unser Quartier lag innerhalb der alten Stadtmauern, also rein beim Damaskus-Tor! Trotz meines eher bescheidenen und wenig heldenhaften Einmarsches auf Krücken, ich war voll verschwitzt sowie vom Gedränge der vielen Menschen schwer überfordert, war es ein erhebender und bewegender Moment, durch die dicken alten Mauern in den historischen Kern einzutreten. Unser Quartier lag auf der Via Dolorosa, der berühmten Straße, auf der Jesus sein Kreuz hinauf zum Golgatha getragen hatte. Ich war erstmal froh, dass wir endlich in Jerusalem und die Strapazen der Reise mit meinem hinigen Haxen überstanden waren.

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erster Blick auf die Stadtmauern

erster Blick auf die Stadtmauern

Damaskustor

Damaskustor

meiner einer

meiner einer

Petra rocks!

Noch ein wenig unsicher mit meinem verletzten Bein haben wir uns entschieden, doch lieber mit dem Taxi zur Felsenstadt Petra zu fahren. Also haben wir unseren bewährten jordanischen Taxifahrer angerufen. Sein Name ist Mousa, die arabische Version von Moses. Also der richtige Mann, um uns einen Schritt näher Richtung Israel zu bringen.

Mousa hat sich wieder über ein Treffen und das damit verbundene Geschäft mit uns gefreut, uns zum zweiten Mal seine Lebensgeschichte erzählt und darüber hinaus arabische Songs aus mehreren Ländern der Region zum besten gegeben, laut dazu klatschend, die Hände nur selten am Lenkrad, die Augen nur selten auf der Straße. Aber so ist das hier halt. Die Straßen sind dafür gut und der Verkehr nicht sehr dicht, und so sind wir auch auf diese Art sicher nach Wadi Mousa gekommen, dem Ort nahe der Felsenstadt Petra. Unterwegs gab es sogar frischen Schnee neben der Strasse, und wir nutzten die Gelegenheit zu unserem einzigen Schneekontakt dieses Winters. Wadi Mousa ist auch nach Moses benannt, der hier gewesen und, wie viele sagen, auch hier begraben sein soll. Außerdem glauben viele, dass der Berg, auf dem Moses mit Gott sprach (und/oder umgekehrt), hier und nicht auf dem heutigen Sinai gewesen sein soll.

Nane, Mousa, ich und der Schnee

Nane, Mousa, ich und der Schnee

Blick Richtung Petra

Blick Richtung Petra

Wadi Mousa

Wadi Mousa

Wie dem auch sei, die Bilder von Petra kennt man auf der ganzen Welt, Indiana Jones ist hier unterwegs gewesen und seit die Stadt vor ein paar Jahren zu einem der 7 noch existierenden Weltwunder gewählt wurde, kommen immer mehr Touristen hierher.

So sind auch wir angezogen worden, haben schnell ein Quartier bezogen und uns für den nächsten Besichtigungstag ausgeschlafen. Am Morgen sind wir früh auf, da die Türen zur Felsenstadt um 6:00 aufgehen und die Touris da noch schlafen. So waren wir bei den ersten dabei. Und erfreulich, weil nicht erwartet: mit meinen Krücken brauchte ich den teuren Eintritt nicht zahlen, damit ich mein Geld in die Transportmittel investieren kann. Der Weg vom Besucherzentrum zumr Felsenstadt selber geht durch den so genannten Siq, eine nur wenige Meter breite und ca. 100 Meter tiefe Schlucht, die irgendwann durch eine tektonische Verschiebung aufgegangen ist. Wir haben den 2 km langen Weg nicht so schneidig wie Indy am Pferd, dafür aber in einer Kutsche zurückgelegt, um mein Bein zu schonen. Unsere Bandscheiben wurden aber ganz schön malträtiert, als die Kutsche über das Jahrtausende alte Pflaster gerattet ist. Am Ende verengt sich der Siq noch einmal ordentlich, bevor man ausgespuckt wird und gleich direkt vor dem berühmtesten Werk Petras steht, der so genannten “Treasury”, dem Schatzhaus.

das berühmte Foto aus dem Siq

das berühmte Foto aus dem Siq mit Blick zur...

Traesury

Traesury

Die Felsenstadt erstreckt sich über mehrere Kilometer durch ein ganzes Tal und so hab ich beschlossen, den Hinweg zu den weiter entfernten “Must see”-Attraktionen per Wüstenschiff zurückzulegen, um meinen Fuss zu schonen und nicht am Hinweg schon auf der Strecke zu bleiben, ohne zu wissen, wie weit und wie unwegig die Strecke ist. Schnell einen Kameltreiber angequatscht, ein Kamel ausgesucht, und schon ging´s los. Sehr bequem wurde ich in den hinteren Teil des Tales gebracht, vorbei am Amphitheater, diversen Königsgräbern, durch die Säulenstraße bis hin zum Museum, von wo der obligatorische Pfad den Berg hinauf zum “Monastery” führt, der zweitberühmtesten Attraktion Petras.

