Archiv für den Monat: März 2012

Up North and Return…die letzten 10 Tage als Roadmovie

Meine verbleibenden letzten zehn Tage in Neuseeland wollte ich vor allem dazu nutzen, um noch ein bisschen mehr vom Land zu sehen, genauer gesagt den nördlichsten Teil davon. Der adäquate Weg hiefür ist hierzulande das Campingmobil, da es sehr viel interessante Gegend und relativ wenig Siedlungen auf dem Weg gibt, was das Reisen via öffentlichem Bus ja eher uninteressant macht. Und überteuerte Touren mit aufgedrehen zwanzigjährigen kommen ja für einen echten Reiseprofi auch nicht in Frage.

Alleine durch das Land zu fahren ist sicher ganz nett, viel schöner ist es jedoch mit einem guten Freund. Und da hat mich mein Freund Wolfram aus Wien mit seiner spontanen Art positiv überrascht. Er hat eine Schaffenspause in der Heimat und hat so kurzfristig innerhalb von zwei Tagen beschlossen, mich hier zu besuchen und nach einer gemeinsamen Zeit hier von da aus weiter nach Südamerika zu fliegen. Super, das kam gerade recht, ein Roadtrip zu zweit!

So bin ich mehr oder weniger direkt von meinen Maorifreunden auf den Flughafen in Auckland gefahren, um dort den schon via Internet bestellten Campervan und Wolfram abzuholen. Alles hat planmäßig funktioniert und schon waren wir auf unserem Weg Richtung Norden…Ziel: das „Nordkap“ von Neuseeland, Cape Reigna – der Heiligste Platz überhaupt für die Maoris. Mehr dazu weiter unten…

Zwischen Auckland und Cape Reigna schlängelt sich die Straße über tausende scharfe Kurven durch ca. 600 km von weitem Land, das vor allem von Milchkühen und Schafherden begrast wird. Dazwischen findet man dichte Wälder mit Baumriesen, Wasserfälle, naturbelassene Flusslandschaften und jede Menge schöne Strände.

Mit Wolfram lief es erwartungsgemäß locker und unkompliziert ab. Am Weg Richtung Norden haben wir uns höchstens ein bisschen an die neuen Reisegegebenheiten gewöhnen müssen. Das Campen in menschenleerer, freier Natur hat uns aber gleich getaugt. Selbstversorgung aus der Bordküche und vor allem am allabendlichen Lagerfeuer. Und tagsüber die Freiheit, überall stehen bleiben zu können, wo es einem gerade gefällt. So hatten wir schon einmal drei schöne und interessante Tage auf dem Weg zu Cape Reigna – ganz ohne Reiseführer und nur dem Flow folgend, der uns an wunderbare Orte geführt hat. Je weiter man Richtung Norden fährt, umso verlassener wird die Gegend und umso mehr Wild-West-Atmosphäre verspürt man auf der Landstraße und in den Kleinstädten am Weg.

Nach Cape Reigna fahren die wenigsten der vielen Reisenden in Neuseeland. Wir wussten ja auch nicht, was wir davon erwarten durften, aber es hat uns dann schon sehr beeindruckt. Vor dem nördlichsten Punkt Neuseelands treffen zwei Meere zusammen – die tasmanische See und der Pazifik. Die Wellen preschen von zwei Seiten aufeinander und man schaut sich das Naturschauspiel von der Anhöhe der Klippen aus an. Für die Maori repräsentiert das die Vereinigung von männlicher und weiblicher Energie und somit die Neuerschaffung des Lebens, auch die Vereinigung von spiritueller und materieller Welt. Viel wichtiger ist ihnen Cape Reigna jedoch, weil dort der Punkt ist, an dem die Seelen der Verstorbenen ihren Weg durch die Unterwelten antreten, der sie letztendlich in ihre spirituelle Heimat „Hawaiki“ – dem gelobten Land sozusagen – führt.

Dazwischen steht fast wie ein Symbol der westlichen Zivilisation ein alter Leuchtturm aus dem letzten Jahrhundert, der für die fotowütigen Touristen dann doch der Hauptanziehungspunkt zu sein scheint.

Als wir an Cape Reigna angekommen sind, war alles in mystische Nebel gehüllt. Wir haben uns in Ruhe umgeschaut und einmal einen Eindruck von dem Ganzen bekommen, bevor wir uns dann einen ruhigen Platz gesucht haben. Das Kap und seine Umgebung sind von einer ganz besonderen Energie und Kraft, die wir in einem entsprechenden Ritual geöffnet, gespürt und geehrt haben. Währenddessen hatten sich die Nebel vollkommen verzogen und die Sonne schien in voller Kraft. Ein schönes Symbol und als Nebeneffekt ergab das einen ordentlichen Sonnenbrand für den Wolfram. Mit Kraft voll getankt sind wir wieder abgefahren, der Trip in den Norden hat sich wirklich ausgezahlt.

Am Rückweg Richtung Süden hatten wir auch noch ein paar schöne Stopps, jedoch gab es einen Regentag, den wir voll durchgefahren sind. So kamen wir um einen Tag früher am letzten Ziel unserer Tour an, der Halbinsel Coromandel, die südöstlich von Auckland liegt und aufgrund der landschaftlichen Schönheit ein beliebtes Ziel für Ausländer und Einheimische ist. Als wir dort ankamen, hatten wir schon wieder strahlend schönes Wetter und so waren uns drei wunderbare letzte Tage vergönnt, die wir mit viel Ruhe und auch mit ein wenig mehr Luxus verbrachten. Auf einem sehr schönen, ruhigen Campingplatz mit toller Aussicht aufs Meer, warmen Duschen und ein paar mehr Annehmlichkeiten, die man im Wald und auf der Wiese nicht findet. Auf Coromandel wird wildes Campen nämlich mit hohen Strafen geahndet.

