Archiv für den Monat: Dezember 2009

TIKAL – otra vez

Von Palenque in Mexiko sind wir frühmorgens aufgebrochen um eine Abkürzungsroute entlang des wasserreichsten Flusses Mittelamerikas, dem Rio Usumacinta, zu nehmen, die direkt in das guatemaltekische Tiefland führt. Eine anstrengende Tagesreise mit einigen Busstunden, einer Bootsfahrt und immer wieder Warterei…

am Boot

am Boot...

wo wir auch Angela getroffen haben, die eigentlich Kung Chi heisst und aus China kommt, sie hat sich für die nächsten Tage in unser Fahrwasser begeben und war auch mit in Tikal

wo wir auch Angela getroffen haben, die eigentlich Kung Chi heisst und aus China kommt. Sie hat sich für die nächsten Tage in unser Fahrwasser begeben und war auch mit in Tikal

Auf der mexikanischen Seite fährt man durch das Gebiet der Lakandonen, einem Indianerstamm, der ganz ursprünglich im Urwald lebt und für sich beansprucht, den alten Maya am nächsten zu stehen. In diesem bewaldeten Gebiet gibt es auch die letzten autonomen Ortschaften der Zapatisten, wo sich auch ihre Anführer versteckt halten sollen. Der Usumacinta ist die Grenze zwischen Mexiko und Guatemala. Der Weg jenseits des Flusses führte uns ca. 200 Kilometer über eine Schotterpiste, die durch ehemaligen Dschungel führt. Man kann die afrikanisch anmutende Graslandschaft direkt lieblich finden, wenn man nicht weiß, dass hier vor 10 Jahren noch zigtausend Quadratkilometer Dschungel standen und die Äffchen sich von einem Baumriesen zum nächsten schwangen, um nicht vom Jaguar in den Hintern gebissen zu werden. Heute stehen hier nur ein paar Buckelrinder auf dem ausgewaschenen Boden und fressen sich fad durch ihr Leben, das irgendwann in einem nordamerikanischen Fettbauch enden wird. Nur ganz vereinzelt deuten noch ein paar stehen gelassene Ceibas auf den ehemaligen Regenwald hin. Die Ceiba ist der heilige Baum der alten Maya – der Lebensbaum, der mit kräftigen Wurzeln in den Unterwelten verankert ist und dessen Krone sich prächtig über den Himmel erstreckt.

eine Ceiba als einsamer Zeuge einer üppigen Vergangenheit

eine Ceiba als einsamer Zeuge einer üppigen Vergangenheit

Am Abend kamen wir planmäßig in El Remate am Lago Peten Itza an, der sowohl den Namen des hiesigen Volksstammes (Itza) und der weiten Tieflandregion, dem Peten, trägt. El Remate ist ein kleines Nest, das wohl keinen Menschen interessieren würde, wäre nicht ca. 40 Kilometer weiter im Urwald ein Platz, der das Herz des Mayafreundes höher schlagen lässt wie kein anderer Ort auf dieser Welt – das magische TIKAL. Nach Guatemala zu reisen, ohne dieser großartigsten aller Mayastätten mit einem Besuch die Ehre zu erweisen und sich damit selber zu beschenken, kam für mich auch dieses Mal nicht in Frage. Also sind wir früh ins Bett gegangen und am nächsten Tag um 5:30 nach Tikal gefahren. Die frühen Morgenstunden sind besonders schön. Der ganze Dschungel liegt noch im Nebel, die Tiere sind aber bereits hochaktiv und geben entsprechend laut. Alleine 250 Vogelarten gibt es hier…Man fühlt sich jedes Mal wieder wie ein alter Forscher, wenn man die ca. 30 Minuten vom Parkplatz durch den Dschungel wandert um dann schließlich der gewaltigen, im Nebel liegenden Pyramiden auf der Plaza Mayor angesichtig zu werden. Spätestens dort zwischen dem großen Jaguartempel und seinem mächtigen Gegenüber steht einem der Mund vor Ehrfurcht offen. Auch beim mittlerweile siebenten Mal war das für mich so…Kein anderer Platz der Maya strahlt eine so große Macht aus wie Tikal.

