Archiv für den Monat: Januar 2009

Letzter Tag in Kairo und jetzt ab in die Wueste…

Der letzte Tag in Kairo war ja eigentlich fuer die Entspannung vorgesehen. Zumindest habe wir lange gepennt, und ich hab mich im Schlaf auch ganz gut von meinem immer noch starken Schnupfen erholt. Doch Kairo ist definitiv kein Platz zum Erholen, es ist hier zu laut und es gibt kaum Plaetze zum Rueckzug.

Waehrend der Nane noch gepennt hat, bin ich am Vormittag noch einmal in das Koptische Viertel gefahren, um dort in aller Ruhe die Georgskirche mit meinem Besuch zu ehren. Ich hab die Ruhe und die besinnliche Atmosphaere dort sehr genossen. Die Kirche ist so wie weite Teile des Koptenviertels griechisch gepraegt, in den Geschaeften wird Griechisch gesprochen, Aufschriften sind griechisch…das taugt mir natuerlich sehr, weil ich ja die Sommer meiner Kindheit immer in Griechenland verbracht habe und nicht umsonst “Jorgos, der alte Grieche” genannt werde.

In einer kleinen Kapelle des Viertels ist ein kleiner Platz der besonderen Huldigung des Georgs, der hier “Mar Girgis” heisst, zu finden. Die Pilger haben dort die Moeglichkeit, sich die Ketten, in denen der Heilige Georg gefoltert wurde und so zu grossem Maertyrerruhm kam, um den Hals und die Arme zu legen, was die Naehe zum Heiligen und die Heiung der eigenen Schwierigkeiten beguenstigen soll. Schon eigenartig zu sehen, wie sich einer nach dem anderen die schweren Ketten um den Hals legt und diese an diversen heilungsbeduerftigen Koerperteilen reibt. Ich hab davon Abstand genommen, dafuer aber nochmal gedanklich-rituell bekraeftigt, dass ich mit Folter und Ketten jeglicher Form nichts mehr zu tun haben will. Schliesslich steht meine Reise unter der Fahne der Freiheit, und diese Fahne wird sicher nicht mehr eingeholt, sondern ganz herrlich weiter im Wind wehen…auch nach der Reise.

Zu Mittag haben wir uns via Internet ein keines Geschenk bestellt: naemlich 2 kleine Netbooks, fuer jeden eines. Das sind so winzige Notebooks, die allerhand koennen und uns in Zukunft die Moeglichkeit geben werden, unsere Geschichten an jedem Ort zu schreiben. Damit sind wir viel unabhaengiger von den oft nervigen Internetkaffees, wo dauernd irgedwas nicht geht. Juhui! Unser Freund Roland wird die Dinger mit der entsprechenden Software bestuecken, und Nanes Freundin Judith diese fuer uns nach Aegypten schmuggeln, wenn sie den Nane auf Sinai besuchen wird. Inschallah (wenn allah es so will)!

Am Nachmittag haben wir die Tickets fuer unsere naechsten Wegstrecken gekauft. Zuerst das Busticket fuer die morgige Fahrt in die Oase Bahariya, von wo aus wir die schwarze und die weisse Wueste besuchen werden. Der Busbahnhof war sehr sauber und gut organisiert. Im Nu hatten wir, was wir wollten, und sind dementsprechend frohen Mutes Richtung (Zug-)Bahnhof gegangen, um dort auf aehnlich elegante Weise zu unseren Karten von Kairo nach Assuan zu kommen. Doch am Bahnhof wehte ein anderer Wind. An jeder Ecke ein Ticketschalter fuer ein spezielles Ziel, nichts ist beschriftet und man hat keine Ahnung, was man tun soll. Bei den Schaltern ist es eng und es herrscht ein Chaos und Gedraenge, wie man es von den aethiopischen Busbahnhoefen kennt. 3 Stunden lang wurden wir von Schalter zu Schalter geschickt, von anderen “Wartenden” weggedraengt und in Poebeleien verwickelt, Hunger und Durst wurden unertraeglich. Letztendlich war ich in der richtigen Schlange, wo aber ein Problem in Form einer laut herum schreienden und nicht locker lassenden Alten vor mir war, die den Schalterbeamten und die hinter ihr wartende Menge – vor allem mich – eine halbe Stunde quaelte und sekierte. Keiner hat was gesagt, ob wohl schon alle geladen waren ob der Unverschaemtheit der Alten. Irgendwann hab ich sie dann einfach auf Kaerntnerisch angeschrien und ihr signalisiert, dass ihre Zeit jetzt abgelaufen ist, und ein ganz jaehes Ende ihres Auftrittes bevorsteht. Sie hat verstanden und ist dann abgezogen, zur Erleichterug aller anderen und vor allem mir. Das Ausfertigen meiner “Tickets” (handbeschriebene Kaszetteln in der Groesse von 1 Euro-Muenzen) dauerte noch einmal ungefaehr 15 Minuten, dann bin ich fix und foxi aber zumindest mit erfuellter Zielvorgabe aus der Reihe getaumelt, uff!

Soviel zum Thema Erholung…ich bin jetzt definitiv soweit, dass ich die Stadt mit ihren Menschenmengen, den trommelfellzerreissenden Rufen des Muezzins und den vielen hupenden Autos, die einem das Uberqueren der Strasse zu einem nervenaufreibenden und halsbrecherischen Abenteuer machen, hinter mir lassen muss. Oder wie der Herr Molterer sagen wuerde: “Es reicht!”

So fahren wir morgen in die Oase und von dort weiter fuer 2-3 Tage in die Sahara. Freu mich auf eine hoffentlich ruhige Nacht im Zelt und einen wuestenmaessigen Sterenhimmel. Inshallah!

Fotos gibts ein andermal, heute war doch wieder zu stressig.

Die Pyramiden, die Sphinx und andere Kolosse

Heute war es endlich soweit und wir machten uns auf den Weg zu den grossen Pyramiden von Gizeh. Weit ist der Weg nicht, die Pyramiden stehen direkt an der Stadtgrenze und sind mit dem Taxi bequem fuer ein paar Kroeten zu erreichen.

Gizeh ist bestimmt die wichtigste Touristenattraktion des Landes und man hatte ja schon aus dem Reisefuehrer und von heimgekehrten Aegyptenreisenden einiges an wilden Geschichten gehoert, wie schlimm dort der Kampf um das Geld der Besucher gefuehrt wird, wie nervig und zahlreich die Hustler sind und wie ueberlaufen der Platz. Den Geschichten nach sollte man den Platz eher meiden, doch der Magnetismus der beruehmten Staette war zu gross und so zog es auch uns hin, logo!

Man steigt am grossen Vorplatz aus und ist gleich mal hin und weg ob der ueberwaeltigenden Dimension der grossen Pyramiden. Alles rennt erstaunlich geregelt ab, keine Warteschlangen fuer Tickets und eine zuegige Abwicklung beim Eingang. Wir waren regelrecht verstoert, wie friedlich und unbehelligt wir auf des Plateau zu den Pyramiden raufspazieren konnten,  war man doch auf das Schlimmste eingestellt. Ein paar Postkartenverkaeufer und Kameltreiber kommen zwischendurch schon auf einen zu, aber…alles harmlos fuer jemanden, der gerade 2 Monate in Aethiopien war, echt!

Also konnten wir voller Freude und Bewunderung ueber das Plateau wandern, zwischen den Pyramiden durch, runter zur Sphinx (,die in Realitaet etwas kleiner ist, als sie auf den Postkarten wirkt), einen Abstecher in das kleine Museum mit der Sonnenbarke, bis wir irgendwann einen Platz gefunden haben, wo wir in Ruhe einen schoenen Blick auf das Areal geniessen und die Gedanken wandern lassen konnten. Kein Wunder, dass die Pyramiden seit Jahrtausenden die Fantasie der Menschen befluegeln, es ist einfach beeindruckend und fast unglaublich, was man hier zu sehen bekommt. Und sollte man im Museum von Kairo die Pharaonen “nur” als ein paar zusammengeschrumpelte Leichname aus alten Tagen wahrgenommen haben, dann wird einem spaetestens angesichts der Pyramiden klar, dass diese wahrlich als Gottkoenige gesehen wurden. Sehr sehr beeindruckend war auch die Sonnenbarke fuer mich, ein fein gearbeitetes, ca. 30 Meter langes Holzschiff, mit dem der tote Pharao zu seiner letzten Ruhestaette geschifft wurde, und das ihm letztendlich in einer eigenen Grabkammer vor der Pyramide als Vehikel fuer das Jenseits bereitgestellt wurde.