Von Coromandel sind es nur zwei-drei Stunden zum Flughafen Auckland. Da haben wir unseren treuen Campingwagen wieder wohlbehalten und zufrieden zurückgegeben und warten jetzt auf unseren gemeinsamen Weiterflug zur nächsten Destination.

Neuseeland geht in die Liste meiner besten bisherigen Reiseländer ein. Ich möchte hier auf jeden Fall wieder einmal herkommen und kann es allen anderen nur empfehlen. Ich habe mich hier von Anfang bis zum Schluss wie zuhause gefühlt und die Menschen, die ich getroffen habe, haben es mir leicht gemacht. Die vergangenen Wochen waren nicht nur sehr schön, sondern auch höchst lehrreich und interessant. Die Leute hier gehören zu den freundlichsten der Welt. Die alte Kultur lebt hier noch und die Maoris werden wohl nicht ohne Grund von vielen als die Speerspitze der indigenen Völker gesehen. Ich war vier Wochen lang im denkbar perfekten Reisefluss, bestens geführt und wohl behütet – echt genial! Danke Neuseeland und bis bald einmal!

Start und Ziel unseres Trips - Auckland, City of Sails

das einzige Gruppenfoto, hier schon auf Cape Reigna

unser Vehikel am Campingplatz auf Coromandel

viel Grün und Blau

Wasserfälle

kleine aber feine Hafenstädte

schöne Buchten

traumhafte Strände

90 mile Beach, nomen est omen, auch wenn man nicht weit gesehen hat

ein heiliger Berg, der sich als unbezwingbar herausgestellt hat, auch wenn Wolfram es unbedingt wissen wollte

riesige Sanddünen

...zum Hinunterfahren

einer unserer Lagerplätze an einem kleinen See

Lagerfeuer

...

geregnet hat es auch einmal, dafür gab es am Morgen danach das hier!

"God of the Forest"- der größte Baum Neuseelands, 2000 Jahre alt und ca. 6-7 m Durchmesser

das öffentliche Hundertwasser-Häusl in Kawakawa ist so ziemlich das einzige, was der Norden an Kultur zu bieten hat. Hundertwasser hat hier, so glaube ich, seinen Lebensabend verbracht

Leuchtturm auf Cape Reigna

der Felsen, von dem die Seelen Richtung Hawaiki aufbrechen

Ritual, im Hintergrund die Vereinigung der beiden Meere

Gesamtübersicht

und hier waren wir die letzten Tage...Sonnenaufgang zu 8 Batz-Mayaneujahr

Cathedral Cove Beach auf Coromandel

“A Distant Traveller”…poem by Len

Poem written by Lenny Tekaawa, Roatahuna, New Zealand, translated from Maori language, 19.03.2012. THANK YOU,LEN!!!

A distant traveller lands amongst us on this land.
Footstep that is sacred tramps the land.
A spiritual journey to bind and join.
It is right to achieve to settle.

The Sabbath is obsevered.
The Canoe starts its journey beyond
The Huiaran range
But trouble occur with the vehicle

We set out our foot to the summit of Tumarile
We gaze out on the majestic mountain of the Fish of Maui
We gaze out towards the sea to Putanaki and Tarewera
We gaze inland. To the sleeping giants Tauhara Tongariro Ruapehu
While we rest a while in the face of the moon

We return home – another vehicle
To Te Mapou Marae we go
Homage is paid to the Marae
Homage is paid to the ancestors
They are greeted and acknowledge spiritually

Ancient histories are reawaken
The inner man is fed and satisfied so
The outer man is settle and calm
Thanks is given to the Lord Almighty the Creator, the Beginning and Ending

So talk has meaning…
So the night is acknowledged, so sleep can come
It is dark, it is dawn, it is daylight
A new day begins

A tree is found and set on
Just like a child playing climbing
Birds alight and settle
They wonder and question “what is this”
To connect with Nature…with Rangi and Papa

A spiritual comment that is released
Of a spiritual council place above the mountain
That works for the subtribes, for the tribes and the land
MAUNGAPOHATU set in the heart of the fish of Maui
Pumping out everlasting love through out this land

Similar shared stories and rituals tought by his teachers
Even stories concerning the being called Death
To the sky above the earth below
Shared information back and forth

Shared principles of the lifeforce
So that the lifeforce of life and death,
The lifeforce of the spiritual and physical world
Acknowledge the warmth of this stay
…supervised by the spiritual realm

I greet and thank you Hoori (so heisst mein Namen George in Maori)
I acknowledge you and your ancestors
The blessing of the Almighty be upon you for the rest of your journey…

Im Kraftfeld des Maungapohatu

Also war ich da draußen bei Len und seiner Familie. Im kleinen und bescheidenen Haus leben sechs Leute. Len…seine Frau Pohutu…Moe, eine ihrer vielen Töchter, ihr Mann Daz und deren zwei kleinen reizenden Töchter Kiri und Bella. Rund ums Haus tummeln sich ca. 15 Katzen, 20 Hunde und viele schöne Reitpferde. Len ist auf der Farm angestellt und passt auf die Tiere auf. Die Farm gehört der Community und der Profit wird auf die Familien verteilt. Die wenigsten Leute haben aber ein geregeltes Arbeitsverhältnis und viele Junge wandern in die Stadt ab, weil es da draußen wenig Beschäftigung gibt. Die Schafe und Kühe brauchen nicht so viel Aufmerksamkeit, weil sie das ganze Jahr über im Freien grasen können. Len hat ein Riesengebiet über, das er normalerweise via Pferd durchquert und so nach dem Rechten sieht. Die wichtigste Freizeitbeschäftigung da draußen im Busch ist die Jagd und das Fischen. Es gibt jede Menge Wildschweine und Hirschen, jeder darf ohne Lizenz jagen, soviel er oder sie will. Auch Frauen hängen sich gerne eine Flinte um und holen sich ein Wildschwein aus dem Busch. Die Flüsse sind noch voller Forellen und Aale, die hier sehr gerne verspeist werden. Auch die Jagd dient vor allem als Nahrungsquelle – das Fleisch wird immer mit der ganzen Nachbarschaft geteilt, so wie in alten Zeiten. Die Leute leben sehr nahe an und mit der Natur. Die Freizeit wird mit der Familie und in der Gemeinschaft verbracht. So wurde auch ich gleich einmal allen vorgestellt und hierzulande sind mit „allen“ nicht nur die Lebenden, sondern auch die verstorbenen Ahnen gemeint.