Gran Jaguar

Gran Jaguar...

und Ixmucane - umgeben von der Santa Neblina

und Ixmucane - umgeben von der Santa Neblina

Während Gerhard mal sitzen blieb um die Atmosphäre der noch menschenleeren Plaza in sich aufzunehmen, bin ich gleich mal in die Unterwelten abgetaucht, um der in einem finsteren Tunnel versteckten Maske des „Regengottes“ Chak einen privaten Besuch abzustatten.

Gran Chak, in Gesellschaft von zig Fledermäusen

Gran Chak, in Gesellschaft von zig Fledermäusen

und anderem lichtscheuen Getier

und anderem lichtscheuen Getier

Wieder aufgetaucht sind wir auf eine gemeinsame Wanderung durch den Dschungel gegangen, um dann später getrennte Wege zu gehen.

Mutter Natur und ihre Wunder

Mutter Natur und ihre Wunder

Tikal ist so riesig und hat dermaßen viele großartige und auch kleine, versteckte Plätze, dass es am schönsten ist, sich hier alleine aus der eigenen Eingebung von Ort zu Ort führen, um immer wieder Neues zu entdecken. So kann man wohl hundert Mal nach Tikal gehen, und es wird jedes Mal anders sein…

Gerhard staunt

Gerhard staunt

Templo 3 - Uxbalam

Templo 3 - Uxbalam

Herrlich

Gran Jaguar-Herrlich!

meine obligatorische Siesta auf Tempel 4

meine obligatorische Siesta auf Tempel 4

Nasenbären

Nasenbären

Falco

Falco

wilder Truthahn ohne vorweihnachtliche Angst

wilder Truthahn - ohne vorweihnachtliche Angst

Am Nachmittag sind wir wieder auf der Plaza zusammengekommen um gemeinsam den Rückweg anzutreten – zufrieden, bewegt und auch angenehm müde.

der Geist Buddhas wurde heute sichtbar in Tikal

sogar der Geist Buddhas wurde heute sichtbar in Tikal

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2000 Höhenmeter Talfahrt nach Palenque

Gestern frühmorgens haben wir das Hochland mit seinen klaren Tagen und kalten Nächten verlassen und sind durch eine beeindruckende Landschaft und verschiedene Vegetationszonen in immer tiefer liegende und mit dichterem Dschungel bewachsene Ebenen abgetaucht. Ziel war das ca. fünf Stunden entfernte Palenque, das für seine Maya-Ausgrabungen bekannt ist.

Am Weg dahin sind wir bei den beeindruckenden, türkisgrünen Kaskaden von Agua Azul auf ein kühlendes Bad und zur Besichtigung des Wasserfalles von Misol Ha zugekehrt. Beide Plätze liegen im saftigen Dschungel, besonders das Baden in den natürlichen Pools des Flusses und der wunderschönen Kulisse hat es voll gebracht.

Agua Azul

Agua Azul

auch

auch

von oben

von oben

der Ritter der Kokosnuss vor dem einladenden Naturbad

der Ritter der Kokosnuss vor dem einladenden Naturbad

Misol Ha von vorne

Misol Ha von vorne...

...und von dahinter

...und von dahinter aus gesehen

Am Nachmittag kamen wir in Palenque an, das ich von meiner letzten Mexikoreise schon kenne… Quartier suchen, einchecken und den Rest des Tages irgendwie veruchen, sich an die drückende Schwüle (35°C und 100% Luftfeuchte) zu gewöhnen, die einen körperlich total fertigmacht, wenn man vor ein paar Stunden noch im kühlen Hochland war. Früh ins Bett und sich auf den nächsten Besichtigungstag freuen…