Beeindruckt und bewegt ist hier jeder Besucher, da bin ich mir sicher. So war es auch fuer uns ein perfekter Tag…

Optisch erstaunlich sind uns auch die Touristengruppen eingefahren. Wir haben ja seit vielen Wochen kaum weisse Menschen gesehen, viele Europaeer sieht man hier in der Stadt auch nicht gerade. Und heute waren dann ueberall die Busgruppen unterwegs, besonders viele Russen, Englaender, Deutsche. Da stach es uns schon bald ins Auge, wie ungepflegt und uebergewichtig der Grossteil der Leute ist, der da so in den Charterflugzeugen angeflogen kommt. Verschwitzte Leiber, pralle Baeuche und sonnenverbrannte Gliedmassen treten aus der viel zu knappen Kleidung hervor. Nach 2 Monaten auf dem schwarzen Kontinent war das fuer sich schon fast eine Begegnung “der dritten Art”…

Damit wir selber nicht bald am gegenueberliegenden Ende des Spektrums des Ernaehrungszustandes ankommen, sind wir dann wieder in die Stadt zurueck gefahren, um uns ein gepflegtes Essen einzuverleiben. Das hat die Zufriedenheit nochmal gesteigert und der anschliessende Nachmittagsschlaf rundete den genialen Ausflugstag wuerdig ab. Was fuer ein toller Tag.

Morgen sind wir noch einen Tag in Kairo zum Relaxen, dannach werden wir in die Wueste hinausrattern. Den morgigen Tag moechte ich auch nutzen, um endlich ein paar Fotos ins Netz zu bringen. Der Nane ist mir da schon um einiges voraus, deshalb empfehle ich euch, seine Seite anzusehen. Dort gibt es nicht nur Nanes Geschichten, sondern auch Fotos und neuerdings vor allem Videos. Wer also die Hamer in Aethiopien singen oder mich tanzen sehen will, der gehe auf www.reisekreise.net und dann auf den Menuepunkt “Videos zur Reise”.

Salaam aleikum, aleikum salaam.

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Erste Eindruecke vom Alten und vom neueren Aegypten

Der initiale Fressanfall und die damit einhergehende Reizueberflutung waren recht bald verdaut…

Die ersten Tage in Kairo waren sehr interessant und abwechslungsreich. Die groesste Stadt Afrikas pulsiert ja echt, wie es sich fuer 22 Millionen Einwohner auch gehoert, vor allem am Abend ist hier im Zentrum ein Mordsrummel. Die Gehsteige und Strassen platzen aus allen Naehten , ueberall wuseln die Menschen herum und Millionen Autos draengen sich durch die Strassen. Der viele Verkehr und die ruecksichtslosen Autofahrer sorgen nicht nur unsererseits fuer Angst und Schrecken, sondern auch dafuer, dass hier angeblich die schmutzigste Luft der Welt ist. Und man sieht tatsaechlich eine Dunst- und Staubwolke in und ueber der Stadt. Die erkennt man beim Spazieren in den Strassen und auch bei der Annaeherung mit dem Flugzeug haben wir zuerst gedacht, dass hier wohl nur ein Sandsturm sein kann…

Das Strassenbild und -geschehen gibt hier schon viel her, was die Sinne aufmerksam macht, und dem haben wir uns am ersten Tag herumspazierend und -schnueffelnd und lauschend hingegeben. Die Stadt ist vor allem orientalisch-islamisch gepraegt. Ueberall stehen Moscheen, singen bzw. schreien die Muezzins, in allen Strassen sitzen die Maenner mit der Shisha herum, die Maerkte quillen ueber mit feinen Gewuerzen und allem, was man sich nur vorstellen mag. Die Frauen sind natuerlich verschleiert, wie es sich fuer Muslimas gehoert. Das muslimische Viertel mit der hoechsten Dichte an alten Moscheen beeindruckt schon sehr mit den grossartigen Bauwerken und dem intensiven Marktgeschehen, ueberhaupt wenn man gerade aus Aethiopien kommt. Neben den Muslimen gibt es noch 10 % Christen im Land, die mit ihrer koptischen Tradition eine eigene orthodoxe Schiene innerhalb der Ostkirche darstellen und doch auch einen nicht zu unterschaetzenden Einfluss in der aegyptischen Gesellschaft haben; sie sind ja auch schon 500 Jahre laenger da. Das alte Aegypten ist hier im taeglichen Leben nicht mehr wahrnehmbar, dafuer umso mehr im Museum.

Genau dort waren wir vorgestern. Als Museumsmuffel (wie ich einer bin, der Nane weniger) geht man ja vorsichtshalber gleich in das namhafteste Museum, um bei etwaige und wahrscheinlich auftretenden Ermuedungserscheinungen wenigstens dieses gesehen zu haben. Ja, und vom aegyptischen Museum hier in Kairo hat man uns nicht zuviel versprochen. Tatsaechlich war es sogar so gut, dass ich einige Stunden voller Kurzweil darin verbringen konnte. Das Museum bietet mit zigtausenden Schaustuecken einen grandiosen Ueberblick ueber die Epochen des alten Aegyptens, vom Beginn des Paharaonentums vor 5000 Jahren bis zum bereits vorherrschenden Einfluss der roemischen und griechischen Kultur.

Besonders beeindruckend sind natuerlich die beruehmten Highlights aus dem Grab Tutenchamuns mit der bekannten, goldenen Totenmaske und den anderen prunkvollen Gegenstaenden.

Weiters die Mumiensammlung, in der die konservierten Koerper der alten Pharaonen ausgestellt sind, teilweise noch eingepackt in Leinen, groesstenteils aber so ausgepackt, dass man Kopf, Haende und Fuesse sehen kann. Muy interesante, und ein wenig schaurig fuer die kleinen Museumsbesucher, die sich teilweise kaum an die Glasvitrinen herangetraut haben, hihi.

Mir haben es vor allem die wunderbar gearbeiteten Bildhauerwerke aus schwarzem Basalt angetan. Besonders die ueberlebensgrossen Darstellungen der Pharaonen und Gottheiten, vor denen ich teilweise minutenlang mit offenem Mund stehenbleiben musste. Das Design der alten Aegypter war echt genial und es muessen auch sehr schoene Menschen gewesen sein, die den Darstellungen als Vorbild dienten. Vom sagenhaften Liebreiz der Nofretete (der Name bedeutet uebersetzt “die Schoene ist gekommen”, was will mann mehr…;-)), die als Gattin von Pharao Echnaton auch gewichtigen Einfluss hatte, kann man aber ausserhalb des Museums im Auftreten und den verhuellten Gesichtern der Frauen auf den Strassen Kairos leider nur noch fallweise etwas erahnen. Aber das ist eine andere Geschichte…

Das Museum und die darin stattfindende Zeitreise in das alte Aegypten hat beeindruckt, und zwar ordentlich. Um ein wenig in diese Welt einzutauchen wollte ich ja auch nach Aegypten reisen, und es gibt hier viel zu sehen…

Ganz in diesem Sinne sind wir schon am naechsten Tag, gestern, zu den Pyramiden der weniger prominenten Art gefahren, naemlich nach Saqqara und Dashur. Die 2 Orte stehen ganz anders als ihre prominenten Verwandten nicht auf der Besuchsliste der meisten organisierten Touren, und so kann man dort in aller Ruhe die lt. Archaeologen aeltesten Pyramiden Aegyptens und der Welt besichtigen.