Also hat mich Len gleich einmal auf einen Spaziergang ins größte der 12 Maraes mitgenommen, die es in der kleinen Gemeinde gibt, um mich einmal bei den Ahnen vorstellig zu machen. Mit den Worten „Waiwai Tapu“ erbittet man um Einlass und dann wird man aufgenommen in den Kreis der Familie.

Len und seine Leute gehören zum Stamm der Tuhoe-Maoris, sein „Hapu“ (Unterstamm) heißt Tamakaimoana. Die Familienzugehörigkeit ist da draußen ganz ein wichtiges Ding, manche Maoris können ihre Herkunft angeblich bis zu den ersten Kanus zurückverfolgen, die über den Ozean gekommen sind. In den Maraes hängen immer Bilder von den Ahnen der verschiedenen Familien, oft uralte Aufnahmen aus alten Zeiten. So wurde ich auch auf einen der letzten großen Maori-Propheten aufmerksam, der vor ca. 100 Jahren im kleinen Dorf draußen gewirkt und seine Botschaft von Einheit und Liebe unter sein Volk gebracht hat, bevor er wohl zu einflussreich und deshalb von den Kolonialherren beseitigt wurde. Sein Name war Rua und rund um ihn ist damals draußen im Busch, wo heute nicht mehr viel ist, eine Stadt von ca. 1000 Leuten entstanden – direkt unter dem Heiligen Berg Maungapohatu, auf dessen Gipfel seit ganz alten Zeiten die Häuptlinge des Volksstammes begraben wurden. Genau dorthin wollte mich Lenny im Verlauf der nächsten Tage bringen, direkt ins Herz ihres spirituellen Erbes…

Die Familie hat mich gleich voll in alles mit integriert, ich fühlte mich wie daheim und wurde dazu auch richtig verwöhnt. Kulinarisch fehlt sich bei den Maoris sowieso nichts. Len hat sich von der Arbeit frei gemacht und mir viel in der Umgebung gezeigt. Ich wurde zu den verschiedenen Maraes gebracht, wo ich auch zusammen mit Len und seiner Frau die Nächte verbracht habe, so wie es hier üblich ist. Links vom Eingang der ortsansässige Häuptling und seine Leute, rechts vom Eingang die Besucher. Im Marae schläft es sich ausgezeichnet, es ist schön dunkel und heimelig – das Gebäude mit seinen typischen Bauteilen repräsentiert auch so etwas wie einen Mutterleib, in dem die Gemeinschaft Geborgenheit und Ruhe findet. Das Marae ist ein heiliger Ort, wo man sich entsprechend benimmt, was hier aber auch immer den Humor mit einschließt. Die Präsenz der Ahnen ist im Marae stark spürbar und wenn man in die Gesichter der Verstorbenen auf den Bildern sieht, dann bekommt man auch Respekt. Aufgefallen sind mir die vielen Bilder von jungen, uniformierten Männern, die im zweiten Weltkrieg und in Vietnam fernab der ihrer Heimat (bis hin nach Italien) als Teil des angeblich sehr ruhmreichen Maori-Bataillons gestorben sind.

Im Marae werden nicht nur Besucher empfangen und versorgt, hier finden auch Gottesdienste und Ratsversammlungen, wichtige Treffen und Besprechungen etc. statt. Ich habe die Maraes in ihren unterschiedlichen Qualitäten in meinen Tagen da draußen auch als Ort der Stille und Meditation sehr schätzen gelernt.

Am zweiten Tag haben wir uns auf den Weg in Richtung des Heiligen Berges Maungapohatu gemacht, wo wir auch die Nacht im im Busch gelegenen Marae verbringen wollten. Der von Lens Schwester ausgeborgte Pickup hat irgendwann am Bergrücken oben gestreikt und so sind wir zu zweit auf eine ausgedehnte Wanderung gegangen, während Pohutu, Lens Frau, im Auto auf uns gewartet hat. Wir haben uns in aller Ruhe die weite Gegend angeschaut, sind durch den mystischen Nebelwald gewandert und haben uns gegenseitig Geschichten erzählt.

Mit Len hatte ich echt sehr ergiebige Gespräche. Er ist ein sehr einfacher Mann, wenn man ihn so sieht, aber man würde ihn sehr unterschätzen. Denn Len ist wohl der Maori, der mir von allen, die ich getroffen habe, am meisten über seine Kultur vermittlen konnte – ein wandernder Wissenspeicher, ein Eingeweihter und Ältester seines Volkes. Kaum eine Frage, die er nicht beantworten kann…über die Natur in seiner Heimat (Heilpflanzen, etc…), Geschichtliches, Soziales, Politisches, Spirituelles. Letzteres durchwirkt auch sein ganzes Leben. Vermittelt wird das hier traditionell über sehr bildhafte Geschichten, alte Sagen und Mythen, die auch Len gerne erzählt und teilweise auch selber schreibt. Wir hatten einen großartigen Austausch und verstanden uns wie Brüder.