Wie bei allen Ausgrabungsstätten Mittelamerikas gilt auch in Palenque: der frühe Vogel fängt den Wurm. In den Morgenstunden sind nicht nur die Temperaturen erträglicher, sondern vor allem die Orte noch menschenleer, weil die Touristengruppen meist erst im Laufe des Vormittages eintrudeln. So sind wir heute in der Früh als erste in Palenque einmarschiert, der Ort hat uns besonders friedlich empfangen. Kaum andere Leute, mystische und stille Atmosphäre, in der Ferne das Brüllen der Brüllaffen…wir konnten in aller Ruhe den Ort besichtigen und genießen. Wie alle Mayastätten hat Palenque seinen ganz eigenen Charakter, der sich in der Architektur und Kunst ausdrückt aber auch energetisch spürbar ist. Palenque ist physisch und metaphysisch sehr stark mit dem Element Wasser verbunden. Es liegt in der niederschlagreichsten Gegend Mexikos und wird von einem Bach durchquert, der knapp unter den Ruinen schöne Kaskaden bildet. Wir hatten heute einen wunderschönen Tag. Besonders Gerhard war trotz seiner Verdauungsprobleme und dem aufgrund der Schwüle ständig drohendem Kreislaufkollaps schwer beeindruckt und höchst zufrieden mit seinem ersten Besuch einer Tempelstadt der alten Maya…beruhigend für die Reiseleitung – für mich – denn mit den alten Mayas wird es weitergehen im Programm.

Überblick über den prominentesten Teil von Palenque

Überblick über den prominentesten Teil von Palenque

Templo del Sol

Templo del Sol

Pyramide der Inschriften

Pyramide der Inschriften

EL Palacio

EL Palacio

typische Pyramidenform

typische Pyramidenfor

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El dia de “Nuestra Senora de Guadalupe”

Große Schatten werfen die Ereignisse voraus…so hat man schon seit Tagen die Vorboten eines der wichtigsten Feiertage der Mexikaner wahrgenommen. Am 12. Dezember wird nämlich der Nationalheiligen, der Indigenamadonna von Guadalupe, geheiligt.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts ist in Mexiko City eine indianische Madonna erschienen und hat ihr Abbild auf einem Kleidungsstück hinterlassen. Diese Erscheinung hat (neben weniger romantischen Geschichten) maßgeblich dazu beigetragen, dass die indianische Bevölkerung Lateinamerikas vom katholischen Glauben überzeugt werden konnte. Heute steht an der Stelle der Erscheinung der meist besuchte Wallfahrtsort der Welt mit einer Basilika, die 40.000 Menschen Platz bietet. 20 Millionen Menschen pilgern jährlich an diesen Ort, so auch Nane und ich vor drei Jahren…

Die Virgen von Guadalupe ist die Patronin ganz Lateinamerikas und seiner indigenen Völker. Gerade von diesen wird sie auch heute noch inbrünstig verehrt. Für unsereinen ist es ja überhaupt beeindruckend, wie tief gläubig die Menschen in dieser Weltgegend sind…

So wie in vielen Orten Mexikos und Lateinamerikas steht auch in SanCristobal eine Guadalupe-Kirche an einem prominenten Platz. Schon die ganze Woche vor dem eigentlichen Fest sind Tag und Nacht Abordnungen mit Pilgern aus dem ganzen Bundesstaat im Laufschritt, singend und von Musik begleitet zur Kirche hin gezogen.

Ich hab mir so wie die Einheimischen dieses Treiben angeschaut. Am Samstag ist Gerhard mit seinem neuen Reisepass in den Händen aufgetaucht, wir haben das Wiedersehen bei einem guten Essen gefeiert und sind gemeinsam in das festliche Geschehen mit seiner gewöhnungsbedürftigen Geräusch- und Geruchskulisse eingetaucht. Hier ein paar Bilder.

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Abbildungen der Virgen

Abbildungen der Virgen

Der tanzende Jaguar und andere Gestalten begleiten den Zug

Der tanzende Jaguar und andere Gestalten begleiten den Zug

Die Toten sind hierzulande immer mit dabei

Die Toten sind hierzulande immer mit dabei

Fackelzug bei Nacht

Fackelzug bei Nacht

typische Pilgergruppe

typische Pilgergruppe

Ziel: die Kirche

Ziel: die Kirche

abendlicher Rummel

abendlicher Rummel

Ausritt nach Chamula

San Juan de Chamula ist ein kleines Dorf in den Bergen, das vor allem deshalb ein bekanntes und beliebtes Ausflugsziel ist, weil es ein Zentrum für die kleine Volksgruppe der Tzotziles ist, die sich ihre ganz eigene religiöse Identität und entsprechende Gebräuche erhalten haben.