Wüstenschiff

Wüstenschiff

Amphitheater

Amphitheater

Da, schau her:       http://www.reisekreise.net/wp-content/uploads/2009/03/jorgkamoeh.wmv

In mir Humpelmann ein fixes Geschäft witternd, haben mich dann ungefähr 200 Eseltreiber angequatscht, ob ich nicht am Rücken ihrer langohrigen Freunde den Berg zum Monastery reiten wollte. Für viele Touris, nicht nur die alten und/oder fettleibigen, ist das die gewünschte Art, die 800 einst in den Fels geschlagenen Stufen bis zum Monastery zu erklimmen. Nachdem ich aber schon seit Monaten sehe, wie peinlich das aussieht, wenn ein erwachsener Mann auf einem Esel reitet und die Füße fast den Boden streifen, während der Esel fast unter dem Gewicht verreckt, war, ist und bleibt für mich klar, dass diese unehrenhafte Art der Fortbewegung für mich nicht in Frage kommt. Lieber sehe ich das Monastery nicht, hab ich mir gedacht. Aber weil ich ein zäher Sauhund bin, hab ich mich mit den Krücken auf den Weg gemacht und die Herausforderung angenommen…auch um mir zu beweisen, dass mein Comeback voll im Gange ist. Eine Stunde hab ich gebraucht und es war gar nicht so schwierig, bis auf ein paar kurze Passagen. Für die untrainierten Amys mit ihren hochroten Tomatenköpfen ist der Weg sicher anstrengender gewesen als für mich. Und für die Eselreiter auch. Denn auf dem Rücken eines Esels, der sich über steile und glattgewanderte Steinstufen quält und bei jedem Schritt eine mit der Rute drübergezogen bekommt, während der Eseltreiber wild herumschreit, kann man sich nicht wirklich entspannen. Und für die Weichteile des Mannes ist vor allem der talwärtige Ritt eine sicher unvergessliche Massage, aber negativ gesehen. Doch so oder so, für jeden zahlt sich der Weg aus. Denn wenn man die letzten Stufen geschafft hat, öffnet sich einem die Sicht auf das “Monastery”. Wow!

Monastery

Monastery

Monastery heisst Kloster, Treasury heisst Schatzhaus…schon sehr seltsame Namen, die den fantastischen Kunstwerken hier gegeben wurden, obwohl man nicht recht weiss, ob es sich um Gräber oder Tempel gehandelt hat. Sicher waren es keine Klöster oder Schatzhäuser. Sieht man die monumentalen Werke und denkt man über den irren Aufwand nach, mit dem die zig Meter hohen Fassaden mit feinsten Details vor über 2000 Jahren in den Sandstein gehauen wurden, dann ist wohl soviel klar: Was der Mensch hier geschaffen hat, kann nur ein Ausdruck der Verehrung des Göttlichen und der Großartigkeit der Schöpfung sein. Wunderbar, beeindruckend!

Ich hab in einer Sandsteinhöhle einen Logenplatz mit Blick auf das Monastery gefunden, mich dort hingehockt und mit einem kleinen Weihrauchopfer meine Dankbarkeit zum Ausdruck gebracht. Ich bin ein paar Stunden auf diesem Platz gesessen, der auch andere Wesen angelockt hat. Als erstes kamen viele verschiedene und bunte Vögel, die von den Körnern fraßen, die wohl ein paar Esel übriggelassen haben. Die Farbenpracht und Fülle der Vogelwelt hat mir viel Freude bereitet.

Kerlchen

Kerlchen

Nach den Vögeln kamen die Esel, Tiere die ich ja gerne mag, solange ich nicht auf sie draufsitzen muß.

ich und der neugierige Esel

ich und der neugierige Esel

Und dann kamen ein paar Beduinenkinder, mit denen ich dann ein bißchen gespielt hab. Diesmal aber mit weniger Action als noch zuletzt im Wadi Rum.

kleine Beduinin

kleine Beduinin

Irgendwann ist dann auch der Nane mit der Jause aufgetaucht und die Freude war perfekt. Wenig später sind wir talwärts gewandert, zumindest sind wir gemeinsam losgegangen. Der Nane ist voraus, weil er noch eine Bergtour vor sich hatte, die ihn näher an das Mysterium von Moses und den 10 Geboten führen sollte. Ich hab mir Zeit für den Abstieg und die Begegnung mit Beduinen genommen. Schöne Menschen, die hier teilweise noch in den Höhlen leben und den Touris Souvenirs verkaufen. Und die Beduinen sind auch sehr nett und gastfreundlich.

Beduinenmädchen mit Teekanne

Beduinenmädchen mit Teekanne

Vor allem erfreute mich der Ausblick auf die fantastische Landschaft und die schönen Felsformationen.

