Die „Moreneta“ von Montserrat

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In Barcelona stand neben dem bei unseren menschlichen Freunden auch noch ein anderer Besuch auf dem Programm. Die Existenz nichtmenschlicher Freunde in meinem Universum ist für den treuen Blog-Leser ja eh nichts Neues mehr…

Ca. eine Stunde nordwestlich von Barcelona erhebt sich ein imposantes Felsmassiv weit über die Ebene und man braucht kein Eingeweihter sein um zu erahnen, dass es sich um einen Ort großer Kraft handelt, der vermutlich schon seit alten Zeiten in der Aufmerksamkeit der Menschen und ihrer kultischen Aktivitäten stehen dürfte.

Montserrat heißt dieser magische Platz, an dem einst die Hirten (wer sonst?) einer Madonna angesichtig wurden, und wo heute ein riesiges Kloster sowie eine schöne Kirche stehen, die um das Abbild dieser Madonna im Laufe der Jahrhunderte gewachsen sind. Rund um das Kloster ragen die beeindruckenden Felsformationen in den Himmel, aus denen einem unzählige Gesichter von diversen felsigen Kerlchen entgegenschauen. Muy impresionante!

…von nichts kommt nichts…

Der katalanische Name der Madonna, „La Moreneta“ verrät an sich schon die Besonderheit dieser Gottesmutter. Sie gehört der kleinen Minderheit der dunkelhäutigen, also „schwarzen“ Madonnen an. Dass es zum Beispiel in Mexiko City die Indianermadonna von Guadalupe gibt, die Patronin der indigenen Lateinamerikaner, ist ja noch weniger erstaunlich, aber was hat es mit den schwarzen Madonnen Europas wohl auf sich?

 

Man sagt, dass diese Göttinnen, die wohl auch eine vorchristliche Wurzel haben dürften, wahre Spezialistinnen sind und sich in einen besonderen Dienst für den Menschen gestellt haben. Wie wir wissen und oft genug erfahren, haben das Leben und der Mensch nicht nur Licht-, sondern auch genug Schattenseiten, die uns bewegen und mit denen wir oft unsere Not haben. Die Gnade, die uns speziell von den dunklen Göttinnen zufließt, sind die Begleitung in unseren Nöten und auf unseren Unterweltenfahrten sowie die Heilung durch das liebevolle Annehmen unserer Unvollkommenheiten und dunklen Seelenanteile. Die Moreneta von Montserrat scheint in diesem Liebesdienst eine besondere Kraft und Effizienz zu haben, viele Menschen werden durch sie bewegt. Sie ist die Patronin von Katalonien und die Menschen kommen von nah und fern herangepilgert.

Natürlich ließen wir es uns auch nicht nehmen, der Moreneta die Ehre zu erweisen, und sind zusammen mit Estela und Daniel nach Montserrat gefahren. Nachdem sich Gregor mit allen Köstlichkeiten der Verkaufsstände und ich mich mit ein paar Kerzen eingedeckt hatte, die im Auftrag diverser Leute anzuzünden waren, war der Weg in die Kirche offen und schon standen wir in der Warteschlange, die über die Treppen zum Hochaltar, dem Thron der Madonna, hinaufführt. Eine kurze Kontaktaufnahme der Göttin über die Berührung Ihrer Abbildung, und schon wird man von der Warteschlange ein paar Schritte in die Kapelle hinter dem Altar weiter geschoben. Ich erwarte in so einem Getriebe ja keine außergewöhnlichen Wahrnehmungen etc, die finden wohl viel eher statt, wenn man sich mit so einer Kraft in Ruhe über die Distanz verbindet. Ein Besuch vor Ort ist dennoch etwas ganz Besonderes, macht Freude und schafft einen anderen Bezug.

Für mich, da ich in der Natur mehr Reinheit und Verbindung wahrnehme als in vom Menschen geschaffenen Heiligtümern, war eine anschließende kleine Wanderung durch die beeindruckende Felslandschaft der reinste Genuss, ja sogar eine heilige Pflicht! Mit einem Schrägaufzug ist man im Nu auf der Höhe, wo sich ein sehr gefälliger Wanderweg zwischen den Felsnadeln dahinschlängelt. Dazu eine erfrischend-reinigende Brise, eine super Aussicht und schon fühlt man sich wie neugeborenen und die dicke Kirchenluft ist schnell vergessen.

Blick von oben aus, rechts unten Kloster und Kirche

da waren wir zufrieden, Papst Gregor XIV und ich.

Das hat´s gebracht! Wieder einmal ein unvergesslicher Tag an einem ganz besonderen Ort! Wer auch immer in das bei Wochenendjettern beliebte Barcelona kommt, soll einen Besuch in Montserrat auf jeden Fall in Erwägung ziehen und -sofern hörbar – dem Ruf der Moreneta folgen, so wie wir das gemacht haben. Danach macht das Shoppen, Sightseeing und Verputzen von Tapas sicher noch mehr Spaß als zuvor. 😉

2 Gedanken zu „Die „Moreneta“ von Montserrat

  1. Juan Lasarte

    Lieber Joerg
    Ein Kompliment zu deinem schön und graphisch perfekten gestalteten Blog.
    Ich war eben in St.Ulrich in Gröden zum Ski-Urlaub und habe mich in einem Schnitzer-Geschäft in eine wunderschöne romanische Madonna verliebt und diese dann auch erworben. Es handelt sich dabei um die ‘Moreneta’. Selten habe ich eine so wunderbare Madonna gesehen, für mich persönlich die Schönste!
    So wird es mein Ziel sein, das Original in Katalonien so bald wie möglich zu besuchen. Dein Blog hat mich in dieser Hinsicht noch zusätzlich bestärkt und ich freue mich auf diese Erlebnis!
    Dir weiterhin schöne und erfüllende Reisen,
    herzliche Grüsse aus Zürich,
    Juan,

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