Ich dachte eigentlich, dass mit dem Zusammenbruch unseres Autos auf halber Strecke die Fahrt zum Maungapohatu erledigt wäre, und ich war auch froh über das, was ich auf unserer Wanderung gesehen hatte. Aber Len wollte mich unbedingt dorthin bringen. Also sind wir die eineinhalb Stunden über Stock und Stein mit der überhitzten Karre zurückgefahren, haben ein anderes Auto genommen und uns wieder auf den Weg gemacht. Len sagte, wir haben eine Mission vor und er mag es nicht, wenn Dinge unabgeschlossen bleiben. Mir war das nur sehr recht.

Am Weg erschloss sich dann der Blick auf einen beeindruckenden Berg und als ich fragte, welcher das denn sei, hörte ich, dass es sich dabei um den Heiligen Berg handelte. Er war schön vom Sonnenlicht bestrahlt. Len und Pohutu waren nur so entzückt, weil sie das selber selten so sehen. Normalerweise ist der Berg so wie der gesamte Rücken fast immer in Nebel gehüllt, die die großen Mysterien in Verschleierung hüten. Unser Ausflug sei gesegnet, hieß es, und alle waren froh.

Nach mehrstündiger Fahrt kamen wir draußen auf einer Art Alm an, wo das verlassene Marae und ein paar alte Hütten aus der Zeit des Propheten stehen. Dort wollten wir die nächsten 24 Stunden verbringen. Es waren ein paar Männer da, die ein neues Blockhaus zu bauen begonnen hatten, Richard und Tani – letzterer ein Enkel das Propheten. Mit ihnen hatten wir gleich eine super Gemeinschaft, so wie es hier üblich ist. Wir hielten eine gemeinsame Zeremonie ab und erzählten uns dann Geschichten bis tief in die Nacht hinein. Als sich alle ins Marae zum Schlaf zurückgezogen hatten, nutzte ich die Ruhe und Tiefe der Nacht für mich im Freien, bevor ich dann auch schlafen ging.

Die Natur da draußen ist wunderbar, ich bin nach einem ordentlichen Frühstück mit Len in den Wald gegangen und war umgeben von Schönheit.

Am Nachmittag fuhren wir wieder langsam zurück ins Dorf, wo die ganze Familie wieder zusammenkam. Hauptthema war ein Film, der gerade von einem 50-köpfigen Team aus der Stadt im Nachbardorf gedreht wurde. Von Lens unzähligen Cousins, Neffen und Nichten hatte fast jeder eine Statistenrolle bekommen. Der Titel des Films ist „The Medicine Woman“ und alle haben es amüsant gefunden, dass die Hauptrolle der traditionellen Maori-Medizinfrau von einer Schauspielerin aus der Stadt gespielt wird, während Pohutu gleichzeitig als die wichtigste und stärkste traditionelle Heilerin der Gemeinde von einem Patienten zum nächsten fährt, um diesen zu helfen. Gesundheitsprobleme haben die Maoris auch in dieser abgelegenen Gegend heute mehr denn je. Das Durchschnittsalter ist in den letzten 20 Jahren stark gesunken aufgrund von „moderner“ Ernährung, Alkohol etc…

Ich habe in meinen Tagen da draußen nicht nur tiefe Einblicke in das alltägliche Leben in einer abgelegenen Maori-Community bekommen, es war viel mehr als das. Ich habe jetzt noch eine Familie mehr in Neuseeland, ich habe mein Verständnis für Gemeinschaft und Familie ganz wesentlich erweitern können und viel Inspiration bekommen, was Gemeinschaft angeht. Ich habe viel über die Kultur und Spiritualität der Maoris gelernt und mich mit einem ihrer heiligsten Orte verbinden dürfen, dem Maungapohatu im Zentrum der Insel. Die Nebel haben sich für mich geöffnet und ich durfte meinen Einblick nehmen. Danke Len, danke Pohutu und all den anderen Leuten, die mich da draußen in ihren Kreis so herzlich aufgenommen haben.

Den letzten gemeinsamen Vormittag haben wir sehr still verbracht. Pohutu war bei der Arbeit, Len und ich haben die vergangenen Tage in der Stille und mit wenigen Worten Revue passieren lassen. Zum Abschied hat er mich dann noch einmal mit einer ganz anderen Seite von sich überrascht. Len schreibt auch Gedichte in seiner Sprache, die – wenn vorgetragen – eine besondere Kraft haben, auch wenn ich kein Wort davon verstehe. Und so hat er auch ein Gedicht über unsere gemeinsamen Tage geschrieben und mir zum Abschied vorgetragen. Ich war zu Tränen gerührt. Die englische Übersetzung klingt nur halb so stark wie in Maori, und es ist laut Len auch so, dass man viel nicht richtig übersetzen kann. Dennoch hat er mir das Gedicht auch auf Englisch vorgetragen und auf einem handgeschriebenen Zettel zum Abschied in die Hand gedrückt (Link zum Gedicht). Eine Umarmung, „We don´t say Goodbye, we say see you again!“. Wie mir auch kullerte dem tapferen Maori-Krieger beim Abschied eine Träne über die Wange – keine Traurigkeit, sondern Rührung und Dankbarkeit. Aber er versicherte mir gleich, dass das nicht oft passiert, und schon haben wir wieder gelacht…

Eigentlich hätte mich eine Nachbarin in das zwei Stunden gelegene Rotorua mitnehmen sollen. Jedoch ließen es sich Moe und Pohutu nicht nehmen, mich dort persönlich hin zu führen und das gleich mit ein bisschen Shopping in der Stadt zu verbinden. Len blieb daheim, der pfeift auf Shopping. Der Wiedereinstieg in die „Zivilisation“ fiel mir nach nur drei Tagen im Busch gar nicht leicht, es fühlte sich an, als wäre ich viel länger weg gewesen.

