Jerusalem – Wiedersehen mit Gunti

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Ja, in Jerusalem gibt es soviel zu sehen, dass man erst mal gar nicht weiß, wo man zuerst hingehen soll. Für uns war aber zuerst nur eines wichtig. Kontaktaufnahme mit Gunti. Dem aufmerksamen Stammleser des Blogs sollte dieser Haudegen aus Osttirol (oder soll ich sagen: Westkärnten) schon von unserer gemeinsamen Lateinamerikatour bekannt sein. Gunti ist neben dem Nane mein zweiter, richtig bewährter Reisekumpan, sozusagen. Und wir haben vor ein paar Monaten in Cusco-Peru (wo der liebe Hannes in den nächsten Tagen eintreffen wird-Hola Hannesto!) beschlossen, dass es in Israel einen gemeinsamen Auftritt von uns geben wird.

Und tatsächlich sollte es zum Wiedersehen kommen. Also den Guntischewski am Handy angerufen und schon wenig später haben wir uns in der Altstadt von Jerusalem getroffen, direkt vor dem Österreich-Hospiz, der beliebten Österreicherabsteige ganz in der Nähe von unserem um ein paar Sterne bescheideneren Quartier, wo auch der Gunti am selben Tag aus Tel Aviv kommend abgestiegen war. Was für ein super Wiedersehen, eine Riesenfreude, mal ein anderes vertrautes Gesicht zu sehen. Nachdem der erste Redeschwall überstanden war, haben wir uns in das Österreicherhospiz auf ein Wiederschnitzel gehauen. Leider war dieses aus Hühner-“Fleisch”, aber die Sachertorte dannach hat voll entschädigt. Und die Mannerschnitten aus Guntis Rucksack waren auch im Nu verputzt. Aus selbigen Rucksack sollte der Gunti im Laufe des Abends auch noch andere feine Kleinigkeiten hervorzaubern. Da war zum Beispiel eine “kleine” Osttiroler Jause, bestehend aus Speck, Würsten, Käse und Brot…und ein Flascherl Schnaps. Ja, und da muss ich als Kärntner fairerweise sagen, dass wohl auch der Osttiroler ein bißl eine Ahnung von der Jause hat… 😉 Unter anderem bekam ich eine besondere Überaschung von Stefan, meinem lieben Hermano. Der Kerl hat doch glatt in einem seiner zahlreichen und nicht enden wollenden, kreativen Ergüsse ein Buch mit wahrlich fantastischen Kurzgeschichten geschrieben und veröffentlicht, die unsere gemeinsamen Abenteuer in Guatemala auf sehr witzige und auch dick aufgetragene Art thematisieren. Super genial lustig zum Lesen und eine besondere Freude für mich. Was für ein Glück, dass mir mein Bruder einst im Land der Maya begegnet ist. Das Buch gibts unter: http://www.amazon.de/Taranteln-Tortillas-Reisegeschichten-aus-Mittelamerika/dp/3837079996/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1237148393&sr=8-1

So war die Freude groß, über das Wiedersehen, die Geschenke und die Tatsache, nunmehr zu dritt für eine Woche in Israel zu sein. Die nächsten Tage sollten aber sehr anstrengend für mich werden…

In Jerusalem gibts sehr viel zu sehen. Der Nane ist schon wie ein geölter Blitz durch die Stadt gewetzt, ich hab so gut ich konnte, den Gunti auf seinen Streifzügen begleitet. Mit den Krücken war es aber sehr, sehr, sehr anstrengend für mich und ich war dauernd voll erschöpft, auch müde von den Tagen davor. So hat sich auch ganz hinterfotzig eine Verkühlung mit Halsweh und Schnupfen zum geplagten Fuß dazugesellt und ich war nur noch im Arsch. Dennoch habe ich es geschafft, die Klagemauer, die Grabeskirche, Via Dolorosa, den Tempelberg (diesen aber nur von unten) zu sehen.Ich hab mich aufgrund meines eingeschränkten Bewegungsradius fast nur im alten Jerusalem, also innerhalb der Stadtmauern bewegt. Die Altstadt ist ja aufgeteilt in Christliche , moslemische und jüdische Viertel, und es ist höchst interessant, die unterschiedlichen Räume und Menschen zu erfahren.

In Jerusalem sind erstens einmal viele Europäische Pilger auf den Spuren Jesus` unterwegs, ein ganz eigenes Treiben… Überall wird gesungen, gebetet, auf Knien herumgerutscht, Reliquien geküsst, unter Altäre gekrochen, etc. Auch die Souvenirs sind auf das Publikum abgestimmt. Es gibt hier wohl alles, was der Christ sich so wünscht, Kreuze, Mosesstäbe, Marienfiguren…und teilweise glaubt man gar nicht, was es alles gibt:

...z.B. eine original zertifizierte Dornenkrone

...z.B. eine original zertifizierte Dornenkrone

in der Grabeskirche am Golgatha

in der Grabeskirche am Golgatha

die Kuppel über dem Grabe Jesu

die Kuppel über dem Grabe Jesu

Die Christen sind hier aber sicher nicht am wichtigsten, eher schon die muslimischen Araber. Vor allem große Teile der Altstadt sind wie ein einziger arabischer Suq mit einem Mordsgedränge und Geschrei. Eine nette und auch aufregende Abwechslung für den Europäer, aber nicht für uns, die wir schon seit bald 2 Monaten nichts anderes sehen und vor allem hören als die Habibis mit ihrem recht lauten Leben.