Den Weg bis zur Treasury bin ich zurückgegangen, ganz langsam und vorsichtig mit ein paar Abstechern, wie zum Beispiel zu den Königgräbern. Eines davon hat mich besonders beeindruckt. Die große Halle hinter der Fassade hat eine gemaserte Sandsteindecke, die einem den Atem raubt.

natürliche Höhle

natürliche Höhle

Der Ausflug nach Petra ist ein Höhepunkt unserer Reise durch Jordanien und sicher auch unserer Reise insgesamt. Was man hier sieht, gibt es sonst nirgends auf der Welt. Die Stadt gehört mit Recht zu den 7 Weltwundern. Nane und ich sind (nebenbei bemerkt) der Meinung, dass das weniger berühmte Lalibela in Äthiopien mindestens genauso großartig ist. Auf jeden Fall war es ein großartiger Tag für uns, wir sind äußerst begeistert und hundemüde ins Quartier zurück gegangen. Ich war auch sehr zufrieden und stolz, wie gut mich mein kranker Fuß getragen hat an diesem Tag.

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Der Wanderzirkus humpelt weiter…Inshallah!

Nach 6 Tagen des hochgelagerten Beines schau ich gar nicht mehr so schlecht aus. Ja, sogar ganz gut. Wenn ich daran denke, wie lang ich beim letzten Mal gebraucht habe, bis ich wieder ein wenig schmerzfrei war, dann verläuft die bisherige Heilung diesmal wunderbar schnell.

So konnte ich nach der heutigen Morgenmassage die ersten Gehversuche ohne Schmerzen, und am Nachmittag einen kleinen Spaziergang ums Haus wagen. Jetzt bin ich ins Internet gegangen, vorher hab ich mir noch Krücken gekauft, denn:

WIR FAHREN MORGEN WEITER!!! Wahrscheinlich und hoffentlich, wenn es mir morgen so gut geht wie heute. Und es wird wohl nur mal ganz behutsam vorgegangen. Eine kurze Strecke mit dem Taxi nach Petra, zur berühmten Felsenstadt, dort werd ich dann vielleicht auf einem Eselchen einreiten, Indiana-Jones für Arme.

Es war wohl nötig für mich, ein paar Tage alleine ans Bett gefesselt zu sein, unter dem Damoklesschwert des drohenden Heimfluges liegend. So konnte und mußte ich mir über vieles Gedanken machen, mein Inneres wieder ein wenig “nachjustieren” und meine Hinterläufe, die ja sowieso die ganze Zeit schon irgendwelche Mätzchen gemacht haben, mit Liebe und Zuwendung in Form von Massagen und Schmierungen verwöhnen. Ich bin mir über vieles klar geworden in den letzten Tagen. Auch darüber, dass ich weiterreisen aber dabei nichts erzwingen will. Jetzt bin ich zuversichtlich, daß es wieder passen wird, noch ein wenig kleinlaut für meine Verhältnisse, aber vielleicht ist das sogar gut, wenn man das zwischendurch auch in Erfahrung bringt…Wenn also alles so prima weiterläuft, brechen wir morgen auf und legen ein kleines Stück unseres Weges zurück, der weiter Richtung Israel führen soll.

Und der Nane freut sich auch, wenn wieder was weitergeht. Er hat mir viel geholfen in den letzten Tagen und sich einmal mehr als super Freund und Reisekollege erwiesen. Danke, lieber Nanito! Danken möchte ich auch den vielen lieben Menschen, die mich in den letzten Tagen aus der Ferne unterstützt haben, mit aufmunternden, positiven Gedanken und heilvoller Energie. Es ist schön zu sehen, so eine “Familie” zu haben, die sich in wahrhaftiger Anteilnahme aktiviert. Vielen, vielen Dank an alle!!

Ich bitte darum, dass sich unser weiterer Weg nach Israel ein wenig geschmeidiger weiteröffnen mag und dass er für mich halbwegs (und natürlich auch für den Nane) schmerzfrei und nicht zur Via Dolorosa wird! Aber wie wir wissen: der Mensch hält viel aus…die Heimwanderung der Israeliten und alles, was sich sonst noch auf diesem Boden hier schon abgespielt hat, war ja sicher auch kein Honiglecken.

Die Krücken kann ich hoffentlich bald wieder abgeben, die sind nämlich viel zu kurz für mich…

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Äthiopien – Foto Highlights Part 2

Wegen des großen Erfolges des ersten Teils wird die Reihe der Fotos aus Äthiopien hiermit fortgesetzt und auch abgeschlossen. Und mir selber macht es am meisten Freude…wie sehr habe ich dieses Land lieben gelernt. Teil 1 war den Menschen gewidmet, der Hauptattraktion des Landes…aber zu sehen gab’s noch mehr…

Gelada Pavian oder "Bleeding Heart Baboon"-gibt's weltweit nur im abessinischen Hochland

Gelada Pavian oder"Bleeding Heart-Baboon", rote Brust statt rotem Arsch

Kerlchen

gähn-die Geladas leben auf 3000 -4000 Meter Höhe

fast ein Zweibeiner

fast ein Zweibeiner-normaler Pavian im Tiefland, keine rote Brust, dafür einen roten Hintern

Krokos

Krokos

die Pelikane haben unsympatische Nachbarn

die Pelikane und ihre anstrengenden Nachbarn

Zebras

Zebras

Erzraben-riesige Geräte

Erzraben-riesige Geräte

der lammergeyer - auf deutsch Lämmergeier, klaro!

the lammergeyer - auf deutsch der Lämmergeier, logo!