Zentrum des Dorfes ist die an sich katholische Kirche, deren Innenleben sich zweifelsohne am alleräußersten Rand von Ratzingers Universum abspielt (oder eher schon jenseits davon), aber dennoch offiziell von Rom geduldet zu sein scheint. Kurz gesagt findet in der Kirche unter genauer Beobachtung durch die unzähligen Heiligenfiguren ein archaisch anmutendes Geschehen statt, das man normal eher auf Naturaltären vermuten würde als in einer Kirche. Es brennen tausende Kerzen am Boden und an den Altären. Es gibt hier nicht einen Pfarrer, der hier das alleinige Sagen hätte, sondern hier hat theoretisch jeder die Möglichkeit, mit seinem Anliegen vor der geistigen Welt laut vorzusprechen und das aus seiner Sicht Nötige an Handlungen zu vollziehen – natürlich auch im engen Rahmen der Gebräuche. Der Boden der Kirche ist mit Kiefernnadeln ausgelegt; alles zusammen ergibt ein eindrucksvolles Bild für den Touristen, der jedoch kaum verstehen kann, was da vor sich geht und insgesamt eher fehl am Platz ist. Fotografieren ist unter Strafe der physischen Kamerazerstörung durch die örtlichen Wächter verboten, somit halten sich die Leute daran.

Kirchplatz Chamula

Kirchplatz Chamula

pelzige Kerlchen, die Einheimischen...aber mit grimmigem Blick und Stöcken, die nicht zum Spazieren gedacht scheinen

pelzige Kerlchen, die Einheimischen...aber mit grimmigem Blick und Stöcken, die nicht zum Spazieren gedacht scheinen

Ich war heute in Chamula und hab mir ein Bild von der Sache gemacht. Die Kirche war gedroschen voll, weil man sich auch hier schon auf den bevorstehenden Feiertag der Virgen (sprich: Wirchen) von Guadalupe, der Nationalheiligen von Mexiko und Schutzpatronin ganz Lateinamerikas, vorbereitet. Es haben bestimmt zigtausende Kerzen gebrannt, der ganze Rummel hat gehalten, was Reisebücher und Touranbieter versprechen. Aber wenn man vorher in Guatemala war und dort nur ein bisschen was mitbekommen hat, dann kommt einem das Treiben in Chamula schon eher normal vor. Zumindest ging es mir so…

Kirche von innen an einem wohl ruhigen Tag (Internet-Download)

Kirche von innen an einem wohl ruhigen Tag (Internet-Download)

Friedhof chamula

Friedhof chamula

Vermummte Schafe...sind wohl Zapatisten

Vermummte Schafe...sind wohl Zapatisten

Die ganze Sache dort hat ja auch eine schwere Schattenseite. Die verarmten Außenviertel von San Cristobal sind voll mit tausenden Leuten, die aus Chamula vertrieben wurden, weil sie aus der Tradition aus- und anderen Glaubensgemeinschaften beigetreten waren, von denen dort keine einzige toleriert wird. Hmm…Mich hat auch das unfreundliche Auftreten und die Distanziertheit der Einheimischen gestört. In dieser Hinsicht ist Guatemala normalerweise anders.

Wie dem auch sei…eine Stunde in Chamula war genug und für mich hat der Ausflug dorthin was anderes Schönes gebracht, dem ich anfangs eher skeptisch gegenüberstand. Ich bin nämlich nicht mit dem Bus gefahren, sondern am Rücken eines Pferdes nach Chamula und retour geritten. Skeptisch war ich vor allem, weil ich schon oft genug Zeuge geworden bin, wie schlecht die Vierbeiner in Ländern behandelt werden, wo der Mensch schon so ein bescheidenes Dasein führen muss.