Als die aelteste Pyramide der Welt gilt die Stufenpyramide von Saqqara. Diese ist, wie der Name schon sagt, stufenweise aufgebaut worden, da die perfekte Pyramidenform ja nicht gleich auf Anhieb realisiert werden konnte. Schliesslich sei ja noch kein Pyramidenbaumeister vom Himmel gefallen, sagen die Archaeologen…Esoterikfreunde behaupten da mitunter schon andere Dinge…ich weiss es nicht und das ist mir auch recht so. Tatsache ist, dass die Pyramide von Saqqara beeindruckt, durch Groesse, Form und dem Setting herum. Man ist ja schon direkt in der Sandwueste, auch wenn ein paarhundert Meter weiter schon Kairo anfaengt.

Die 2 riesigen Pyramiden von Dahshur entsprechen dann schon mehr dem Bild, das man von einer ordentlichen Pyramide so vor Augen hat. Vorerst entstand – angeblich nicht ganz planmaessig – eine so genannte “Knickpyramide”, da aufgrund der Berechnungen waehrend der Bauzeit festgestellt wurde, dass das Bauwerk mit konstantem Kantenwinkel nicht fertiggestellt werden kann, weil es sonst zusammenbrechen wuerde. Also hat man den Winkel reduziert und so einen Knick eingebaut, und siehe da – die Pyramide steht immer noch. Die 2te Pyramide von Dahshur ist die sogenannte “rote Pyramide”, ein riesiges Geraet, in deren Inneres man auch ganz ungestoert und alleine einsteigen darf. Das haben wir auch gerne gemacht. Man steigt zuerst ausserhalb der Pyramide auf ca. ein Drittel der Hoehe rauf und dann geht es innen wieder durch einen schmalen und niederen Stollen im Zwergengang hinunter ins Innere der Pyramide, wo einige geleerte Grabkammern zu besichtigen sind. Der Zwergengang, sowie die Hitze und Enge im Einstieg haben mich verdammt an die Minen von Potosi in Bolivien erinnert, wenn auch die Pharaonen etwas sauberer arbeiten liessen als die spanischen Konquistadoren…die Kammern sind mit riesigen, Millimeter genau behauenen Steinbloecken gefertigt worden. Ja, viel mehr kann ich jetzt auch nicht dazu schreiben. Dennoch war es beeindruckend und eine Ehre, ins Innere einsteigen zu duerfen. Schon beim Raussteigen merkte ich, wie mir der Zwergengang die Saeure in die Oberschenkelmuskulatur trieb…viel zu frueh fuer meine Verhaeltnisse, und das liess mich auch erkennen, das ich noch nicht ganz fit war.

Dennoch fuhren wir voll zufrieden mit unserem ersten (aegyptischen) Pyramidenerlebnis in die Stadt zurueck. Dort liess uns der Taxifahrer am Eingangstor des einzigen Parks Kairos aussteigen, und wir betraten eine andere Welt. Hier wurde aus den Geldmitteln der Aga Khan Stiftung und auf einer ehemaligen Muelldeponie ein Park erbaut, der im Jahre 2005 eroeffnet wurde und – wie wir uns ueberzeugen konnten – schon recht gut angewachsen ist. Heute ist der Park die einzige oeffentliche, gruene Oase in dieser doch recht staubigen und dreckigen Grossstadt. Man zahlt wenig Eintritt, das reicht aber schon aus, dass nur noch die Elite Kairos sich das Vergnuegen goennt, hier am Rasen zu picknicken und den spektakulaeren Blick ueber das unendliche Haeuser- und Moscheenmeer zu geniessen. Wir waren drehbuchgemaess zu Sonnenuntergang da oben und haben es echt sehr genossen, mal nur auf der Wiese herumzukugeln und dabei von niemandem angelabert zu werden. Wie schoen!

Beim ca. 2stuendigen Spaziergang durch die Stadt bis zum Hotel sind wir schon recht muede geworden, und bis wir daheim waren, haben wir nicht nur sprichwoertlich alt ausgesehen. Der Nane hat kurz vor dem Einschlafen ein Foto von mir gemacht, wo ich schon einen Eindruck kriege, wie ich in 30 Jahren aussehen koennte, erschreckend! Also war es klar, dass wir den fuer heute geplanten Besuch der grossen Pyramiden von Gizeh auf den naechsten Tag, also morgen, verschieben werden.

Heute haben wir bis 12 gepennt, ofensichtlich war das echt noetig. Meine Beine waren heute so sauer wie beim Erreichen des Basislagers nach dem Abstieg vom Gipfel des Mount Everests. Eindeutig Mangelernaehrung – so lautete meine Diagnose. Also schnell zum Markt und ein paar Dinge gekauft und anschliessend einverleibt, die es in Aethiopien nicht gab.

Am Nachmittag waren wir noch im Koptenviertel, dem sogenannten alten “Kairo”. Die Kopten habe hier einen eigenen Kirchenbezirk, der einem schon beim Betreten durch aussergewoehnliche Sauberkeit auffaellt. Hier wird wie in Aethiopien neben Christus und der Gottesmutter vor allem mein Namenspatron und Begleiter, der heilige Georg verehrt-zu meiner Freude. Die Aethiopisch-Orthodoxe Kirche spaltete sich ja einst vom Koptentum ab. Aegypten hatte seit 40 n. Chr. die ersten christlichen Gemeinden ausserhalb Israels, hab ich irgendwo gelesen. Die Kopten stellen teilweise auch heute noch eine Gruppe von sehr gebildeten und wohlhabenden Menschen in diesem Land dar, sagt man. Die Kirchen und die Plaetze drumherum sind eine Oase der Ruhe und Sauberkeit. Selbiges trifft aber – ordnungshalber festgehalten – auch auf die beeindruckenden Innenhoefe der grossen Moscheen zu.

So, das ware erst mal das Wichtigste zu den ersten Tagen hier. Mal sehen, wie uns das Land weiterhin begegnet. Bisher sind wir zufrieden, die Leute sind auch hier fuer unsere oesterreichischen (oder sogar wienerischen) Verhaeltnisse echt sehr sehr nett und freundlich (, auch wenn ein Aethiopier vielleicht hie und da die Nase ruempfen wuerde.) Nein, alles prima! Wie noch zuletzt bezueglich Aethiopien gemacht, werde ich hier in Aegypten keinen Vergleich bezueglich einer Geliebten anstellen…weil meine Poesie anscheinend sowieso keiner verstanden hat, und: weil es hier auch vorerst gar nicht naheliegend scheint.

Jetzt gehen wir ein Kebab essen, und wenn es uns genug Kraft spendet, gehen wir morgen zu den grossen Pyramiden nach Gizeh…Inschallah!

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Addis-Kairo und die Reizueberflutung

Tja, was soll man sagen…? Gerade angekommen, also nur die Kurzfassung:

Sind in Addis um 2:30 in der Frueh zum Flughafen gefahren und dann ueber den Yemen nach Kairo geflogen, wo wir um ca 14:00 Uhr ankamen.

Am Flughafen war ein Mordsgriss um uns, also sind wir schnell in ein Hotel direkt in der geschaeftigen Innenstadt geduest. Ich hatte den letzten Tag in Addis sowie den Flug mit einer angefangenen Verkuehlung verbracht, die Selbstmedikation hat noch nicht so gewirkt. Also hab ich mich vom Flug und der Verkuehlung hundemuede hingelegt und ein paar Stunden durchgeschlafen, waehrend der Nane schon einen kleinen Erkundungsmarsch gemacht hat.