Greifvögel gibt es überall in Massen

Greifvögel gibt es überall in Massen

halbwilde Hyänen und ich

halbwilde Hyänen und ich

Cola- und Bier saufender Ziegenbock

Cola- und Bier saufender Ziegenbock

Termitenburg

Termitenburg

die Weite

die Weite

die Fälle des Blauen Nils

die Fälle des Blauen Nils

in den Semien Bergen

in den Semien Bergen

auch dort

auch dort

beim Wandern

beim Wandern

ein unvergeßlicher Ort

ein unvergeßlicher Ort

Georgskirche zu Lalibela von unten

Georgskirche zu Lalibela von unten

und von oben

und von oben

Marienkirche zu Axum

Marienkirche zu Axum

Addis

Addis

St. Georgsbier und Cola auf Amharisch

St. Georgsbier und Cola auf Amharisch

Klassisch äthiopische Kirchendecke

Klassisch äthiopische Kirchendecke

der Kaffee, wird hier nicht nur geerntet sondern köstlicher und charmanter serviert als sonst irgendwo auf der Welt

der Kaffee, wird hier nicht nur geerntet sondern köstlicher und charmanter serviert als sonst irgendwo auf der Welt

Abendstimmung in der Strasse

Abendstimmung in der Strasse

Die langen Tage von Aqaba

Ja, da sitze ich nun fest in der Stadt, die dem rechten der beiden Wurmfortsätze vom Roten Meer, dem Golf von Aqaba, den Namen gibt. Grundsätzlich ein sehr nettes Städtchen, so sagt man, alles ist sauber und ordentlich, die Leute sehr nett. Normalerweise bevölkern hier auch zahlreiche Touristen die Straßen, derzeit ist es aber ruhig, weil kalt und eher unwirtlich.

Das alles weiß ich aber nur vom Nane, der seit Tagen in der Stadt herum strawanzt. Meine Welt sieht nämlich ein wenig anders aus. Ich liege da in meinem Hotelzimmer und höre nur die Geräusche vom Straßenleben, welches zwei Stockwerke weiter unten stattfindet und doch unerreichbar fern ist. Um 500 Uhr Früh heißt es zum ersten Mal „Allah u Akbar“, etwas später kommen die Autos, Huperei, Menschenstimmen, Handys, Rollläden rauf, Rollläden runter, Feierabend, Abendgebet…

Ein kühles Lüftchen kommt beim Fenster herein, immer wieder mal angereichert mit dem Duft von frisch gegrilltem Shawerma. Meine Mickey-Mouse-Bettdecke hält mich schön warm, nur mein geschwollener Fuß wird konstant mit Coolpacks weit unter der normalen Betriebstemperatur gehalten. Ein paar Mal am Tag kommt der Nane von seinen Spaziergängen heim, bringt was zum Essen mit und nimmt die Bestellungen für das nächste Ma(h)l entgegen. Mein lieber Freund versorgt mich super mit allem, was ich brauche, und das mit der großen Geduld und der feinen Art, die ihn so auszeichnet. Ohne seine Hilfe wäre ich hier aufgeschmissen und müsste wohl ins Krankenhaus gehen. Danke, lieber Nane! Übrigens: Beim letzten Mal, als ich in so einer Situation war, war es mein lieber Bruder und damaliger Mitbewohner Martin aka Ganse, der mir über sechs harte Wochen zur Seite gestanden ist, sein Studium gar nicht schweren Herzens ruhen hat lassen, und mir vom Essen bis zur guten Laune alles in mein Zimmer gebracht hat, wo wir gemeinsam unsere Skills an der Playstation perfektioniert haben. Danke für alles, lieber Ganse. Viel ist geschehen seit damals und es freut mich sehr, wie ich uns heute sehen darf.

Diesmal rennt alles ein wenig anders und bewusster ab als damals. Ich denke viel nach. Allerhand, was einem da so alles durch den Kopf geht…was wohl daheim gerade los ist…Familie, Freunde… die Vergangenheit, mein Weg in den letzten Jahren, Monaten und Wochen… Erfahrungen, Erinnerungen, Dankbarkeit…die Zukunft. Was wird wohl werden, für mich und den Rest der Welt?…neue Reiseziele…aber natürlich drängt sich meine derzeitige Situation auf…und dazu fällt mir einiges Interessantes ein…Ich schreibe auch viel. Vieles, was nicht auf den Blog kommt.