Mit einer Gruppe anderer Reisender ging es zum Pferdeverschlag, die Pferde machten einen guten Eindruck und ich durfte mich gleich auf den größten und stärksten Gaul rauf schwingen. Dieser war ein sehr erfahrenes Kerlchen und hat uns gleich von der Gruppe freigemacht, den Weg kannte er ja schon. Es hat ein wenig gedauert, bis uns die Spielregeln beiden klar waren, aber dann war es ein Riesenspaß. Schritt, Trab und schließlich Galopp, oh ja! Der Bursche ist ganz schön abgefetzt mit mir, während die meisten anderen Gäule ziemlich fad und deren Reiter rechte Hosenscheißer waren. Die Aufmerksamkeit der kleinen Mexikaner, die uns eigentlich begleiten und führen sollten, galt dabei sowieso vor allem den ReiterINNEN…und so waren letztendlich alle zufrieden, die Menschen zumindest.

Mir hat das Reiten große Freude gemacht. Vor allem auf den Wiesen und im Wald, wenn der Gaul in die oberen Gänge geschalten hat. Wer hätte das gedacht, dass ich meine schon in frühen Kindheitstagen gescheiterte Reiterkarriere doch noch fortsetzen kann. Wenn sich mal eine Gelegenheit bietet, werde ich mich wieder in den Sattel schwingen. Gelernt hab ich auch was: Man reitet nicht mit kurzer Hose, sondern im Idealfall mit Reiterhose und Stiefel, um der Bildung eines Wolfes und einer unfreiwilligen Epilierung der inneren Wadenbehaarung vorzubeugen. Außerdem tut mir heute der Hintern weh. Aber das war die Sache wert! Ein super Tag wieder mal!

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In den Straßen von San Cristobal

S. Cristobal ist auf ca. 2200 Metern Seehöhe gelegen, liegt in einem von Kiefernwäldern umgebenen Talkessel und zählt ca. 150.000 Einwohner. Die Luft ist hier sehr klar, die Tage heiß und die Nächte kalt. Gegründet wurde die Stadt 1528 von den Spaniern und benannt nach dem ersten Bischof von Chiapas, Bartolome de las Casas, der als Verteidiger der Indigenas galt. Bei Reisenden ist die Stadt so beliebt, weil sich hier indigenes Leben und Brauchtum mit westlichem Luxus trifft – und das vor einer schönen, kolonialen Kulisse.

Die Kathedrale

Die Kathedrale

am Hauptplatz ist alles herausgeputzt

am Hauptplatz ist alles herausgeputzt

eine von vielen Kirchen

eine von vielen Kirchen

Barocke Kirche mit habsburgischen Doppeladler drauf - von seinerzeit, wo "wir" noch wer waren

Barocke Kirche mit habsburgischen Doppeladler drauf - von seinerzeit,als "wir" noch glücklich geheiratet haben

auch die einheimischen Chicos schauen sich mal gerne gemütlich die prächtigen Bauten an

auch die einheimischen Chicos schauen sich mal gerne gemütlich die prächtigen Bauten an

In die internationalen Schlagzeilen kam San Cristobal 1994, als die Zapatisten unter Subcommandante Marcos hier Ihre Revolution anzettelten. Innerhalb weniger Tage wurden sie von der mexikanischen Armee aus der Stadt vertrieben und haben sich in den Dschungel der weiteren Umgebung zurückgezogen, wo sie bis heute versteckt sind und vor allem über das Internet ihre Botschaft verbreiten. Im Großen und Ganzen soll diese gegen den Neoliberalismus, antiimperialistisch und für die föderalistische Selbstverwaltung der Indigenas sein…was weiß ich denn als politisch wenig interessierter Mensch? Was ich hier sehen kann, ist ein Informationsstand der politischen Fraktion am Hauptplatz und jede Menge einschlägige Bücher, Bilder und Souvenirs für romantisierende Möchtegern-Che Guevaras aus aller Welt. Anscheinend haben die Zapatisten hier nicht mehr so viel Unterstützung wie zu Beginn, die autonomen Kommunen sind vielfach schon eher aufgelöst, Subcommandante Marcos schreibt Kriminalromane, etc. Dennoch scheint ihr einstmals starker Auftritt für das politische Selbstbewusstsein und ein paar mehr Rechte für die Indigenas hilfreich gewesen zu sein. Wie dem auch sei, ich stehe sowieso nicht auf vermummte Typen, die Maschinenpistolen gegen den Himmel strecken…