Bin erst vor einer Stunde sehr hungrig aufgewacht, also raus auf die Strasse! Anscheinend hab ich bei der Herfahrt vom Flughafen nicht so mitbekommen, was da rundherum los ist, denn: nach 8 Wochen in Aethiopien, wo das Konsumangebot sehr karg ist, haben mich die ersten 20 Sekunden am Gehsteig in Kairo und das Schokotoertchen, das ich mir an der ersten Ecke sofort kaufen und einverleiben musste, gleich komplett aus den Socken gehauen. Letzteres hat mir einen Jubelschrei entlockt, den die Aegypter nicht sooft zu hoeren bekommen. Hatte ich doch schon seit Wochen von Eisbechern halluziniert, die gibt es hier auch….Eine Reizueberflutung ist das, als ob man den Kaspar Hauser direkt ins Disneyland gebracht haette. Unglaublich, wie gross der Unterschied ist. Alles ist hellbeleuchtet, volle Schaufenster, ueberall feinste Koestlichkeiten in Huelle und Fuelle.

Wir werden hier also mal neben unseren anderen Vorhaben auf jeden Fall kulinarisch ein wenig aufhausen und geniessen, und das freut den Baeren, der mir innewohnt, ueberaus. Aber so leicht lassen wir uns auch nicht blenden, dass wir die Qualitaeten von Aethiopien so schnell vergessen wuerden…

Kurzum: wir sind gut gelandet und fuehlen und wohl.

ACHTUNG – Zerfall des Blogreiches

Liebe Freunde des gepflegten Reiseblogs:

Der Nane und ich, wir haben von unserer unglaublich kompetenten und genauso lieben Freundin Evze den Wunsch nach einer Teilung des im entstehen begriffenen Blogreiches erfuellt bekommen.

Auf Deutsch heisst das, dass der Nane, dessen bisherige Beitrage ja bisher in Kursiv geschrieben waren und auch weiterhin im Blog bleiben, jetzt seinen eigenen Blog hat. Damit wir uns nicht mit gleichen Geschichten in die Quere kommen und jeder fuer sich seine persoenliche Trademark als Schreiberling entwickeln kann.

“Am besten Weg punkt net” ist ab sofort nur noch mein Blog, der Nane schreibt auf www.reisekreise.net

Die Evze hat sich ja ganz schoen ins Zeug gelegt und dem Nane seiner Seite ein super Design verpasst, echt geil. Und der Nane haut sich auch seit Tagen voll rein um mich alt aussehen zu lassen. Neben seinen laessigen Geschichten  schafft er das auch noch mit Fotos, die er mit der ihm eigenen Geduld upgeloadet hat, waehrend ich mich wohl wo herumgetrieben habe.

Eine klare Empfehlung also fuer Nanes Blog schaun sie sich das an! Hoch leben die 2 Haelften des Blogreiches!

Aethiopien-eine kleine Bilanz

Eineinhalb Tage vor der Abreise ziehe ich eine kleine schriftliche Bilanz ueber unseren Aethiopienaufenthalt.

Aethiopien war und ist fuer mich mit Abstand das haerteste Reiseland bisher (das mag nichts heissen, vielleicht veraendert sich der Massstab im Lauf der naechsten Monate). Habe ich mir vor Antritt der Reise noch eingebildet, dass ich das Land auch ohne den Nane bereisen wuerde, so kann ich jetzt sagen, dass das sicher verdammt hart gewesen waere. In Aethiopien wird die Liebesfaehigkeit des Reisenden Tag fuer Tag aufs haerteste geprueft. Das heisst, es passiert alles nur erdenklich und auch unvorstellbar moegliche, was einem die Unverstaendnis, Wut und die Ungeduld etc. aus den finstersten Winkeln der eigenen Seele herauskitzelt, wo man sonst nicht so schnell hinkommt. Wenn man hier ohne einen guten Freund unterwegs ist, mit dem man die Dinge beleuchten, sich gegenseitig ein bisschen aufmuntern und auch einen gewissen Galgenhumor pflegen kann, mag man unter Umstaenden der Verzweiflung sehr nahe kommen.

Besonders schwierig sind der oeffentliche Verkehr mit allen bereits ausfuehrlich beschriebenen Tuecken…die schleissigen Hotels mit staendigen Strom- und Wasserausfaellen, kaputten Sanitaerteilen und nur verstaendnislos dreinschauenden Rezeptionisten, die einem auch bei allen Unannehmlichkeiten keinen mm entgegenkommen…Lokale, die immer gerade das nicht haben, was einem als einziger Bestandteil der einfachen Speisekarte anlachen wuerde…die Abwesenheit von so ziemlich allen Dingen, die einem das leibliche Wohl daheim versuessen…der staendige anwesende Fanclub von Leuten, die voll innerem Stress irgendwie nach einer Moeglichkeit geifern, einem ein paar Kroeten abzuschwatzen, und ihren Stress auf einen abladen…Floehe, Wanzen, Moskitos und anderes Ungeziefer…die Tatsache, dass ganz offen fuer ein und dieselbe Sache 2 Preise gelten und je nach Situation willkuerlich angenommen werden: der Preis fuer Einheimische und der fuer den Auslaender (bis 20 mal so hoch). Das kann heissen, dass man mit einem Aethiopier ein Cola trinken geht und dann nicht 2 Cola auf der Rechnung stehen, sondern ein Einheimischen- und ein Ferenjicola (dieses kostet 5 mal soviel, ist aber genau dasselbe). Die Leute kapieren teilweise ueberhaupt nicht, warum man als Reisender hier sauer werden kann….das macht einen dann bei fehlender Selbst- (oder Fremd-)kontrolle noch saurer. Aethiopien steckt in den touristischen Kinderschuhen und die Leute haben keine Ahnung, worauf es ankommt. Ich befuerchte, dass das auch auf alle anderen Wirtschaftszweige (Landwirtschaft ausgenommen) zutrifft, und ich stelle mir es als einen Alptraum vor, nur irgendeiner wirtschaftlichen Taetigkeit in diesem Land nachgehen zu muessen.

Ja, die Latifundien Haile Selassies liegen darnieder, auch wenn sie fast flaechendeckend landwirtschaftlich bearbeitet und von riesigen Rinderherden begrast werden…ueber die Armut laesst sich nicht hinwegsehen und am meisten leiden die Einheimischen darunter…ueberall gibt es Kranke, Behinderte, Obdachlose, Waisen. Kinder, die nur Lumpen am Leib und keine Schuhe haben, nicht zur Schule gehen und alleine in der Grosstadt und bei Kaelte auf einer finsteren Kreuzung uebernachten muessen.

Die Menschen ertragen hier unvorstellbar viel. Das faengt schon bei den kleinen Dingen an, die einen als Auslaender furchtbar nerven, die der Einheimische aber nicht zu bemerken scheint und so auch nicht die Notwendigkeit der Veraenderung. Ich hab mich schon in Suedamerika gefragt, ob das auch eine Ursache fuer die schlimmen Zustaende ist, dass die Menschen soviel ertragen koennen…?

Im Grossen und teilweise ganz verborgen im Kleinen merkt man, dass die Menschen aus ihrem umfassenden materiellen Mangel heraus nicht im Stande sind, sich selber und anderen etwas mehr menschliche Wuerde zu geben. Besonders die Frauen kommen in diesem Land uebergebuehr zum Handkuss. Ob auf Baustellen beim Steinklopfen und -schleppen, auf dem Felde, beim Holz- und Wassertragen,…ueberall wird die haerteste Arbeit von Frauen gemacht oder von Kindern. Die Maenner machen sich je nach Moeglichkeit ein schoeneres Leben, was aber am Land draussen auch nicht so einfach ist. Wird Mittelamerika immer als Region der Machos hingestellt, so moechte ich behaupten, dass hier in Aethiopien die Benachteiligung der Frau ein viel viel weiterreichends Ausmass hat. Der Schluessel fuer eine Zukunft in mehr Fuelle wuerde aus meiner Sicht auch in diesem Bereich liegen. Aber auch die Maenner leiden in der Armut. Nur ganz wenige Superreiche gibt es hier, wie ueberall, wo die Menschen arm sind. In den Staedten sieht man aber auch einen gewissen Mittelstand.