Die Zeit in Roatahuna bei den „Kindern des Nebels“ war wunderbar und bleibt unvergessen, ich trage sie im Herzen. Und ich würde mich freuen, meine Leute dort irgendwann wieder zu sehen…Muchissimas Gracias!

Als ich dann in Rotorua im Backpacker´s zwischen den anderen Reisenden meine Sachen ausgepackt habe, wurde mir dann noch mehr bewusst, wie schön sich mir Neuseeland bisher geöffnet hatte. In drei Wochen habe ich nur zwei Nächte in Touriquartieren verbracht, nur einmal bin ich mit dem Bus gefahren. Den Rest der Zeit war ich in Familien integriert und habe Gemeinschaft, Liebe, Austausch und Nähe erfahren dürfen, ich wurde überall herzlich aufgenommen, eingelassen und beschenkt, fühlte mich wahrlich zuhause. Was viele nicht einmal in ihrer eigenen Familie oder bei ihren eigenen Leuten kennen, das bekomme ich hier als Fremder am anderen Ende der Welt – was für eine wunderbare Erfahrung, was für ein Segen, was für eine Botschaft! Danke, danke, danke!

idyllisches Farmland

Len vor dem Mataatua-Marae, dem größten der Gemeinde

drinnen

das Foto beweist es: die Maori sind keine Menschenfresser mehr, sondern bevorzugen Rind und Wildschwein

bei meiner Abfahrt war die Keule schon aufgefuttert

die young fellas hier sind ständig im Busch und auf der Jagd

Len war auch einmal jung

das Stamm-Marae der Familie, hier habe ich 2 Nächte verbracht

so schläft man im Marae

Car Breakdown am Weg zum Maungapohatu

auf der Höhe

Ausblick

wenn man in den Wald reinschaut, sieht es ungefähr so aus

der Maungapohatu im Glanz der Sonne… Sitz der verstorbenen Häuptlinge und des spirituellen Weisenrates, Heiliger Berg

das Marae am Fuß des Berges

…gegründet vom Propheten Rua, zu seiner Zeit sah es hier so aus

ein paar Hütten von damals stehen heute noch

die Tamakaimoana sind stolz auf ihre Handwerkstradition…

…so auch diese Herren…men at work

am Tag meiner Abreise haben sich die Nebel wieder geschlossen.

Und Pohutu und Moe haben mich in die Stadt gebracht.

Der Weg zu den Tuhoe Maoris in den Te-Urewera-Nationalpark

Dass es für mich nach den Tagen in Gisborne wieder uriger werden würde, das war einmal klar. Was mich auf meiner nächsten Reisestation für mich ergeben würde, davon hatte ich jedoch keine Ahnung, auch keine Erwartung – dennoch war es ein klarer Ruf, der mich ereilt hatte.

Als ich an meinem ersten Tag in Whakatane von Tekani zum Marae mitgenommen wurde, hat er mich in seiner typischen Art, Leute miteinander in Kontakt zu bringen, in ein Gespräch mit einem Maori namens Len verwickelt, das für mich damals sehr interessant – wenn auch nur kurz – war. Wir hatten uns gut verstanden und Len gab mir einen Hinweis auf seine Heimat im Landesinneren, die er als das Herz der Insel bezeichnete. Es war von einem heiligen Berg, von den Kindern des Nebels und von viel Ursprünglichkeit die Rede – da wird unsereins natürlich hellhörig! Naja, Len hat mir (wie viele andere) gleich seine Telefonnummer und eine Wegbeschreibung zu seinem Landstrich aufgeschrieben und gemeint, dass ich doch gerne bei ihm vorbeischauen könnte, wenn ich Lust dazu hätte. Ich habe gleich gemerkt, dass ich es mit einem sehr bodenständigen Typen und keinem Schmähbruder zu tun hatte und die Einladung ernst gemeint war, auch wenn ich zum damaligen Zeitpunkt noch nicht einmal richtig wusste, wie viel echte Gastfreundschaft hierzulande gepflegt wird und dass Einladungen hier kein leeres Gerede sind. Beim Mittagessen danach habe ich Tekani von Len´s Einladung erzählt und der war gleich voll begeistert. Es sei eine der schönsten und mystischsten Gegenden der Insel und die Leute dort halten die Tradition in einer schönen Weise aufrecht. Die Einladung sei etwas Besonderes und ich solle sie auf jeden Fall versuchen anzunehmen, weil ich dort bei schönen Menschen unterkommen, was Spezielles entdecken und viel lernen könnte. Tekani hat sich für mich gefreut und gleich überall auf seine positive und temperamentvolle Art herumposaunt, was ich doch für ein Glückspilz sei. „Even we haven´t been there yet…!“
Ich wollte die Sache mal im Hinterkopf behalten und arbeiten lassen…vorerst galt es ja noch einige andere Erfahrungen zu machen…und an den Herzplatz einer Gegend stürmt man ja sowieso nicht hin, man tastet sich Schicht für Schicht heran und wenn man Glück hat, dann öffnet sich der Weg und man wird eingelassen.

Dass der Weg dahin kein leichter sei, das wusste sogar Tekani, immerhin war von der abgelegensten Gegend der Insel die Rede. Vier Stunden Fahrt im Geländewagen über Schotterstraßen, keine Busverbindung und auch ansonsten wenig Verkehr, also kein Autostoppen wie zuletzt…Je mehr ich darüber hörte, umso unwahrscheinlicher erschien mir dieser Ausflug zu werden…

Doch da hatte ich die Rechnung ohne den Hubert gemacht. Denn als ich ihn am Abend meiner Ankunft in Gisborne bei einer ersten „Beurteilung der Lage“ auf der Landkarte zeigte, wohin ich eingeladen wurde, sagte er ohne zu zögern, „Kein Problem, da bring ich dich gerne hin. Ruf den Typ an und mach was aus und wenn du soweit bist, dann fahr ich dich dorthin!“. Wow, echt großzügig…nach Kiwi-Art!