Mein Fuß ist noch immer sehr schmerzhaft und nur ein bisschen weniger geschwollen. Ich kann nicht auftreten und den Fuß nur wenig bewegen. Immer wieder schmiere ich, massiere, lege Eis auf, mache Umschläge, etc… Wichtig ist aber wohl die Ruhe und das Hochlagern. Sobald ich aufsitze und meinen Fuß auf den Boden stelle, hab ich einen pochenden Schmerz, dass ich fast durchdrehe.

Aber ich weiß ja schon vom letzten Mal, dass so was Zeit braucht. Also bleibe ich mal cool. Nach 3 Tagen in diesem Zimmer hab ich das Gefühl, als ob es schon mehr als eine Woche wäre. Die Zeit vergeht nur sehr langsam. Die Lektüre, die ich noch übrig hab, ist nicht besonders aufregend…dafür hab ich mich in meiner Not ein wenig mit einem Medium wieder versöhnt, von dem ich mich schon vor Jahren abgewendet habe…dem Fernsehen. Die Flimmerkiste in meinem Zimmer hat ungefähr 500 Kanäle eingespeichert. Wenn man aber zum Zappen anfängt, kommt man schnell drauf, dass der angepeilte Satellit wohl im Namen Allahs in den Orbit geschossen wurde und die arabische Fernsehwelt zwar komplett anders aber genauso einfältig ist wie die unsrige. Ca. zwei Drittel der Kanäle sind mit den Durchsagen von diversen Großmuftis und anderen bartumrandeten Radiogesichtern belegt. Der Großteil der restlichen Kanäle zeigt die arabischen Versionen von „Musikantenstadl“ und „In’s Lond eineschaun“. Eine handvoll internationale Sender hab ich dann doch entdeckt, als ich mir die Eselei angetan habe, mich durch die 500 Sender zu ackern. Euronews bringt nicht viel Neues, dennoch eine Abwechslung für mich, ich sehe Obama zum ersten Mal im TV. BBCNews detto. Der englische Movie-channel ist mein Rohypnol, wenn ich binnen Sekunden schlafen will. Doch siehe da, es gibt einen bescheidenen Hoffnungsschimmer:
MTV-Arabia. Ich mag ja das Fernsehen echt nicht so sehr, weil es einem die Zeit klaut, viel Blödsinn verzapft und mich sowieso langweilt. MTV ist in dieser Hinsicht sicher keine Ausnahme, sondern vielmehr bei vielen Blödheiten noch Vorreiter. ABER: die bunte Welt der Musikvideos mag ich bei all meiner Medienignoranz doch sehr, und ich bin ja schon lang nicht mehr up to date. Und nach 5 Monaten der harten Realität und Reisen auf staubigen Straßen kann man ein Wiedersehen mit alten Freunden wie Sean Paul, Q-Tip, Biggie, Busta Rhymes, Lauryn Hill und Aaliyah, einen Blick nach NYC oder Jamaica sowie eine kleine Dosis Scheinwelt schon mal vertragen.

Ja, so ändert sich der Maßstab…gerade bin ich noch durch die bunte Welt der Korallenriffe getaucht, über den Soukh spaziert und in der Wüste mit den kleinen Beduinen herumgetollt. Und plötzlich wird man in die Bescheidenheit gezwungen und freut sich über ein paar bunte Bilder, die über die Mattscheibe flimmern, oder eine Falafel-Pita aus des Freundes Hand…und hoffentlich bald über den ersten schmerzfreien Schritt.

Die größte Freude machen mir die aufmunternden Mails, die mir der Nane aus dem Internet ins Zimmer liefert. Mein Dank geht an alle, die mir wohlwollende und unterstützende Gedanken und Worte schicken.Für jede Form von heilsamer Energie.

Auch wenn es gerade mal nicht so gut aussieht, bleibe ich optimistisch, dass wieder alles recht wird. Denn wie mein lieber Freund Hannes immer sagt: Es ist noch immer alles recht geworden! Wo? Das werden wir dann schon sehen…

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Disneyland für Arme

Disneyland für Arme

Bruchlandung in Jordanien

Von Dahab sind wir sehr zufrieden und auch gerne Richtung Jordanien aufgebrochen. Da die öffentliche Fähre sehr unzuverlässig sein soll und man manchmal einen Tag lang darauf warten muss, hatten wir den Tipp bekommen, doch mit einer der vielen Tagestouren, die von Sinai aus nach Petra und Jordanien gehen, mitzufahren.