Viel interessanter für mich und den Nane war da schon die Begegnung mit den jüdischen Israelis, die sich ja auch in vielen verschiedenen Grüppchen zeigen.  Die jüdischen Viertel der Altstadt sind ruhig, beschaulich und schön hergerichtet. Je mehr man sich der Klagemauer, seit der Zerstörung des letzten Tempels im Jahre 70 n. Chr. das wichtigste Heiligtum der Juden weltweit, nähert, umso mehr orthodoxen Juden begegnet man. Die Männer sind freilich sehr auffällig in ihren schwarzen Gewändern und den langen Bärten und Zöpfchen, die unter verschiedensten Kopfbedeckungen rausbaumeln. Das Treiben an der Klagemauer ist ein ganz eigenes. Rechts die Frauen, links die Männer wird hier kollektiv die Zerstörung des Tempels bejammert und/oder mit Gott kommuniziert, dessen Präsenz mit der Mauer verbunden wird. Oberhalb der Mauer ist der berühmte Felsendom, eine Moschee, die so um 700 n. Chr. errichtet wurde. Übrigens, der Zugang zur Klagemauer war einer der großen Erfolge der Israeli im 6-Tage-Krieg 1967. Der jetztige große Platz vor der Mauer war angeblich ein muslimisches Quartier, das gleich plattgewalzt und umgestaltet wurde.

Tempelberg mit Felsendom, davor der Platz mit der Klagemauer

Tempelberg mit Felsendom, davor der Platz mit der Klagemauer

das Klagen an der Mauer

das Klagen an der Mauer

?...kein Zutritt für Engel...?

?...kein Zutritt für Engel...?

der 7armige Leuchter, wie er einst im Tempel stand

der 7armige Leuchter, wie er einst im Tempel stand

Überall rund um die heiligen Stätten gibt es Sicherheits-Checkpoints und viel Polizei- sowie Armee-Präsenz. Zum Felsendom bin ich nicht rauf, das geht nur zu gewissen Stunden, die ich immer verschlafen habe. Und zur Klagemauer wollte ich nicht hin, auch wenn es möglich wäre, aber was sollte man dort. Schließlich hab ich ja keine Klagen… 😉

Der ausgesperrte Engel vor den Heiligtümern war schon ein eigenartiges Bild für uns. Was es zu bedeuten hat, kann man sich überlegen. Aber warum da ein Engel war, ist uns bald klargeworden. In den Tagen unserer Zeit in Jerusalem war nämlich Purim, was so eine Art Fasching für die Juden ist. Und auf einmal waren überall die Narren unterwegs. Zwar nicht so besoffen und ausgelassen bei uns , aber doch für das eine oder andere seltsame Bild für uns gut. Dass die Soldaten und -Innen hier die Ordnung der Uniform und das offizielle Auftreten nicht so ernst nehmen, ist uns schon längst aufgefallen. Aber wenn dann ein Soldat, der eine 15 kg schwere Bleispritze durch die Fußgängerzone trägt, über der Uniform ein Bananenröckchen und ein Hirschgeweih anhat, dann kennt man sich mal nicht wirklich aus. Uns solls Wurscht sein! Außerhalb der Stadtmauern ist das moderne Israel zu finden. Mit allem westlichen Schnickschnack, über den man sich nach 5 Monaten wieder mal recht freut. Die Israelis sind äußerst angenehm, nett, hilfsbereit, gebildet und aufmerksam. Und vor allem fesch sind sie auch. Die Frauen verbreiten eine höchst sinnliche Aura und sind echt sehr schick unterwegs. Eine schöne Abwechslung nach Ägypten und Jordanien. Leider steckt man hier auch die Frauen für 2 Jahre in grüne Uniformen und hängt ihnen eine knarre um, was dementsprechend unsexy für unsereins ist. Aber es ist wohl klar, dass damit andere Ziele verfolgt werden…in Jerusalem und Umgebung merkt man wirklich auf den Strassen, dass der Staat Israel in einem Ausnahmezustand ist und eine kollektive Paranoia verbreitet wird. Die normalen Leute sind dennoch sehr lässig und nett.

An den Purimfeierlichkeiten haben wir uns auch ein wenig beteiligt, man hat ja sonst nicht viel zu feiern, und den Villacher Fasching haben wir sowieso verpaßt heuer… Und wieder einmal gibt es zur Dokumentation ein Foto von Nane, wie er wie schon an vielen Orten der Welt in das kollektive ausgelassene Gejohle einstimmt. Ja, das kann er gut.

der Nane und seine Kurzzeit-Zechbrüder

der Nane und seineHaberer

die Schokokrampusse und Nikolos haben es auch bis hier her geschafft-mit Verspätung halt

die Schokokrampusse und Nikolos haben es auch bis hier her geschafft-mit Verspätung halt

Ahja, neben den westlichen Annehmlichkeiten gibt es hier noch was ganz schönes für uns. Es leben hier viele Äthiopier, deren schöne und vertraute Gesichter wir in den Straßen und Bussen mit immer wieder sehr viel Freude sehen und die unser äthiopisches Herz höher schlagen lassen.

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