Und so geschah es dann. Wir fuhren stundenlang über Schotterstraßen mit dem Geländewagen über Schotterpisten durch den nebelverhangenen und gebirgigen Regenwald, der seinem Namen an diesem Tag ganz gerecht wurde. Mir wurde schnell klar, dass ich da mit Autostoppen nichts gerissen hätte, und in Anbetracht der Wetterlage war ich mir auch zwischendurch nicht sicher, was ich denn da draußen überhaupt verloren hatte. Irgendwann – wohl nach Überquerung der Wetterscheide – wurde es trocken, der Himmel war plötzlich blau und es ging hinunter in einen schönen Talboden mit Viehherden. Ein schönes, traditionelles Maori-Farmland umgeben vom Regenwald des großen Te-Urewera-Nationalparks. Wir haben uns nach Len durchgefragt und kurz später standen wir vor seiner heruntergekommenen Hube. Es war ein chaotisches Durcheinander von Menschen und Tieren, Len wirkte etwas verschlafen und irgendwie haben es wohl alle Beteiligten nicht ganz glauben können, dass wir Typen da draußen auftauchen. Ein schneller Tee und Hubert war wieder auf dem Rückweg nach Gisborne. Danke noch einmal für den „Ride“!!

mit Hubert durch die Pampa

auf der Anhöhe hat sich dann dieser Blick aufgetan

...und hier sind wir gelandet

Bei meinen austro-neuseeländischen Freunden in Gisborne

Whakatane war der perfekte Einstieg in Neuseeland für mich, doch alles hat einmal ein Ende. Und da auch mein Aufenthalt in Neuseeland ein vorgegebenes Ablaufdatum hat, hab ich mich auf den Weg nach Gisborne gemacht, um die dort ansässigen Freunde meiner Familie zu treffen und ein paar gemeinsame Tage zu verbringen. Laut meines ursprünglichen Planes wäre das ja meine erste Station hier gewesen – da habe ich aber noch nicht gewusst, dass ich auf Grund der gesperrten Landstraße zuerst in Whakatane Halt machen und auch nicht, dass ich ebendort so reich beschenkt werden würde.

Die Öffnung der Straße sollte noch lange auf sich warten lassen, also musste ich einen langen Umweg über die wenig befahrene Küstenstraße nehmen – und das ganze ohne öffentliche Busverbindung, also via Autostopp. Hitchhiking ist in Neuseeland noch üblicher als bei uns daheim und die Kiwis sind ja freundliche und hilfsbereite Menschen, also warum nicht…für den Fall, dass ich auf der Strecke von ca. sechs Fahrstunden nicht mehr weiterkommen sollte, haben mir meine Freunde in Whakatane auf meine Landkarte für jedes Kaff Namen und Telefonnummern von Freunden aufgeschrieben, bei denen ich Quartier etc. bekommen könnte – voll nett. Darauf sollte ich jedoch nicht zurückkommen müssen. Ich wurde gleich mitgenommen, zuerst zwei kurze Etappen mit jeweils anschließendem Kaffee in irgendwelchen Wohnzimmern. Dann hat mich ein 75-jähriger Bauer namens Trevor auf eine zweistündige Fahrt mitgenommen, der die wunderschöne Strecke entlang der Küste schon blind fahren konnte, weil er mehrmals wöchentlich zwischen seinen jeweils ca. 1000 Stück zählenden Milchkuhherden hin und herpendelt. Ein Gratisvortrag über die neuseeländische Land- und Fischwirtschaft im Wandel der Jahreszeiten und Jahrzehnte war inkludiert und auch höchst interessant. So wurde ich über den Teebaum und die gemeine Milchkuh unterrichtet und habe mir von meinem Fahrer erzählen lassen, wie er als junger Bursche tagelang am Hügel sitzend die kolonnenweise Richtung Süden vorbeiziehenden und hunderte Tiere zählenden Walherden beobachtet – „…those days are gone…“. Dazu noch ein paar Maorigeschichten von der „anderen Seite“ gesehen, auch interessant. Die „Ortschaften“, in denen meine potentiellen Kontakte zu finden gewesen wären, haben sich als einzelne Häuser im Nichts herausgestellt und sind wie im Flug vorbeigezogen. Der überaus rüstige Trevor war sehr darauf aus, mich auf halber Strecke einem Postauto zu „übergeben“ und hat entsprechend auf die Tube gedrückt. Wir haben auf der ganzen Fahrt kein anderes Fahrzeug gesehen, doch an seinem Zielort ist eines herausgebogen, er hat es hergewunken und die Fahrerin gefragt, ob sie nach Gisborne fährt und mich mitnehmen würde. „Kein Problem“, hieß es und der Trevor war nicht wenig stolz auf die gelungene Aktion…“Seen, that´s how we do it out here…!“.

Ca. sechs Stunden nach meiner Abfahrt in Whakatane bin ich planmäßig in Gisborne angekommen, die Reise war kurzweilig und ausgesprochen nett. Und noch bevor ich meine Whakatane-Family erst vermissen konnte, hatte ich schon wieder super Familienanschluss.