Stand der zapatisten am Hauptplatz

Stand der zapatisten am Hauptplatz

kleine, wollene Zapatisten - hecho a mano, buen precio

kleine, wollene Zapatisten - hecho a mano, buen precio

auch der Kommerz kokketiert mit den Klischees

auch der Kommerz kokketiert mit den Klischees

Schon am Weg von Guatemala nach San Cristobal kann man unschwer erkennen: auch wenn Chiapas der ärmste und „indigenste“ Bundesstaat Mexikos ist, ist der „Zivilisationsgrad“ hier doch wesentlich höher als in Guatemala – schönere Häuser, bessere Autos und Busse, Einkaufszentren, unfreundlichere Menschen, mehr Ordnung, weniger Chaos und Dynamik. Der Unterschied ist in etwa so, wie wenn man (so wie Nane und ich im Frühjahr) von Syrien in die Türkei kommt, und plötzlich glaubt, dass man das Zentrum der westlichen Welt erreicht hat. Als erfahrener Reisender lässt man sich da eh nicht blenden, sondern pickt sich das Gute raus, das ja bekanntlich überall andere Gestalt annimmt…
Während jene Traveller, die aus dem Norden angereist kommen, hier vor allem vom Straßenbild mit Indianern in bunten Trachten ganz begeistert und schwer beeindruckt sind, sehe ich momentan andere Vorzüge. Als vom viel ursprünglich-indianischeren Guatemala Gekommener fokussiere ich mich hier mehr auf: Internationales Essen, guter Kaffee, so was wie Nightlife, kabelloses Internet, Bäckereien mit allerlei Köstlichkeiten, aus dem Ei gepellte Kolonialbauten, Window-Shopping und multikulturelle Begegnung zwischen den vielen Besuchern aus aller Welt. Das ist neben ein paar kleinen Ausflügen in die Umgebung, dem Miterleben eines religiösen Großereignisses und dem Besuch beim Dentisten für die nächsten Tage angesagt…

Hier noch ein paar Bilder aus den Strassen von San Cristobal

Indigena-Mama mit Früchtestand

Indigena-Mama mit Früchtestand

wo die Mandarinen noch Mandarinen sind

wo die Mandarinen noch Mandarinen sind

...und der Mais noch Mais...

...und der Mais noch Mais...

...und die Lutscher noch Lutscher...

...und die Lutscher noch Lutscher...

...und der Käfer noch ein Volkswagen...

...und der Käfer noch ein Volkswagen...

Wann ist ein Mann ein Mann...Logo,mit einer ordentlichen Gürtelschnalle!

Wann ist ein Mann ein Mann...Logo,mit einer ordentlichen Gürtelschnalle!

für Frauen gibt´s auch allerlei zum "tschatschln" (osttirolerisch: Shoppen)

für Frauen gibt´s auch allerlei zum"tschatschln" (osttirolerisch: shoppen)

die schwarzmagische Abteilung bietet Lösungsansätze für Beziehungsschwierigkeiten, unglaublich! Sie hält die Pappn und er wird zur Marionette. Je nachdem, wie man es grad braucht...die traurige Schattenseite der Tradition hier

die schwarzmagische Abteilung bietet Lösungsansätze für Beziehungsschwierigkeiten, unglaublich! Sie hält die Pappn und er wird zur Marionette. Je nachdem, wie man es grad braucht...die traurige und verhängnisvolle Schattenseite der Tradition hier

Sprays für alle Wünsche, die sich aus der menschlichen Beschränktheit ergeben

Sprays für alle Wünsche, die sich aus der menschlichen Beschränktheit ergeben

Der Che Guevara hat gemeint, dass es nur dann Kaffee gibt, wenn es den für alle gibt. Ich gönn mir hier einen schönen Cappucchino, und wenn der Rest der Welt Nescafe trinkt...!

Der Che Guevara hat gemeint, dass es nur dann Kaffee gibt, wenn es den für alle gibt. Ich gönn mir hier mal einen schönen Cappucchino, und wenn der Rest der Welt Nescafe trinkt...!