Aber so einfach liegen die Dinge sicher nicht, und ich moechte auch nichts beurteilen, was ich hier gesehen habe. Das waere auch anmassend, bestimmt zerbrechen sich kluegere Menschen ihre Koepfe darueber…hoffentlich.

Unsere persoenliche Bilanz ueber diese Reise sieht aber super positiv aus und an dieser Stelle bitte ich, die 2 Wutgeschichten von mir nicht zu ueberbewerten. Wer sich frei von Zorn glaubt, reise ein paar Wochen mit dem Bus durch Aethiopien…Uebrigens: wir haben 6000 km im Bus abgeradelt, insgesamt 170 (!) Stunden in den dreckigen Rostschuesseln abgesessen. 25 mal haben wir den Schlafplatz gewechselt. Ich hab 6 Kilo abgenommen. Anstrengend also.

Nur sowenig zur Statistik, jetzt das Essentielle.

Ich persoenlich habe noch kein Land mit solch freundlichen, offenen und netten Menschen kennengelernt. “Der Aethiopier” naehert sich mit viel Liebe und ohne Hintergedanken an den Fremden an, nimmt Anteil, ist hilfsbereit und interessiert.

Habe mir dieser Tage die Frage gestellt, was der globale Beitrag Aethiopiens zu einer besseren Welt sein koennte. Die Antwort lautet ganz klar: die Warmherzigkeit und offen gelebte Naehe von Mensch zu Mensch . Diese spuert man hier ueberall. Wenn man auf der Strasse geht, laechelt einen jeder an, man wird angesprochen und gegruesst, in den Augen der Menschen sieht man viel Liebe. Nicht nur Fremden gegenueber, auch untereinander sind die Leute ueber alle Alters- und Geschlechtsgrenzen hinweg nett zueinander, und das ohne Scheinheiligkeit. Unfreundlichkeit begegnet einem hier nicht. Das Raufen um einen Sitzplatz im Bus ausgenommen, aber auch das wird mit Humor genommen. Ja, es wird viel gelacht, die Leute haben keinen uebertriebenen Ernst. Nach nunmehr 7 Wochen in diesem Land haben wir uns an diesen, doch paradiesischen Zustand sicher ein wenig gewoehnt und wuerden erst bei einer Heimkehr nach Europa unsanft aus diesem Traum geweckt werden. Es sind wohl fuer alle Reisenden vor allem die kulturellen Besonderheiten und unglaublichen Lanschaften, die einen nach Aethiopien locken (so auch uns), diese haben wir auch gesehen und gemocht. Tatsaechlich findet man hier aber das kostbare Juwel der Menschlichkeit, das wir in unserem Herzen weitertragen und am Leben halten koennen, waehrend die Namen und Bilder der touristischen Orte doch langsam verblassen werden.

Ja, ich habe die Menschen hier echt lieben gelernt. Und: ich traue mich zu sagen, dass mich die 8 Wochen hier auch zu einem freundlicheren und offeneren Menschen gemacht haben. Man tut sich hier denkbar leicht, anderen Menschen im gebenden Prinzip gegenueber zu treten, ohne dass es einen auslaugt. Es ist die Erfahrung eines schoenes Gebens und Empfangens, von dem man sich gerne anstecken laesst. Ein schoenes Beispiel fuer diese Lebensart haben uns neben den Aethiopiern auch die irischen Priester, John und Paddy, gegeben, die wir zu den nettesten und doch authentischen Menschen zaehlen duerfen, die uns je begegnet waren.

Ernste Probleme hatten wir in Aethiopien nicht. Man ist hier sehr sicher, selbst wenn man in der Grossstadt zu Mitternacht bei Stromausfall herumirrt. Kriminalitaet ist hier nicht einmal zu erahnen, man hoert auch nichts darueber, und dass bei fast vollkommener Abwesenheit der Polizei. Kein Vergleich mit den Polizeistaaten Lateinamerikas.

Die Liebe fuer Aethiopien verbindet uns mit diesem Land. Wir wurden hier reich beschenkt und unwahrscheinlich gut behandelt. Moege dieses Land und seine unglaublichen Menschen mit einer guten Zukunft gesegnet sein. Wir loesen uns dennoch ohne Wehmut, sondern nur voller Dankbarkeit, von hier und freuen uns wie die Schneekoenige (passt zwar in dem Fall nicht so, da es die dort wohl etwas zu heiss haben wuerden) auf das Land der Pharaonen und auf das, was sich dort fuer uns entfalten wird. Hier in Aethiopien ist alles gut abgerundet und erledigt, wir fahren hoechst bereichert und freudig weiter.

Mein Resumee: Aethiopien ist wie eine aufregende Geliebte, die einen sicher nie langweilig wird: von aeusserer und innerer Schoenheit, meist wohltuend liebevoll, zwischendurch aber wieder unheimlich zickig, widerspenstig und eine Herausforderung, die einen wachsen laesst…

…geheiratet wird aber nicht, also fahren wir weiter 😉

Timkat in Addis

Die Fahrt von Bahir Dar nach Addis war genial. Im halbvollen Minibus sind wir bequem von Tuer zu Tuer gereist. Wieder durch unglaubliche Landschaften gefahren, netten Menschen bei den Zwischenstopps begegnet. Ich habe die Fahrt sehr bewusst erlebt, noch ein letztes Mal das Land und seine Bewohner in tiefen Zuegen aufgenommen und dabei viel Liebe verspuert. Die Fahrt schien wie eine Belohnung fuer die durchstandenen Strapazen der letzen Wochen.

In Addis sind wir gestern zum groessten und wichtigsten Fest der orthodoxen Christen gegangen. Dem Timkat-der Taufe Christi, die hier von den Leuten jaehrlich am 19. Jaenner zur Bestaerkung ihres Glaubens gefeiert wird.

Also sind wir zusammen mit unserer Freundin Marta und ihrer Schwester – die uebrigens in 1,5 Jahren zum Studieren nach Wien kommen wird- zum grossen Festplatz (Jan Meda) gegangen, wo schon 100000e dort waren. Das Fest hatte schon am Vortag begonnen und es ist die ganze Nacht ueber gesungen und gebetet worden. Wir haben den Festplatz als ueberaus belebten Ort vorgefunden. Ueberall wurde lauthals gesungen, geklatscht und getanzt. Gerade noch haben wir den Vorbeimarsch der hohen Geistlichkeit und deren Gesinde gesehen, inmitten die Kopien der Bundeslade, die zu diesem Festtag aus allen Kirchen zusammengetragen werden.

Inmitten des Platzes ist ein riesiges Taufbecken, das aber ganz eingezaeunt ist, weil es die vielen Leute niemals aufnehmen koennte. Das Taufritual laeuft also anders, naemlich wie folgt ab: ueberall stehen am Zaun Prister, die aus vollen Schlaeuchen das geweihte Wasser vom Pool ueber die Menschenmenge verspruehen. Die Leute draengen sich voll an den Zaun, jeder will ordentlich gebadet werden. So auch wir. Ich bin dem Pfarrer sowieso gleich aufgefallen, weil gross und weiss, und der hat mir eine ordentliche Ladung abgegeben, dass ich nur so getrieft habe. Ein Mordsspass, auch fuer alle anderen triefenden Typen, und fuer den Pfarrer war das Spektakel natuerlich auch eine erfrischende Abwechslung, das sah man ihm an…

Dannach haben wir uns die eher folkloristischen und weltlichen Vergnuegungen am Festplatz angeschaut. Ueberall versammeln sich in kleinen Kreisen junge Maenner zum Singen und Tanzen, gesungen werden lustige Verse, die wir nicht verstehen, begleitet von wildem Mundharmonikagedudel. Darum stehen viele Leute im Kreise und schauen sich das Spektakel mit viel Spass an. Ueberall buntes , lautes und aufgedrehtes Treiben. Wir haben uns doch eingebildet, dass wir das als Ferenji unbemerkt anschauen koennen. Doch kaum einem Kreise angenaehert und die Kamera gezueckt, wird man schon in den Kreis gerissen und zum Tanze aufgefordert. Anders als der normale Ferenji haben wir uns nicht geziert und -gar nicht verlegen oder verhalten- den Spass mit viel Freude mitgemacht. Kaum traten wir in den Kreis, sind von ueberall die Leute her um uns beim Tanzen zu sehen. Die Typen im Kreis mussten ihre Zuckerrohrstangen, die normal beim Tanze wild geschwungen werden, dazu verwenden, um den herandraengenden Mob ein wenig fernzuhalten. Ein paar Minuten ausgelassenen Tanzes, Lachen und Verbruederung mit den einheimischen Taenzern…ein Riesenspass fuer uns und alle anderen.