Hubert stammt aus Kärnten und ist ein ehemaliger Arbeitskollege und immer noch guter Freund meines Vaters und unserer Familie. Er und seine neuseeländische Frau Sue sind mit ihren drei Töchtern vor zehn Jahren in Sues Heimat Gisborne zurückgezogen. Hubert genießt in der ruhigen Kleinstaft den angenehmen hiesigen Lebensstil und seine Pension in vollen Zügen. Der Rest der Familie ist mit Arbeit bzw. Studium, also dem so genannten „Ernst des Lebens“, beschäftigt. Letzterer ist ja bei den Maoris, die ich kennen gelernt hatte, tendenziell weniger populär (eine blöde Formulierung, aber ich erspare mir jetzt jegliche Erörterung über die komplexen, sozialen, geschichtlichen und politischen Zusammenhänge und Hintergründe) und nicht nur in diesem Sinne war in Gisborne einiges ein bisschen anders als in Whakatane. Mein Lebensstandard hat schlagartig zugenommen und für meine Reiseverhältnisse rekordmäßiges Niveau erreicht. Ich hatte viel Platz in einem gemütlichen Haus, konnte mit Hubert den vertrauten Kärntner Schmäh führen und vor allem bei den köstlichen gemeinsamen Abendessen neben ein paar kulinarischen Lernstunden in Sachen Seafood den Rest der Familie kennen lernen. Ich hatte eine ruhige Umgebung und Zeit um die vergangenen Erfahrungen etwas nachwirken zu lassen und durfte auch einfach ein bisschen faul sein. Den Rest der Zeit hat mir Hubert mit ein paar gemeinsamen gemütlichen Ausflügen in die schöne Umgebung angenehm aufgelockert. Ich habe jede Menge gute Tipps und Insiderinfos für Neuseeland bekommen und wir haben gemeinsam eine Strategie für den weiteren Verlauf meiner Reise entwickelt. So haben sich meine nächsten Schritte klar ergeben und die Zeit in Gisborne war – fast schon zu schnell – bald wieder vorüber. Leider war ich fotomäßig wieder einmal etwas nachlässig und es ist alles ein wenig schlecht dokumentiert. Ich habe in den entscheidenden Momenten, wo die ganze Familie versammelt war, diesbezüglich kläglich versagt. (Das Gruppenfoto holen wir aber beim nächsten Mal nach, denn es ist jetzt schon klar, dass ich wieder einmal nach Neuseeland kommen muss.)

Ich möchte mich auch auf diesem Weg noch einmal bei meinen lieben Gastgebern herzlich für die ebensolche Aufnahme in deren Familie, die große Gastfreundschaft und die angenehmen gemeinsamen Tage bedanken. Danke Sue und Hubert und dem Rest der Familie, dass ich mich bei Euch so dermaßen zuhause fühlen durfte!!

Hubert mit Blick über die Kleinstadt Gisborne

Hubert mit Blick über die Kleinstadt Gisborne

Ausflug nach Mahia

...

Bootsfahrt am Fluss

...wie überall in NZL jede Menge Sheepland...

Abstecher zur Schafversteigerung...5 Mill. Artgenossen landesweit

am Lake Waikaremoana

auch dort

im Te-Urewera-Nationalpark

ebendort...und dieses Bild reicht auch schon schwer in das nächste Kapitel hinein...demnächst auf dem Reiseblog Ihrer Wahl!

Landung in Neuseeland…

In Sydney bin ich wieder einmal relativ spät auf den Flughafen gekommen und habe dort einigen unerwarteten Stress bekommen, weil ich beim Check-In kein Ticket für einen Weiterflug von Neuseeland innerhalb der nächsten drei Monate herzeigen konnte. Das Fräulein hinter dem Schalter hat mir klargemacht, dass sie mich so nicht mitnehmen werden, weil ich so kein Visum in Neuseeland bekommen würde, und dass ich genau zehn Minuten Zeit habe, um irgendwas herzuzaubern. Dabei hatte ich mich so gefreut, dass ich mir einmal meinen Zeitrahmen bei den Kiwis offen lassen kann – denkste…! Also hab ich mich schnell auf 4 Wochen Neuseeland festgelegt, bin ins Internet und habe einen Billigstflug zu den benachbarten Fidschiinseln gebucht, auf die ich erst vor kurzem aufmerksam geworden bin…Damit konnte ich dann einchecken, in Neuseeland bei der Einreisebehörde hat das dann eh niemanden mehr interessiert und ich habe anstandslos mein Visum bekommen. Was soll´s, so ergeben sich halt die Dinge oft und vielleicht soll ich ja tatsächlich den Fidschis einen Besuch abstatten – soll nichts Schlimmeres passieren! Jetzt ist aber einmal Neuseeland angesagt, und zwar ganz intensiv. Ich bin schon seit einer Woche hier und die Dinge haben einen so intensiven und erfreulichen Verlauf genommen, dass ich erst jetzt dazu komme, mal wieder was zu schreiben.

In Auckland bin ich um Mitternacht angekommen, um 2:00 Uhr Früh war ich im Quartier und um 7:00 war ich schon wieder auf den Beinen um möglichst schnell von der Großstadt auf´s Land hinauszukommen.

In Neuseeland habe ich zwei gute Kontaktadressen. Beide auf der Nordinsel in zwei kleineren Städten, die nicht weit voneinander entfernt sind und auf einer Strecke liegen. Ich war mir nicht sicher, welche der beiden ich zuerst anfahren sollte, aber diese Entscheidung wurde mir abgenommen, da durch einen Erdrutsch die Verbindung zur weiter entfernten Stadt bis auf weiteres gesperrt ist. Also war klar, dass ich nach Whakatane fahren werde, wo gute Freunde von mir vor drei Jahren intensiven und sehr schönen Kontakt zu den Maoris bekommen haben, was mir als Freund der alten Völker natürlich auch ein zentrales Anliegen hier ist. Kein Mensch in Auckland hat kapiert, was ich in Whakatane will, weil das anscheinend doch weiter von den sehr ausgetrampelten Touristenhauptrouten entfernt ist. Am ersten Tag sollte es dann doch auch für mich touristisch werden, denn ich bekam nur ein Ticket bis Rotorua…