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„Zur Morgenstund´ war´s noch im Mund“ oder: „Von Guatemala nach Chiapas“

Nachdem es so aussieht, als ob ich noch bis zumindest Ende Jänner in Guatemala und Honduras bleiben werde, hat sich für mich die Notwendigkeit ergeben, dass ich für ein paar Tage nach Mexiko ausreise, da sonst mein 90 Tage-Visum für die so genannte CA4-Zone (Zollunion Guatemala, Honduras, Nicaragua, El Salvador) zu einem Zeitpunkt auslaufen würde, wo die Gelegenheit zum Ausreisen nicht so gut sein wird wie jetzt. Viele Ausländer, die in Guatemala keine Aufenthaltsgenehmigung haben und trotzdem nicht heim wollen, machen das seit Jahren so…Ich sehe das Ganze positiv, schließlich hab ich im benachbarten mexikanischen Bundesstaat Chiapas noch einiges nicht gesehen und außerdem gibt es da ein paar wunderbare Mayastätten, die ich zwar schon kenne aber gerne wieder besuche.

Gerhard wäre gerne mitgekommen, aber aufgrund einer Schlamperei der österreichischen Vertretung in Guatemala hat sich die Ausstellung seines Passes verzögert und er muss bis auf weiteres in Guatemala bleiben. Also hab ich mich am Dienstag in aller Früh alleine auf den Weg gemacht. Ziel war es, bis zum Abend die bei Reisenden beliebte Stadt San Cristobal de las Casas zu erreichen.

Zuerst ging es ein paar Stunden durchs dicht besiedelte, guatemaltekische Hochland bis zur Grenze. Dort hieß es erstmal ein paar Stunden warten, weil es irgendeine Blockade gab. Weiter ging es mit einem Collectivo (Sammeltaxi) zur ersten größeren Stadt Chamik. Von dort dann weiter nach San Cristobal, wo wir am Abend dann doch einigermaßen planmäßig ankamen. „Wir“, das waren in dem Fall Ich und Anneke, eine sehr nette, Maya-interessierte Deutsche, mit der ich die Fahrt letztendlich gemeinsam bestritten habe.

La Frontera

La Frontera

Einen Wermutstropfen gab es trotz allem. Schon seltsam: beim Warten auf der Grenze hatte mich noch so ein Typ, der zwischen den vielen Geldwechslern herumrannte, gefragt, ob ich denn kein Gold zu verkaufen hätte…Keine halbe Stunde später, im Bus und schon jenseits der Grenze, hat sich eine meiner einst teuer und unter großen Schmerzen angeeigneten (und deshalb kostbaren) Goldfüllungen entschieden, dass sie die langjährige aber anscheinend langweilig gewordene Beziehung mit dem Rest meines Zahnes zugunsten eines kurzen Abenteuers mit einem eh schon geschmacklos gewordenen Kaugummi aufgibt. Sch#%$§e!

das Nugget

das Nugget

Dass sich die hart erkämpfte Version 2.5 meines Gebisses aufzulösen beginnt, ist neben einer unvorbereiteten Mathe-Matura einer von wenigen Alpträumen, die mich regelmäßig heimsuchen. Ich hatte mir immer gedacht, dass wenn mich so was auf einer Reise treffen würde, das ein Grund zum Heimflug wäre. Meine fatalistischen Persönlichkeitsanteile haben sich schon mal in den restlichen Busstunden mit diesem Gedanken auseinandergesetzt – Weihnachten und Silvester daheim, liebe Menschen, frische Hauswürschtln, Schifahren, etc- eh nicht so schlecht!… Anneke ist mir dabei mit viel Humor zur Seite gestanden, und als ich später beim köstlichen Abendessen feststellte, dass auch meine linke Kieferhälfte in der Lage ist, Lebensmittel zu Mahlgut zu verarbeiten, war die Stimmung schon etwas besser. Nachdem ich ein paar Notfallmails verschickt hatte, bin ich schlafen gegangen, und am nächsten Morgen hab ich mit meiner sehr geschätzten Zahnärztin telefoniert und von ihr eine klare Entwarnung bekommen. Den Zahn können wir auch im Februar herrichten, bis dahin soll mir ein mexikanischer Quacksalber ein Provisorium reinpicken…so wird´s gemacht, Österreich sieht mich ein anderes mal wieder! Jetzt bin ich mal hier…

Also doch

Also doch "Feliz Navidad" statt "Frohe Weihnachten"

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