Frisch getauft und sehr belebt sind wir davongezogen um uns in der Stadt ein feines Fresschen zu genehmigen. Zufrieden, und voller Zuversicht, dass das geweihte Wasser mithelfen wuerde, die Saat fuer unser zukuenftiges Leben aufgehen zu lassen. Passend zur Taufe bekamen wir am Abend unsere ersten Regentropfen in Aethiopien, die ganze Nacht hat es in Stroemen geregnet. Schoen fuer uns und ein kleines Wunder in dieser Jahreszeit. Unser Regentanz hat wohl gewirkt… 😉

Simien-Mountain-National-Park und der Ibex

Da wir des fruehen nachmittags schon in Debark, dem Ausgangspunkt fuer unser Trekking, angekommen waren, konnten wir am selben Tag die Vorbereitungen fuer unseren 5taegigen Trip in die Simien-Mountains beginnen und sogar abschliessen (fuer Atehiopien grenzt das fast an ein Wunder).

Die Offiziellen im National-Park-Office waren sehr kompetent und wir konnten auch ein Paerchen fuer unsere “Expedition” gewinnen, um die Kosten in Grenzen zu halten. Dies waren eine Deutsche mit Namen Nina, die bevor sie eine dreimonatige Stelle als Hautaerztin in Addis Ababa annehmen wird, mal im Land herumreist bzw. Ronald, ein Hollaender, der in Aethiopien und Nigeria aufgewachsen ist und derzeit fuer NGOs Lagerplaetze in Dubai verwaltet und aufbaut. Also eine durchaus interessante und gutdurchmischte Gruppe. Diese Gruppe wuchs noch um die Begleitpersonen und Lastentiere an. Die da waeren: Mitiku, unser Guide; Fanta, unser mit Kalaschnikow bewaffneter Scout; eine Koechin fuers leibliche Wohl; drei Mulis fuer die Verpflegung und das Gepaeck; zwei Muli-Treiber fuer die stoerischen Tiere. Wenn die gesamte Belegschaft dann den Berg raufzieht, schaut das fast so aus, wie wenn der beruehmte englische Entdecker Burton im 19. Jahrhundert zu seiner Expedition zum Nilursprung aufgebrochen waere.

Da es in den Bergen nicht wirklich grosse Versorgungsposten gibt, ausser Wasserquellen fuer unser Frischwasser, mussten wir uns mit Hilfe unserer angemieteten Koechin am lokalen Markt und den Geschaeften nach Verpflegung umsehen. Dies natuerlich zu ueberhoehten Ferenji-Preisen, aber so ist das nun mal, wenn man hell wie ein Weissbrot ist.

Der Aufbruch am naechsten Tag mit ein wenig Verspaetung und dem letzten Einkauf von Brot, verlief nach anfaenglichen Verstaendigungsproblemen mit unserem Guide Mitiku recht reibungslos. Jetzt heisst es mal marschieren und auch konnten die, durch ganz Aethiopien mitgeschleppten, Bergschuhe endlich eingesetzt werden. Die erste Etappe fuehrte uns nach einer 5stuendigen Wanderung zu unserem ersten Nachtquartier in der Naehe des hoechsten Hotels Afrikas (Simien-Lodge) auf etwa 3.200m ueber Meer. Das Wandern ist recht angenehm, da nur leichtes Gepaeck am Ruecken und man schnell in einem angenehmen Gehrythmus verfaellt, der einem viel Zeit laesst das Auge ueber die grandiose Landschaft schweifen zu lassen. Das Gebiet, welches wir bewandern, ist so zwischen 3.000 und 4.000m hoch, wobei die abgeflachten Berge staendig durch tiefeingeschnittene Taeler zertrennt werden. Dies macht ein stetiges bergauf und -ab von Noeten, welche ueber verschlungene Trampelpfade abseits der befahrbaren Hauptstrasse bewaeltigt wurde.

Die Berghaenge sind hier nur sehr karg bewachsen, vereinzelt stehen Wacholderbaueme, Straeucher mit kleinen gelblichen Fruechten, die als Seifenersatz verwendet werden, die endemische Abessinische Buschrose und dornenbewehrte Gewaechse, die den Abfrass der Ziegen- und Schafherden widerstehen. Entlang der kleinen Baeche und, in von niedrigen Steinmaueren abgegrenzten Arealen, wachsen von menschlicher Hand angepflanzte Eukalyptus-Haine. Vor 10 Jahren sollen die Berghaenge noch sehr stark mit einheimischen Gehoelzen bewachsen gewesen sein, sind aber grossflaechig der Brennholznutzung zum Opfer gefallen und wurden nicht wieder aufgeforstet. Diese Abholzung der Waldbestaende scheint hier in Aethiopien sowieso ein grosses Problem zu sein, welches dann natuerlich zu starker Erosion des Bodens und Verlust von Ackerland fuehrt. Die Aufforstung mit Eukalyptus bringt zwar eine schnellwachsende Pflanze, die als Feuerholz genutzt werden kann, diese zieht aber auch sehr viel Wasser aus den Boden, was zu weiterer Austrockung fuehrt. Auch sieht man unterwegs in den Bergen staendig tiefe Erosionsrinnen, die riesige Flaechen des fruchtbaren Landes vernichten. So wie erzaehlt wird, werden nun auch viele Mittel der Entwicklungshilfe in solche Projekte gegeben, um der Erosion einhaltzugebieten und den Wasserrueckhalt zu forcieren.

Da die Wanderung des ersten Tags relativ kurz war, begeben wir uns nach Aufstellung des Zeltes und der Einnahme von Tee zu den Aufenthaltsorten der Gelada-Pavian-Sippen. Von unserem Lagerplatz aus sieht man sie schon in grossen Gruppen am Berghang herumziehen und man erkennt in der Ferne die maennlichen Leittiere an ihrer langen wollenen Maehnen. Bis auf die Distanz einer ausgestreckten Hand koennen wir uns den Geladas naehern. Seltsamerweise aber nicht unsere einheimischen Fuehrer, vor denen rennen die Paviane sofort davon. Wahrscheinlich weil die Paviane frueher gejagt wurden und sowieso fuer alles verantwortlich gemacht wurden, was passierte. So sollen die Geladas Menschenbabys geraubt haben, Erwachsene aus Haeusern enfuehrt und von Klippen gestossen haben sowie Frauen vergewaltigt haben (nur ein kleiner Auszug ihrer Missetaten). Gar nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass diese posierlichen Tiere gerade mal einen Meter gross werden. Wir, also mitten in der Affenbande sitzend, koennen den friedfertigen Tieren aber unbeschadet beim Graswurzeln ausgraben und beim schmatzenden Verzehren der selbigen zuschauen. Gegraben wird mit der blossen Affenhand und die Wurzeln werden entweder mit den Grasbuescheln ausgerissen oder es werden die noch im Erdboden verbleibenden Wurzeln mit dem Gebiss herausgezogen und feinsaeuberlich in der anderen Hand gehortet, um dann bueschelweise verspeist zu werden. Die ganze Affengruppe zieht auch staendig durch ein groesseres Gebiet mit den Affenbabys am Ruecken festgeklammert und den Halbstarken, die auf jeden Baum und Felsvorsprung raufkraxeln und tollkuehn mit Salti wieder runterspringen.