Rotorua liegt ca. in der Mitte der Hauptinsel und ist für seine heißen Quellen, Geysire und Maorifolklore bekannt und bei Ausflüglern und Ausländern entsprechend beliebt. Ich hab mir das auch einen Tag lang angeschaut und war vor allem von den Naturwundern begeistert, die da überall ans Tageslicht blubbern und dampfen. Dazu eine wunderbare, immergrüne Vegetation und märchenhafte Wälder. Einen kleinen Besuch beim Maori-Heimatabend habe ich mir auch nicht erspart…der Grad der Authentizität, den man dort empfindet, entspricht aber ungefähr dem einer Schuhplattler-Vorführung bei uns daheim. Aber ich will das nicht schlechtmachen, immerhin lebt die Tradition ja auch durch die Kommerzialisierung in einer Form weiter. Und Spaß gemacht hat es ja auch …

Hier sind ein paar Bilder von meinem ersten Tag der neuseeländischen Akklimatisierung in der Touristenhochburg Rotorua. Apropos Akklimatisierung: das Wetter ist gerade so wie bei uns daheim Ende August/Anfang September, also bedeutend frischer als in Australien zuletzt.

Ich betrete hier das Territorium von stolzen Menschen und deren Ahnen...Maori-Krieger (1870)

...und ein hochenergetisches Land voll Feuer und Wasser...Geysir in Rotorua

Maori-Friedhof...die Ahnen und der familiäre Hinterbau sind hier sehr wichtig...

traditionelles Meetinghouse für Familie und Gemeinschaft...das Marae

Maori-Schnitzerei

heiße Quellen und Seen, wohin man schaut

...

blubbernde Schlammlöcher

...

so wird hier traditionell gekocht...mit der Hitze aus der Erde

Spaziergang im Märchenwald

...es muss aber nicht immer so gruselig sein

Maorifolklore- Musikantenstadl zum Mitmachen

Warten auf den Bus im besten Bushäuschen der Welt - mit Thermalwasserbecken zum "Fiaßwackn"

Last stop Sydney

Der Regen ist ja, wie beim Uluru-Artikel schon ausgedrückt, ein wahrer Segen, vor allem in der Wüste. Im Allgemeinen bin ich aber auf meinen Reisen nicht so erpicht darauf, dauernd von oben benetzt zu werden. Dass ich zu einer Zeit in Australien gelandet bin, in der die Regenwahrscheinlichkeit relativ hoch ist, ist auf darauf zurückzuführen, dass meine gesamte Reise ursprünglich ganz anders und letztendlich sehr mangelhaft geplant war, wie ich zugeben muss…

Wie dem auch sei…Von Australien wollte ich mir vor allem den Norden ansehen, und gerade dort soll es bis auf weiteres viel regnen. Also bin ich vom Roten Zentrum aus in den Süden geflogen, jedoch nicht mit der Absicht, diesen ausführlicher zu erkunden. Vielmehr habe ich meinen Gesamtplan wieder einmal umgedreht und habe kurzfristig beschlossen, mich nach Neuseeland abzusetzen, wo es JETZT noch halbwegs warme Temperaturen gibt. Nach Australien muss ich wegen meiner Gesamtflugroute sowieso noch einmal zurück und dann kann ich entscheiden, ob ich mir dort noch mehr ansehen will, wenn der Regen sich bis dahin verzogen hat.

Nach meinem wunderbaren Besuch des Uluru bin ich jedoch einmal so glücklich über meinen Australienaufenthalt, dass ich mir erst mal gar nicht mehr wünschen kann. Ich bin dort echt reich beschenkt worden. Kängurus habe ich auch gesehen. Alles andere wäre eine Draufgabe und ich werde später abwägen, ob es noch mehr sein soll. Australien ist ein großartiges Land und es gibt bestimmt noch jede Menge zu entdecken. Es ist aber auch sehr hochpreisig (es gibt nichts, was nicht mindestens doppelt soviel kostet wie bei uns daheim!!!), und die Lebenskosten sind auch dann hoch, wenn man nur wo herumhockt und auf das Ende des Regens wartet. Letztendlich hat mich das Wetter auf einen anderen Kurs gebracht und das kann ich gut so akzeptieren. Die Planänderungen müssen ja nicht immer von so prominenter Seite vorgegeben werden wie noch zuletzt in Thailand durch die österreichische Botschaft…=)

Sydney ist der günstigste Ausgangspunkt für Neuseeland, man bekommt Flüge knapp über 100 Euro. So einen habe ich mir gebucht und die Wartezeit mit einem Tag Sightseeing in Sydney verbracht. Viel mehr Zeit wollte ich mir dafür dann nicht nehmen und das hat sich als gute Entscheidung herausgestellt. Es hat auch hier geregnet und die Großstadt mit Ihren teils gruseligen Gestalten war nach dem Uluru nicht unbedingt so das Wahre…

Von der Ruhe der Wüste nach Sydney zu kommen ist ein ordentlicher Tempowechsel. Sydney ist eine Metropole von internationalem Format und entsprechender Betriebsamkeit – ganz anders als Brisbane. Ich habe im Wüstentempo ganz ohne Stress ein paar Spaziergänge gemacht und mich vor allem im botanischen Garten aufgehalten, dazu gibt es die folgenden Fotos…

Landeanflug mit Blick auf Oper und Harbour Bridge - der Flughafen liegt inmitten von bebautem Gebiet

die Oper von der Harbourbridge aus - nach dem Uluru wohl das zweitberühmteste Motiv in Australien

...an diesem Abend hat ihr aber das Riesenkreuzfahrtschiff "Queen Elizabeth" die Show gestohlen...

Der botanische Garten hat´s gebracht

Lotos

und viel andere Blütenpracht

der kukkaburra heisst zu deutsch nicht umsonst "Lachender Hans" und ist ein wahrer Sympathler unter den vielen Vögeln, die es hier gibt.

und mit diesen allgegenwärtigen Kerlchen schließt sich einmal der Kreis. Das Foto zeigt, warum der Flughund hier "Flying Fox" heißt.