„Panigyraki“ oder: ein ganzes Dorf feiert in unseren Namen

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Mit Meteora und Delfi hatten wir zwei der vielen großartigen Sehenswürdigkeiten am griechischen Festland gesehen. Doch gilt unser Interesse nicht nur alten Bauwerken, sondern vielmehr den Menschen, ihrer Kultur und dem Leben. All das sollten wir in Arachova weiter kennen lernen. Der 23. April ist der Tag des Heiligen Georgs, nicht nur in Griechenland sondern auch bei uns. Wie in allen Ländern der Ostkirche wird der Heilige Georg in Griechenland schwer verehrt, er ist sogar Nationalpatron. Arachova feiert ihn besonders, da hier irgendwann in grauer Vergangenheit eine erfolgreiche Schlacht gekämpft wurde, in der mit Hilfe des Heiligen Georgs die Türken zurückgeschlagen wurden. Und ein besonderes Fest dauert in Griechenland nicht einen oder zwei, sondern gleich drei Tage. Da haben wir schon geschaut. Gerade erst war das Ostergrillen vorbei, sollten schon wieder hunderte Lämmer aufgespießt und für drei Tage gefeiert werden.

Wir sind am ersten Tag des Festes mal zaghaft von Delphi mit dem Bus nach Arachova gefahren. Dort drehten sich schon die Lämmer am Feuer, bewacht vom jeweiligen Clanchef und seinen gelehrigen Nachkommen. Der Name des Festes, „Panigyraki“, klingt ja in unseren Ohren schon wie eine griechische Speise und unsere auch kulinarischen Erwartungen sollten nicht unerfüllt bleiben. Wir spazierten durch den Ort und kamen an dutzenden Grillstätten vorbei, wo schon überall die Musik spielte und die Nachbarn bei Wein und kleinen Häppchen zusammenstanden. Ein besonders netter Einheimischer namens Theodoros (kurz Theo) hat uns gleich ordentlich Wein eingeschenkt und uns in sein Haus gezerrt, wo schon die ganze Großfamilie geifernd auf das knusprige Lamm wartete. Mit Theo sprachen wir Englisch, ein großer Teil der Familie sprach aber Deutsch weil eine zeitlang in Deutschland wohnhaft. Außerdem saß Roland aus Kalifornien am Tisch, ein griechisch sprechender Kalifornier, der seit 20 Jahren jedes Jahr zu diesem Fest kam, ein begeisterter Griechenlandfan also, der auch vom Bürgermeister des kleinen Örtchens schon die „Schlüssel zur Stadt“ überreicht bekommen hat.

Das große Essen ging los, es gab genug von allem und es war traumhaft gut. Wir hatten eine Mordsgaudi mit den Griechen! So macht Reisen Spaß! Wir fragten spaßhalber, ob man hier jeden Tag so esse, worauf feist grinsend die Antwort kam: „Nein, nicht jeden Tag…alle drei bis vier Stunden!“. Nachdem uns auch Roland mit vollem Mund erzählt hatte, was hier in den nächsten Tagen noch los sein werde, beschlossen wir, unser Quartier umgehend von Delphi nach Arachova zu verlegen und hier die nächsten 2 Tage zu verbringen. Unsere neuen Freunde freuten sich über unsere Präsenz auch deshalb, weil wir die Namen der Heiligen tragen, die dieser Tage gefeiert werden. Das Fest fängt am 23. April mit Georg an und hört am 25. mit Markus auf. „Yassas, Jorgos und Marcos“, hieß es. Für die Griechen ist der Namenstag übrigens wichtiger als der Geburtstag, also waren wir hier goldrichtig gelandet.

Die nächsten Tage waren super. Der Morgen wurde jeweils mit Böllerschüssen aus riesigen Kanonen am Kirchplatz eröffnet, nach der Messe ging man für den Rest des Tages ans Feiern. Die stämmigen Jünglinge wetteiferten in archaischen Disziplinen wie Steinheben und Seilziehen. Alle anderen begnügten sich mit Zusehen und lukullischen Genüssen.

Das dreitägige Fest gipfelte in der großen Schlußfeier am Kirchplatz. Das ganze Dorf, ca. 2000 Leute trat in griechischer Tracht an. Eine Kapelle spielte alte Hymnen, ein riesiges Festbankett war aufgebaut, wo jeder zu köstlichem Lamm vom Grill, Salat, Feta und vor allem Wein geladen war. Super!

Nach dem stundenlangen Essen, als alle Mägen gefüllt und die Wangen langsam vom Wein gerötet waren, wurde dann der fröhliche Reigen von den Dorfältesten eröffnet. Mit pathetischem Blicke wurde im Rhythmus der Trommel das Lied des Heiligen Georg angestimmt, welches für die nächsten Stunden durchgesungen werden sollte. Die Alten feuerten mit uralten Knarren Freudessalven in die Luft und tanzten zur Musik. Irgendwann bildeten die Jungen ihren eigenen, viel wilderen Reigen und es wurde ordentlich einer abgetanzt. Auch Roland war gut getarnt inmitten der Einheimischen, mit griechischer Tracht. Beim Tanz waren wir leider nur Zaungäste, aber gern gesehene. Dauernd kam ein alter Grieche um mit uns anzustoßen. Wir waren so ziemlich die einzigen Touristen im Ort.

Am Ende des Reigens formierte man sich um die Kirche, umrundete diese gemeinsam dreimal, um dann gemeinsam die 260 Stufen von der Georgskirche ins Dorf hinunter zu schreiten, wo dann auf den Strassen wild und lange in die Nacht hinein weitergetanzt und gefeiert wurde.

Was für ein Fest! Was könnte es auf Reisen besseres geben, was will man mehr?! Es war ein bunter, lebendiger Reigen, ein Tanz, ein freudiges Zusammenkommen von Alt und Jung, Mann und Frau, Musik und Gesang, Speis und Trank sowie Alkohol und Schusswaffengebrauch! Letztere Kombination ist nicht zur Nachahmung empfohlen, ging aber an den besagten 3 Tagen unter dem Schutze Georgs noch einmal gut aus. Das Fest in Arachova und die Gastfreundschaft der Griechen reihten sich in die ganz großen Highlights dieser Reise ein.

Zufrieden bestiegen wir nach Markus´ Namenstag den Bus nach Athen, das ich sehr gut kenne und das für mich persönlich noch stets ein Ort größtmöglicher Gastfreundschaft war…

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Die sehenswerten FOTOS und vor allem VIDEOS, bitte ich auf Nanes Seite anzusehen, da ich an meinem derzeitigen Aufenthaltsort nichts hochladen kann. www.reisekreise.net

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