Da gibt es ein supermodernes Schnellboot zwischen der Grenzstadt Taba und Aqaba, auf dem wir die einzigen Individualreisenden zwischen den Gruppentouris mit ihren Lunchboxen waren. Die Fähre umfährt sozusagen den Landweg, der über Eilat, den israelischen Zugang zum Roten Meer führen und damit einen bürokratischen Aufwand bedeuten würde. Alles ging prima, wir durften seltsamerweise nur niemandem sagen, dass wir anders als die übrigen Passagiere nicht mehr nach Ägypten zurückkommen werden. In Aqaba liefen wir nicht im Hafen sondern in der Marina, dem Yachtclub, ein. Dort wurde unser Pass von einem Officer abgestempelt: Visum für Jordanien, gültig für einen Tag. Das reicht nicht, sagten wir. Also wurden wir aufgefordert mitzukommen und in einen eigenen Wagen gesteckt, der uns Richtung Stadt brachte, zusammen mit einer hypernervösen Russin, die auch igendwo aufgetaucht ist. Wir fuhren ein wenig herum, bis uns irgendwo an einer Kreuzung durch das Autofenster unser Pass zurückgegeben wurde, mit neuem Stempel und handschriftlicher Notiz, diesmal angeblich gültig für einen Monat, inshallah! Eigenartige Vorgangsweise, aber: schon in den ersten Minuten merkten wir, dass die Jordanier um einiges netter und zuvorkommender als die Ägypter sind. Der Eindruck sollte sich fortsetzen.

Von Aqaba fuhren wir mit dem Taxi nach Wadi Rum, dem berühmten und spektakulären Wüstenabschnitt, in dem auch Lawrence von Arabien einst unterwegs war. Zumindest im Film, mehr weiß ich nicht. Das Wadi ist ein sehr beliebtes Touristenziel, und so ist am Eingang zum Protektorat ein riesiges und modernes Besucherzentrum aufgebaut. Wir haben dort Eintritt gezahlt und sind gleich weiter in das Beduinendorf, wo wir am Campingplatz übernachten wollten, um uns einmal einen Überblick zu verschaffen. Der Campingplatz war voll mit Kletterern, vor allem Franzosen, die von den tollen Wänden des Wadis wie von einem Paradies schwärmten. Wir gingen zumindest gleich einmal spazieren, beeindruckt von der tollen Umgebung. Auf meinem Spaziergang traf ich eine Gruppe mit jungen Beduinenbuben, die von der nahe gelegenen Hochzeit ausgerissen sind und mit denen ich dann auf einer alten Ruine ein wenig Fangen gespielt habe. Lustige Kerlchen.

In der Nacht registrierten wir irgendwann, dass wohl Regentropfen auf das Zeltdach fallen müssen. Eindeutig, aber höchst unerwartet. Am nächsten Tag war der Himmel grau und das Hauptgesprächsthema der Regen, der erste seit eineinhalb Jahren. Höchst überfällig und nötig für das Überleben von Tier und Mensch. Auch am Vormittag regnete es noch ein paar Mal, immer nur für Minuten. Außerdem war es saukalt, und so beschlossen wir, unseren Wüstenaufenthalt ein wenig abzukürzen und nicht unnötig lang in der Kälte zu bleiben. Also schnell eine Jeeptour für den Nachmittag mit anschließender Übernachtung in der Wüste organisiert, und los ging die Fahrt. Der Typ, der uns das verkauft hat, sagte noch auffallend betont „Good luck“ zu mir, und ich fragte mich, was da schon schief gehen sollte bei so einer kleinen Herumfahrerei. Leider war das Glück nicht so hundertprozentig mit mir, und so war unsere erste Station des Ausfluges auch schon die letzte. „Lawrence’s spring“ ist eine Quelle, die oberhalb des Talbodens aus einer Felsspalte quillt. Wir sind da halt einmal über die glatte und nassen Felsen hochgeklettert, besonders motiviert war ich eh nicht, aber es wurde eine gute Aussicht versprochen. Wieso also nicht. Die Quelle hatten wir bald angeschaut und sind ebenso schnell wieder Richtung Auto von Felsen zu Felsen geklettert. Und da hat es mich aufgestellt.

Ausgerutscht bin ich und dann ein wenig tiefer als geplant gelandet, so dass mein Knöchel so richtig ordentlich umknickte, wie vor 8 Jahren, als so ein Zwischenfall mein letztes Basketballspiel vorzeitig beendete, mir einen Gips und sechs Wochen Bettruhe und Schmerzen bescherte. Dementsprechend schockiert war ich, als ich registriert habe, was da jetzt geschah, und den kokosnussgroßen Knöchel aus dem Schuh zog! Verdammt! Was soll jetzt werden?

Ich hab mich gerade noch unter ärgsten, pochenden Schmerzen und einem ordentlichen Schweissausbruch zum Auto geschleppt und wir sind zurück ins Dorf. Die Beduinen waren nett und hilfsbereit und schon wenige Minuten später saßen wir in einem Wagen Richtung Aqaba.