Ab und zu trifft uns ein schneller Blick eines Aeffchens, ob noch alles in Ordnung ist und ein Leitpavian streckt uns sein Hinterteil mit vier (!) Arschbacken entgegen. Meiner Meinung nach deswegen doppelt soviel wie bei den Menschlein, da die Geladas eine vorwiegend sitzende Taetigkeit beim Wurzelauszupfen ausfuehren und so ein gutes Sitzfleisch benoetigen. Sollte ich mir auch fuer die langen Busfahrten zulegen. Oder habe ich diesen vierteiligen Hintern schon? Werde wohl mal nachsehen muessen.

Die Abendessen bestanden dann meist aus einer staerkenden und vor allem waermenden Suppe (auf dem hoechsten Camp bei 3.600m ist das Thermometer schon unter 0 Grad gefallen), viel Nudeln mit Tomatensugo, Schokokeksen und heissem Tee. Meist eine Wohltat nach den spaeter laenger werdenden Tagesetappen. Die naechste Beschaeftigung nach dem Essen war es bei der vergehenden Helligkeit noch schnell Wasser bei den Camps befindlichen Quellen zu holen. Am Anfang filterten wir das Wasser noch durch unseren Keramikfilter, doch dies wurde nach eingaengiger Pruefung der Quellumgebungen schliesslich abgeschafft.

Der zweite Tag begann knapp vor Sonnenaufgang mit anschliessenden Fruehstueck und dem Abwarten der ersten Sonnenstrahlen zum Schlafsack- und Zelttrocknen. Dann packen, verladen des Gepaecks auf unsere Mulis durch die Mulitreiber und Aufbruch zur naechsten Wanderroute mit Mitiku unserem Guide und Fanta unserem Scout.

Diese zweite Etappe war die anstrengenste. So ist auch Nina, die Aerztin, am Anfang dieser Etappe nach zwei steilen Anstiegen am Ende ihrer Kraefte und es wird fuer sie, damit alle das Trekking fortsetzen und beenden koennen, ein Pferd mit Pferdefuehrer angemietet. So wuchs unsere Begleitmannschaft auf 6 Menschen und 4 Tiere an. Nicht schlecht fuer vier Leute, die mal wandern gehen wollen.

Auf den Trampelpfaden treffen wir staendig mit Handelswaren bestueckte Menschen und Tiere, die ihre auf dem Hochland der Tafelberge angebauten Waren in Debark veraeussern wollen und uns immer sehr herzlich begruessen. Haben wahrscheinlich auch Respekt vor Fanta, der die ersten Tage, die Kalaschnikow ueber die Schultern gelegt, hinter uns wachehielt und alle Unbill von uns fernhielt. Geschossen hat er nie, wozu auch, keine Gefahr in den Bergen. Zutrauen koennte man es ihm aber schon, soll im Buergerkrieg gegen das Mengistu-Regime gekaempft haben und in diesem Krieg war man sicher nicht zimperlich mit dem Gebrauch der Waffe. Was Fanta aber Beine machte und ihn in einem irrem Gehtempo an die Spitze unsere Gruppe setzte, war das “local beer”. Ein aus Getreide gebrauter schmutzig-milchiger Saft, der bei Fanta, der kein Fanta trinkt, wie Kerosin bei einem Duesenflieger wirkte. Er zischte ab und nur Joerg konnte mit seinen grossen Schritten gerade noch mithalten. Auch war er, so wie alle anderen Begleiter sehr schlecht ausgestattet. Kein Schlafsack, kein Zelt, keine gute Kleidung und vor allem kein eigenes Essen. Gegessen wurde das, was bei uns uebergeblieben ist oder zuviel eingekauft wurde. Habe Fanta zusehen muessen, wie er unsere Reisreste gierig im Dunkeln runterschlang. Ist sehr schlecht von der Parkverwaltung, diese Leute so loszuschicken. Sollten eine Gewerkschaft gruenden und mal so richtig auf den Tisch klopfen!

Erschoepft kommen wir dann in Camp Nr.2, namens Gich, nach 9 Stunden Wanderung an und sind auch im somit hoechsten Camp, auf 3.600m.

Am dritten Tag geht es auf zu den beiden Gipfeln unsere Tour, wobei einer knapp unter, einer knapp ueber 4.000m liegt. Alle einfach ohne Kletterei zu erreichen, so dass wir lange und ausgiebig die Berglandschaft betrachten koennen. Tiefabfallende Steilhaenge, alleinstehende 100te Meter hohe Felsformationen, abgeflachte Hochterassen in der Ferne, vom Wasser der Regenzeit ausgefressende Taeler und ueber uns kreisende Adler und Erzraben (laut Magistra Judith Schmidt).

Ueberhaupt bekommen wir einiges der Hochland-Tierwelt zu bewundern. Neben den oben erwaehnten Gelada-Baboons kommen uns noch einige der dort nun geschuetzten Tierarten vor die Augen. So sahen wir zierliche Clipspringer, die die steilen Abhaenge grazil hinuntersprangen; den Buschbock, den der Leopard an einem uns gegenueberliegenden Hang jagen wollte (der Leopard ist noch nicht wirklich identifiziert, vielleicht wars nur eine Hyaene?); riesiger Laemmergeier, die nach Aas ausschauhielten und natuerlich der Abessinische Steinbock, hier als Ibex bekannt.

Diesen Ibex sahen wir nahe des Chennek-Camps in einem von Flechten behangenen, fast verwunschen aussehenden, Nadelwald. Mitten in einer Herde von Geladas marschierte der stolze Ibex mit nach hinten gewschwungenen Hoernern durch den Wald. Hintendrein einen ganze Schar von weiblichen Ibex und noch ein paar jugendliche Steinboecke. Auch ueberhaupt nicht scheu, konnten wir uns ihnen auf bis zu 5 Meter naehern und sie fast am Bart zupfen. Bis sie dann bei untergehender Sonne weiter bergauf zogen und unseren Blicken entschwanden.

Die letzten beiden Tage waren den Rueckweg gewidmet und fuehrten uns wieder ueber das Lager Sankabar, wo wir die vierte Nacht verbrachten, nach Debark unseren Ausgangspunkt. Wieder ueber teilweise sehr staubige Trampelpfade, so dass unsere Beine nach der 5taegigen Wanderung wie verkohlte Baumstuempfe aussahen.

Es war ein teilweise anstrengender, aber sehr lohnender Ausflug ins Hochland, der uns endlich weg aus den Staedten brachte und uns eine andere Seite Aethiopiens zeigte, die auch sehr liebenswert ist.

Bahir Dar und Tanasee

In Bahir Dar sind wir nach einer 4stuendigen, eigentlich komfortablen Minibusfahrt angekommen, die uns dennoch anstrengend war, weil wir das Busfahren schon satt haben und in Gondar doch zuwenig Zeit zum Erholen gewesen war.

Bahir Dar ist eine im Zentrum recht moderne Stadt, direkt am Suedufer des 3500 km2 grossen Tanasees gelegen. Es gibt hier eine Uferpromenade mit stattlichen Palmendas ist soweit recht nett. Und die Leute scheinen etwas wohlhabender zu sein, also wird man nicht staendig angebettelt. Unser Hotelm ist direkt am See und recht ruhig mit einem netten Garten und einer schoenen Terrasse. Nachdem wir ungefaehr 5 mal unser Zimmer wechseln mussten, hatten wir auch endlich eines gefunden, in dem das Wasser tatsaechlich fliesst, und so konnten wir uns in Ruhe entspannen.

In Bahir Dar verbringen wir jetzt 6 Tage, bevor wir dann zum Timkat-Fest nach Addis fahren. Hauptziel hier ist die Entspannung, die wir dringend benoetigen, damit wir dann am 22. Jaenner ausgeruht nach Kairo fliegen koennen, wo es gleich wieder ziemlich dahingehen wird.