Schnell ein Zimmer mit Fernseher (für die kommende Liegephase) und Kühlschrank (für die Coolpacks) gefunden, Sachen rein geschmissen und mit dem Taxi ins Militärspital gefahren, das gut und billig sein soll. Die Militärs waren sehr zuvorkommend und gut zu mir, der junge Arzt sprach perfekt Englisch, er war gerade von einer Auslandszeit in Australien zurückgekommen. Gebrochen und gerissen sei nichts, hieß es. Ich brauche nur viel Eis und ein paar Tage Ruhe, dann kann ich hoffentlich mit Krücken bewaffnet weiterreisen. Inshallah! Wenigstens hab ich keinen Gips bekommen wie beim letzten Mal im Wiener AKH. Der hat damals mehr zur Verschlimmerung als zur Heilung beigetragen.

Jetzt werden wir dann sehen, ob und wie die Reise weitergehen wird. Seit vorgestern liege ich also im Hotelzimmer und lege Eis bzw. Kohlblätter auf. Arnika und Topfen gibt es hier leider nicht. Hoffentlich kann ich mich bald wieder ordentlich bewegen und muss nicht nachhause fliegen. Immerhin haben wir noch sehr viel vor uns. Und es wartet eine ganz besondere Station der Reise auf uns.

Petra, die legendäre Felsenstadt. Im Buch über Moses hab ich einiges über die Umgebung von Petra gelesen. So soll der eigentliche Mosesberg laut der neueren Recherchen nicht am Sinai liegen, wo wir vor ca. einer Woche waren, sondern direkt bei der Felsenstadt Petra. Dort soll sich auch die Quelle befinden, die aus der Erde quoll, nachdem Moses seinen Stab reingerammt hat. (Obwohl ich von Quellenbesichtigungen mal nichts hören möchte.). Und auch das Grab des Moses will man dort identifiziert haben…Wie auch immer, ich hoffe, dass es uns vergönnt sein wird, wenigstens in die Nähe der ganzen Orte zu kommen, in die Felsenstadt selber…

Ob die Reise weitergehen kann, steht für mich echt auf der Kippe und wird sich in den nächsten Tagen entscheiden. Weil bevor ich hier wochenlang im Hotelzimmer rumkugel, flieg ich lieber nachhause. Ein bisschen ist die Schwellung schon zurückgegangen, jedoch kann ich noch keinen Schritt ohne Schmerzen gehen und den Fuß kaum bewegen. Also liege ich da, lege Eis auf und massiere. Der Nane versorgt mich gut mit Verpflegung und guter Laune sowie Nachrichten von draußen. Ich bitte um Heilung und wünsche mir sehr, dass die Reise weitergehen darf.

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Nur die Mickey Mouse kann da noch grinsen!

Nur die Mickey Mouse kann da noch grinsen!

I have a dream …

In der letzten Nacht vor der Abfahrt aus Dahab hatte ich einen sehr bewegenden Traum, den ich hier für mich und den etwaigen Leser festhalte und so meine Verletzungspause ein wenig ausfülle.

…Es findet ein großes Familientreffen im weiteren Kreise statt. Es ist ein bunter Haufen, der da mit all den verschiedenen Lebensgeschichten und Weltbildern zusammenkommt. Leider ist in der Vergangenheit die Konfrontation mit „dem Anderen“ innerhalb der Familie nicht immer einfach und ohne Konflikte abgelaufen. Die Fronten waren dabei wohl immer wieder dieselben und sind ziemlich offenbar. Aus der Erfahrung heraus bemüht man sich im Großen und Ganzen, gewisse Gesprächskonstellationen und -themen zu vermeiden, um den vorprogrammierten und schon oft durchgemachten Konflikten und der Ohnmacht und Hilflosigkeit, mit der man ihnen gegenübersteht, aus dem Weg zu gehen. Doch der Frieden ist höchst labil, da vieles, was sich im Laufe der Zeit aufgebaut hat, im Untergrund schlummert und ans Licht will.

In diesem Zusammentreffen bin ich (mehr in der Rolle des Zuschauers) dabei, als sich in einer Gesprächsrunde eine heikle Thematik ergibt, wo die verschiedenen Akteure voll in ihre typische Rolle einsteigen. Die Stimmung wird hitziger bis dann schließlich die Fetzen fliegen, es wir geschimpft und beleidigt, manche ziehen sich wortlos zurück. Es bleibt ein Trümmerhaufen und wieder einmal weiß man nicht, wie man damit umgehen soll.

Die eher gefühlsbetonten Familienmitglieder sind sehr betroffen, traurig, fassungs- und fast kopflos, handlungsunfähig und paralysiert. Auf der anderen Seite gibt es Überheblichkeit und Selbstgefälligkeit, Schuldzuweisungen, Koalitionen, einen Sündenbock,…allerhand Grauslichkeiten, an denen sich die trennenden Kräfte gerne nähren. Die uralten Spannungen mussten sich also wieder einmal entladen, einem alten Muster und einem ewigen Rhythmus folgend…

Doch diesmal ist etwas anders. Für alle wahrnehmbar melden sich die Altvorderen aus dem Reich der Verstorbenen, die Ahnen, zu Wort. Mit all ihrer Autorität, mit Strenge und Bestimmtheit mahnen sie ein letztes Mal zum Frieden. Sie haben es zwar zu Lebzeiten teilweise auch nicht besser gewusst und haben somit auch ihren Anteil an dem Unfrieden, doch aus ihrer jetzigen Perspektive sehen sie die Zusammenhänge der Ereignisse und Konstellationen. Sie sehen klar, wie einzelne Akteure zum Instrument der trennenden Kräfte gemacht und von diesen missbraucht werden. Es ist für sie ein furchtbares Geschehen, unter dem sie leiden und das sie nicht mehr länger mit ansehen wollen. Sie wollen sich mit all ihrer Erfahrung als Helfer zur Verfügung stellen, vorausgesetzt, dass sie auch als solche erkannt und gehört werden.

Im Fall meines Traumes wird die Hilfe voll Dankbarkeit, Vertrauen und Hoffnung angenommen und die Streitparteien wurden für den arbeitsreichen und anstrengenden, aber auch lohnenswerten Friedensprozess gewonnen…

Dann bin ich aufgewacht, emotional sehr bewegt von dem haut- und wirklichkeitsnah Erlebten. Sofort nach dem Erwachen, als ich noch gar nicht richtig bei mir war, ist mir die klare Botschaft gekommen, dass der Traum ein Gleichnis ist für ein Geschehen, das sich im großen Maßstab genauso abspielt.

In den Tagen davor habe ich mich ja nicht zuletzt aufgrund unserer Reiseroute und der besuchten Örtlichkeiten viel mit Moses und der gemeinsamen Wurzel der drei abrahamitischen Religionen auseinandergesetzt. Während bei meinen Betrachtungen eher das Gemeinsame im Blickfeld steht, so fokussieren die Medien und die Leute im tagtäglichen Gespräch vor allem bzw. ausschließlich das Trennende… Der ganze Nahe Osten leidet seit langem unter dem Konflikt der Araber und Israeli. Aber es ist ja nicht nur hier und jetzt so, Die Geschichtsbücher gehen nur so über mit Kriegen, die sich zwischen den abrahamitischen Bruderreligionen und den durch sie geprägten Völkern und Kulturkreisen über Jahrhunderte abgespielt haben. Und wie es auch im kleinen Maßstab gilt, so sind das Leid und die Hilflosigkeit bei Konflikten innerhalb der Familie besonders groß. Um es bildlich und mit ein wenig Humor darzustellen: Moses, Abraham und co müssen ja nur so rotiert haben in ihren Gräbern, bei all dem, was sie schon mit ansehen mussten.

Geht man einen Schritt weiter und betrachtet so wie ich die gesamte Menschheit als Familie, dann ist die Thematik des Geschwisterstreites weltweit in voller Dramatik gegeben.

Es gibt wohl genug Menschen, die mit dem Begriff einer weltweiten Familie gewisse Schwierigkeiten haben mögen. Doch dass wir als Bewohner desselben Lebensraumes, unserer Mutter Erde, einer großen Schicksalsgemeinschaft angehören, das kann wohl keiner abstreiten. Und es scheint so, als ob sich das Schicksal von uns Erdenbewohnern ziemlich zuspitzen würde. Wie in meinem Traum gibt es große Schwierigkeiten und die damit verbundene Hilflosigkeit sowie in weiten Kreisen fehlendes Know-how für den Umgang mit den Nöten. Und es gibt ein großes Sehnen nach einer Wende. Es war in meinem Traum eine große Wende, als die alten Weisen mahnend aber auch hilfreich auftraten. Und es war und ist ein sehr tröstlicher Gedanke für mich, dass dies auch in einem weltweiten Kontext so sein könnte oder gar schon passiert. Wer also immer sie auch sein mögen, die hilfreichen und wohlwollenden Weisen. Ich möchte sie für alle Fälle hiermit auch schriftlich eingeladen haben, sich zu erheben und uns Menschen den Weg in eine würdigere Zukunft zu weisen.

Klingt wie ein Traum, nicht wahr?! War ja auch einer…aber ein sehr träumenswerter Traum. Wer mich kennt, der weiß, dass ich in meinem Grundwesen sehr bodenständig bin, also kein großer Träumer. Aber ich erlaube es mir zwischendurch einer zu sein. Und manchmal werden Träume auch wahr, wie auch der kleine Traum von meiner Reise, die ich in den letzten Monaten machen durfte. Und ich habe jenseits des Persönlichen noch viel größere Träume…

Es gibt in der Geschichte genug eindrückliche Beispiele für ganz große Träume und Wunder, die Wirklichkeit werden durften. Martin Luther King hatte einen Traum…40 Jahre später wurde Obama Präsident. Die deutsche Wende jährt sich heuer zum zwanzigsten Mal, undundund…

Also, wer immer da draußen an Träume und deren Verwirklichung glauben will, sei dazu ermutigt…They may say you’re a dreamer, but you’re not the only one!

May peace prevail on earth!

May peace prevail on earth!