Bahior Dar hat Gott sei Dank nicht zuviel an Sehenswuerdigkeiten. Beruehmt sind die Inseln im Tanasee mit den darauf befindlichen alten, und bunt bemalten Kloestern. Diese haben wir uns gestern in der Minimalvariante, dem Halbtagesausflug, angesehen. Fuer den Laien sehen die Kloester ja alle gleich aus, und so war ich zufrieden, dass wir nur 3 gesehen haben. Die Moenche, die einem die Kloestertueren aufsperren, sind auch recht stressig und lassen einen die Gotteshaeuser nicht wirklich in Ruhe ansehen. Am Heimweg waren wir noch beim Beginn des Blauen Nils, der vom Tanasee gleich bei Bahir Dar weg Richtung Mittelmeer fliesst.

Damit haetten wir das Pflichtprogramm zum Grossteil erfuellt, und ich bin recht froh darueber, dass wir jetzt unsere heilige Ruhe haben. Heute hab ich fast nur gepennt und gegessen. Zum Glueck sind wir ueber ein Lokal gestolpert, wo man einen sogenannten “gemischten Salat” bekommt, der seltsamer- aber angenemerweise aus den von mir vielgeliebten Bratkartoffeln und einem warmen Krautsalat besteht. Dinge, die wir im ganzen Land bisher nicht gesehen hatten und die mich jetzt wieder aufpaeppeln werden.

In Bahir Dar ist es ansonsten echt recht ertraeglich und gemuetlich…Wir treffen hier alle moeglichen Typen. Den Altbuergermeister haben wir schon kennengelernt. Ein sehr cleverer Typ, der das gleiche Stammkaffe hat wie wir und viel zu erzaehlen weiss. Ausserdem haben wir David wiedergetroffen, ein aethiopischer Gastarbeiter im Audiwerk Ingolstadt, der wie jedes Jahr den Winter hier verbringt und den wir beim Herfliegen von Kairo kennengelernt haben. Auch ander Leute, die wir irgendwo vorher im Land kennengelernt haben, sind uns hier schon ueber den Weg gerannt.

Am Samstag werden wir uns noch die Nilwasserfaelle ansehen, die sind nur am Wochenende “aktiv”, wenn das darueberliegende Kraftwerk heruntergefahren wird. Bis dahin werde ich mir vor allem viel Schlaf, Essen und zwischendurch mal den guten Kaffe genehmigen, den sie hier ausschenken. Dann hoffe ich, dass meine Unternehmungslust wieder ein entsprechendes Niveau erreicht haben wird…Und fuer den Tag dannach bitte ich, dass mein Sitzfleisch einbe allerletzte aethiopische Busfahrt durchhaelt… noch einmal 10 Stunden bis Addis, Inschallah!

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Die Kaiserstadt Gondar

Die alte Kaiserstadt Gondar ist ein fixer Halt auf der sogenannten “historischen Route” im Norden Aethiopiens. In der ca. 150000 Einwohner zaehlenden Stadt gibt es einen alten ummauerten Burgbezirk, in dem vor ca. 200 Jahren (glaube ich, Nane wird mich berichtigen) die aethiopischen Kaiser Hof gehalten haben.

Wir sind am Abend des aethiopischen Weihnachtstages in die Stadt gekommen, nachdem wir um 5 Uhr Frueh aufgestanden, durch den halben Nationalpark gehetzt und dann noch mit dem Bus 4 Stunden herumgetuckert sind. Wir waren nicht nur vollkommen verdreckt, sondern auch fix und foxi. Dementsprechend hat uns das staedtische Geschehen erst ueberfordert. Die Ankunft in einer aethiopischen Stadt ist immer voll stressig. Dannach, wenn erst einmal der Rucksack in einem Quartier liegt, ist es dann eh meistens voll entspannt. Aber bei der Ankunft wird man von zig Leuten angequatscht, die schon mit allen Tricks auf einen warten, waehrend man selber ueberhaupt noch keine Orientierung hat. Das stresst, und Gondar war besonders stressig.

Wir haben ein Quartier gefunden, wo wir 2 winzige Einzelzellen bezogen haben. Dann gingen wir in die Stadt, wo ueberall ein Mordstrubel wegen Weihnachten war. Von einer Stillen Nacht kann man hier nicht reden. Die Leute waren alle aufgeputzt und sind ordentlich Essen und Trinken gegangen. Wir haben uns nur einen Burger und 2 St.George-Bierchen vergoennt und sind dann hundemuede schlafen gegangen.

Die naechsten 3 Tage verbrachten wir in Gondar, vor allem zum Relaxen. Quasi nebenbei haben wir die Burg angesehen. Das hat uns ja nicht dermassen vom Hocker gerissen, auch wenn es ganz nett anzusehen ist. Die Burg wirkt fuer unsere europaeischen Verhaeltnisse recht mittelalterlich, fuer da ist es aber ein echt grossartiger Bau, der auf die gute alte Zeit hinweist. Ausserdem haben wir uns das kaiserliche Bad am Stadtrand angeschaut, ein riesiges Gelaende mit einem uralten SwimmingPool, indem auch wie eine Insel ein kleiner Palast steht. Der Pool wird bis heute fuer ein religioeses Fest genutzt. Am 19. Jaenner wird dort Timkat, die Taufe Christi, zelebriert. Tausende Glaeubige aus dem ganzen Land kommen dann zum gefuellten Pool, dessen Wasser wird von einem Priester geweiht, und dannach hupfen alle rein und plantschen wild und lustig herum , um ihre Glaubenszugehoerigkeit neu zu bestaerken. Soll ein beeindruckendes und buntes Fest sein. Wir wollten eigentlich diesem Geschehen auch beiwohnen, jedoch ist die Stadt zu dieser Zeit seit Monaten hoffnungslos ausgebucht. Also stressen wir uns nicht damit und werden zu dieser Zeit schon in Addis sein. Ausserdem haben wir uns in Gondar eine Kirche angeschaut, die schoen auf einem Huegel gelegen ist und im ganzen Land einzigartige Wand-und Deckenmalereien aufweist. Sehr beeindruckend und schoen, wenn auch eher ein Museum als ein Ort der Einkehr und Glaubensausuebung. Uns hat wie sooft die friedliche Atmosphaere im weiten und menschenleeren Kirchenhof getaugt, wo wir eine Weile entspannt und die Fuelle der Vogelwelt bestaunt haben. Von kleinen, bunt schillernden Voegelchen, ueber Raben und Adler bis zum riesigen Laemmergeier war da alles vertreten. Der Boden war voll mit allen moeglichen Federn (Hermano, das haette dir ziemlich getaugt!), und wir haben uns die besten Stuecke eingesammelt.

Fuer uns zwei war die Hauptattraktion von Gondar aber ein altes italienisches Kaffe aus den 50ern mit originaler Einrichtung und 6 Meter hohen verspiegelten Raeumen, einem genialen Macchiato und alten, gmiatlichen Typen, wie man sie nur von Fotos aus Kuba kannte. Zwischen denen haben wir ca. 4 Mal taeglich unseren Kaffee geschluerft und Leute beobachtet. Wie ueberall in Aethiopien waren bei allen beworbenen Touristenattraktionen auch in Gondar die Menschen das Interessanteste, alle freundlich, die Typen und Kinder interessiert und aufgeschlossen, und die Frauen in ihrer natuerlichen Anmut und aussergewoehnlichen Schoenheit einfach ein hoechst belebender optischer Balsam fuer den geschundenen Traveller…Sei gepriesen, holde Weiblichkeit, was waere das irdische Leben ohne Dich…? Wahrscheinlich wie eine nicht enden wollende, staubige Busfahrt durch Aethiopien mit herumzankenden Typen in der Vorder- Hinter und Nebenbank… 😉

Apropos…Nach 4 entspannenden Tagen in Gondar beschlossen wir, dass wir reif fuer unsere vorletzte Busfahrt in diesem Land waren, und machten uns via Minibus auf den Weg nach Bahir Dar, der angeblich so schoenen Stadt am Tanasee…

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